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18:10 26.12.2017
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Hamburg

Hitlerjugend und Reichsarbeitsdienst, Fliegeralarm und Fronteinsatz – es gibt nicht mehr viele Menschen, die das noch am eigenen Leib erfahren haben und nachfolgenden Generationen von persönlichen Erlebnissen berichten können. Genau dem Zweck widmet sich seit ihrer Gründung nach Berliner Vorbild 1997 die Zeitzeugenbörse Hamburg.

Die Einrichtung des gemeinnützigen Vereins Seniorenbüro Hamburg vermittelt derzeit 15 ältere Menschen vor allem an Schulen, um mit den Jungen in Dialog zu treten über die Zeit unter dem Hakenkreuz. Aber auch über Ereignisse wie die deutsche Teilung, die Wiedervereinigung und die große Sturmflut 1962. Das 20-jährige Bestehen der Zeitzeugenbörse würdigte die Hamburgische Bürgerschaft jetzt bei einer Feierstunde im Rathaus. 120 Menschen waren zu Gast – darunter 40 Zeitzeugen. Ältester Teilnehmer war Wilhelm Simonsohn. Seit elf Jahren wirkt der rüstige 98-Jährige als Zeitzeuge. Als Adoptivsohn eines deutschnational gesinnten Juden, der bald nach seiner Haft 1938 im KZ Sachsenhausen (Brandenburg) als gebrochener Mann starb, kann Simonsohn von hautnah erlebtem Antisemitismus berichten. „Ich möchte jungen Menschen ins Bewusstsein rücken, wie wertvoll es ist, dass wir dank der Weichenstellungen von 1945 in Europa in Frieden mit unseren Nachbarn leben, trotz aller Verwerfungen und Probleme“, sagte Simonsohn.

Die 87-jährige Lisa Schomburg, die seit 15 Jahren dabei ist, erklärte: „Auch ich möchte, dass die Jugend erfährt, wie es war, unter Zwang zu leben, seine Meinung nicht sagen zu dürfen. Und denunziert zu werden, so wie mein Vater es erlebt hat.“ Im Bombenkrieg suchte die Tochter eines Nazigegners Zuflucht im Keller des Pressehauses an der Steinstraße, das dann drei Treffer abbekam. „Eigentlich kaum zu schildern, was ich da erlebt habe“, sagte die einstige Fremdsprachenkorrespondentin. Beide Zeitzeugen berichteten, dass sie in den Schulen sehr positive Erfahrungen machen. Simonsohn: „Wie ein roter Faden zieht es sich durch meine Besuche, dass mir Lehrer sagen, ihre Schüler sonst nie so diszipliniert und konzentriert zu erleben.“

Für beide Senioren bedeutet die Zeitzeugenbörse auch eine Möglichkeit, angehört zu werden und etwas zu bewirken. Allerdings wünschen sie sich, dass die Schulen gerade in Zeiten erstarkender extremer Strömungen viel mehr Gebrauch vom Angebot der Börse machen würden.

LN

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