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Norddeutschland Blackbox für Autofahrer: Kfz-Versicherer zahlt Rabatt
Nachrichten Norddeutschland Blackbox für Autofahrer: Kfz-Versicherer zahlt Rabatt
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20:19 12.11.2013
Quelle: dpa
Lübeck

Kontrolle total: Ein erster deutscher Kfz-Versicherer will seine Kunden auf allen Strecken mit Satellit verfolgen. Wer besonders umsichtig fährt, sammelt Punkte. Ab einer bestimmten Bonus-Marke wird der Versicherungsbeitrag günstiger. Was nach besonderem Service klingt, wird von Daten- und Verbraucherschützern im Norden kritisiert. <NO1>Einer Umfrage zufolge planen vier Prozent der deutschen Versicherer, solche Tarife bis 2016 einzuführen.<NO>Blackbox-Versicherungen sind in einigen europäischen Staaten und den USA längst üblich.
Mit einem Rabatt von fünf Prozent Nachlass auf die Jahresprämie bewirbt die Düsseldorfer Sparkassen-Direktversicherung online ihren neuen Kfz-Tarif<NO1> „S-Drive Service“<NO>. Der Autofahrer bekommt eine Art Blackbox, mit der die Versicherung die Fahrweise aufzeichnet. Das Ergebnis geht direkt an ihre Datenbank. Sie wertet aus, wie umsichtig der Fahrer unterwegs war und berechnet eine Gesamtpunktzahl. Ein Malus-System für rasante Fahrer soll es nicht geben. Ab Freitag soll der Tarif verfügbar sein, ab Januar ist er gültig. Der Versicherer verspricht sich eine Senkung der Schadensquote. <NO1>On-Board-Systeme des Anbieters „Telematik“ bieten bereits Öffentliche Versicherer, etwa in Sachsen und Sachsen-Anhalt – allerdings ohne Prämienvergünstigungen.<NO>
„Juristisch machbar, wenn tatsächlich nur wenige wichtige Daten gespeichert würden“, sagt Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragte Marit Hansen. Doch die Bedenken überwiegen. Jeder betroffene Autofahrer müsse sich bewusst sein, dass seine Daten vom Versicherer anderweitig genutzt werden oder <NO1>im Internet<NO>von Unbefugten abgegriffen werden können. Schlimm sei, wenn ein Zwang entstehe, beispielsweise für Hartz-IV-Empfänger, sich überwachen lassen zu müssen, um kostengünstig versichert zu sein. Auch in der Praxis sieht Hansen offene Fragen: „Soll ich nur sacht bremsen, wenn mir ein Kind vors Auto läuft – damit ich keine Scorer-Punkte verliere?“
„Mit dem System wird ein detailliertes Bewegungsprofil aufgezeichnet“, sagt Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. <NO1>Er zweifelt an, dass die Daten sicher aufbewahrt werden. „Wir wissen, dass solche Systeme zu knacken sind.“ <NO>Er rät Verbrauchern zu Preisvergleichen von Versicherern, ehe man sich das neue System einbauen lasse. Der ADAC <NO1>Schleswig- Holstein<NO>befürchtet, dass die Blackbox-Daten im Schadensfall Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben<NO1> können<NO>. „Wir beoachten das Thema, planen aber im Moment keine Einführung des Modells“, teilt Bärbel Reichelt, Sprecherin der Provinzial Nord, mit.
„Der deutsche Markt ist reif für das Produkt“, sagt Jürgen Cramer, Vorstand der Sparkassen-Direktversicherung. Bauchschmerzen der Datenschützer habe man aufgenommen. Der Versicherer hebt <NO1>weitere<NO>Vorzüge seines Angebots hervor: Bei einem schweren Unfall setze das System automatisch einen Notruf ab. In der Box registriere ein Crash-Sensor eine Kollision<NO1> anhand von Beschleunigungskräften, die auf das Fahrzeug einwirken<NO>. Das System ermittele mittels GPS den Unfallort, sende ihn mit Uhrzeit und Fahrtrichtung des Autos an eine Notrufstelle. Nach einem Diebstahl könne das Auto über eine App geortet werden.

Von Curd Tönnemann

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