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Norddeutschland Blüten gegen den Winterblues
Nachrichten Norddeutschland Blüten gegen den Winterblues
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18:37 21.01.2017
Beate Jakob von Kreativ Floristik liebt zarte Frühblüher mit weißen Blüten wie die Schachbrettblume.
Lübeck

Das alte Jahr ist noch nicht lange verabschiedet, da fiebert der Norden schon dem Frühling entgegen. Weil der hierzulande noch eine ganze Weile auf sich warten lässt, holen sich die Norddeutschen frühzeitig das Frühlingserwachen ins Haus. „Das beginnt mit dem ersten Tulpenstrauß an Heiligabend. Weihnachten ist immer der Startschuss“, sagt Bernd Siemer, Inhaber von Kreativ Floristik in der Moislinger Allee. „Im Januar sind die Leute mit den weihnachtlichen roten und dunklen Farben durch, dann wollen sie etwas Frisches im Haus.“

Raus mit dem Tannengrün, rein mit der Blütenpracht: Mitten im Winter hält der Frühling Einzug in die Blumenläden.

Schneeglöckchen, Perlhyazinthen und Tausendschönchen, die im Garten erst in einigen Wochen ihre Köpfe aus dem Boden strecken, haben in Blumenläden und Pflanzenmärkten schon jetzt Saison. Als wild gemusterte, leuchtend bunte Teppiche breiten sich die Töpfe mit Primeln, Ranunkeln und Hornveilchen im Pflanzenmarkt der Gärtnerei Erich Rahlf & Söhne in Schürsdorf aus. Das Familienunternehmen hat fast eine halbe Million Töpfchen mit Frühlingsblumen in seinen Gewächshäusern vorgezogen. Dazu kommen noch Töpfe und Schalen mit vorgetriebenen Zwiebelblumen wie gelbe und weiße Narzissen, duftende Hyazinthen und Tulpen.

„Das Geschäft mit den Frühblühern geht schon ganz früh im Jahr los, und es hält bis Ostern an“, sagt Andreas Ralph. „Im Frühjahr, bis in den Juni hinein, machen wir etwa zwei Drittel unseres Jahresumsatzes.“ Bei Claus und Brigitte Wriedt aus Elmshorn, die ihren Einkaufswagen gerade mit Hyazinthen, Alpenveilchen und gelben Primeln beladen, weckt die Blütenpracht die Vorfreude aufs Frühjahr – „Blumen im Haus sind das beste Rezept gegen den Winterblues!“

„Die Leute haben jetzt ein regelrechtes Bedürfnis danach“, sagt Lea Kähler, Floristin im Blumenhaus Rückert in Bad Schwartau. Sie bindet gerade rote und orangefarbene Tulpen zusammen mit Ranunkeln in prallem Pink zu einem leuchtenden Strauß. „Die Kunden kommen herein und sagen gleich: ,Ich brauche jetzt Farbe in dieser grauen Jahreszeit!’“

Die Deutschen lassen sich das Frühlingserwachen etwas kosten: Fast fünf Milliarden Euro haben sie 2016 für Schnittblumen sowie Beet- und Balkonpflanzen ausgegeben. Der Handel mit Zierpflanzen floriert. Deutschland liege als Absatzmarkt im europäischen Vergleich weit vorne, sagt Britta Tröster von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI).

Regina Manthey, Inhaberin der „Wilden Rose“ in der Fleischauerstraße in Lübeck, bindet opulente Frühlingssträuße und kombiniert die üppigen Blüten mit frischer Kamille oder blühenden Kirschzweigen.

„Meine Kunden lieben bunte, wilde Sträuße“, sagt die erfahrene Floristin. Andere Vorboten des Frühlings hat sie ganz sparsam in Szene gesetzt. Pastellfarbene Tassen und Müslischalen sind der einzige Schmuck für Schneeglöckchen, Perlhyazinthen und Tausendschönchen, mehr brauche es nicht – eine Vase für einen einzelnen Magnolienzweig, ein knorriges Stück Holz, das Blüten wie aus feinstem Porzellan hervorbringt. „Den lassen Sie nach der Blüte einfach in der Vase stehen – ein perfekter Begleiter für alles, was Sie dazustellen“, sagt Regina Manthey.

Auch Bernd Siemer und Beate Jakob von Kreativ Floristik lassen die Frühlingsboten am liebsten für sich sprechen. Purismus sei derzeit gefragt, sagt Bernd Siemer. „Man braucht nicht viel Geschnörkel, keine kunstvollen Arrangements. Ein bisschen Rinde, etwas Moos, ein einzelner Zweig – es soll ganz natürlich aussehen, wie aus dem Boden gewachsen. Die zarten Blüten sind so schön, die wirken auch ganz allein.“

Regine Ley

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