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Bodenampeln für die Generation „Kopf unten“?

Lübeck Bodenampeln für die Generation „Kopf unten“?

Mehrere Städte testen, ob sich Unfälle von Smartphone-Nutzern durch LED-Leuchten verhindern lassen.

In den Boden sind kleine LED-Leuchten eingesetzt, die der Handy-Nutzer sehen kann.

Quelle: dpa

Lübeck/Kiel. Muss es die Gesellschaft akzeptieren, wenn immer mehr Menschen ihren Blick nur nach unten richten, um auf ihr Smartphone zu schauen? Einige Städte haben jetzt die Flucht nach vorn angetreten. Um die Generation „Kopf unten“ im Straßenverkehr besser zu schützen, weisen in Augsburg, Köln und Berlin jetzt vereinzelt Bodenampeln, sogenannte Lane Lights, auf Bahnübergänge und andere Gefahrenpunkte hin. Im Norden ist das Konzept indes sehr umstritten.

Das dahinterstehende Prinzip ist klar: Wenn immer weniger Menschen den Blick geradeaus richten, um das warnende Signal einer Ampel zu sehen, muss die Ampel eben nach unten wandern. Laut einer Dekra-Studie ist inzwischen jeder sechste Fußgänger mit seinem Handy beschäftigt — und trägt damit ein erhöhtes Risiko, potenziell tödliche Gefahren zu übersehen.

Verkehrspolitiker im Norden sind skeptisch. „Wenn Bodenampeln nicht reichen, soll dann als nächstes auf Kosten des Steuerzahlers in die Handykopfhörer ein Warnsignal eingespeist werden?“, fragt zum Beispiel Hans-Jörn Arp (CDU). Für verkehrsgerechtes Verhalten sei immer noch jeder selbst verantwortlich. Ähnlich sieht es der Kieler Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD). Zwar sei alles, was der Verkehrssicherheit diene, prinzipiell zu begrüßen. „Ich halte es aber für zweifelhaft, ob die Gesellschaft mit teueren baulichen Eingriffen vor diesem Phänomen kapitulieren sollte“, erklärt Meyer.

Eigentlich sollte man annehmen, dass jeder, der ein Smartphone bedienen könne, auch in der Lage sei, sich gemäß der Verkehrsregeln zu verhalten.

Einzig die Piratenfraktion zeigt sich offen. Zwar sei er sich nicht sicher, ob Lane Lights die passende Antwort auf permanente Handy-Nutzung im Straßenverkehr seien, so Fraktionschef Patrick Breyer.

„Wenn die Unfallzahlen in Augsburg, Berlin und Köln durch Bodenampeln aber effektiv sinken, sollte man auch in Kiel und Lübeck mit der Zeit gehen und über diesen Ansatz nachdenken.“

Der ADAC in Schleswig-Holstein hält so viel Nachsicht für verfehlt. Alle Verkehrsteilnehmer seien gefragt, das Sicherheitsproblem zu erkennen und ihr Verhalten zu ändern — auch Fußgänger, so Sprecher Ulf Evert. „Autofahrer und Fußgänger sollten eher geradeaus schauen, als dass Verkehrsanlagen angepasst werden.“  

Oliver Vogt

 

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