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Norddeutschland Bombenalarm bei der Bischöfin
Nachrichten Norddeutschland Bombenalarm bei der Bischöfin
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21:16 14.09.2013

Sie war in ihrem Bischofsamt (2001-2008) bisweilen unbequem. Ein Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirchenspitze, das seinen Namen hier lieber nicht lesen möchte, spricht von „bisweilen sperrig“. Doch das alles müssen ja nicht unbedingt negative Eigenschaften sein. „Zugewandt. Energisch. Mutig.“ So nannte Bischöfin Kirsten Fehrs sie am Freitag in Hamburg. Morgen feiert Bärbel Wartenberg-Potter ihren 70. Geburtstag. Pünktlich zu diesem Festtag legt die Lübecker Altbischöfin ihre Lebenserinnerungen vor. Unter dem Titel „Anfängerin“ wird sie das Buch am 26. September in Kiel präsentieren.

Die Stationen ihrer Biografie erzählen von Apartheid in Südafrika, der weltweiten Ökumene — eine ihres Herzensangelegenheiten — der amerikanischen Frauenbewegung, karibischen Armenvierteln und deutschem Gemeindeleben. „Von Glücksmomenten und Schicksalsschlägen“, wie es im Klappentext heißt. Eine Publikation, die Mut machen solle. Geschrieben sei das Buch „in den häuslichen Erfordernissen der Begleitung meines fast 92-jährigen Mannes Philip Potter“, Ex-Generalsekretär des Weltkirchenrats. Beide leben noch in Lübeck. „Ich habe immer gern erzählt. Also erzähle ich“, konstatiert die Altbischöfin.

Ihr Bischofsamt habe ihr eine neue Aufgabe abverlangt, das der öffentlichen Tröstung, erinnert sich Wartenberg-Potter. In ihre Amtszeit fielen der Brandanschlag gegen die Synagoge auf Djerba, der Tsunami in Ostasien, der fünffache Kindermord in Darry und auch der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York. In einem Gedenkgottesdienst zum 11. September 2001 predigte die Bischöfin in der Kieler St. Nikolaikirche zum Thema „Feindesliebe“. „Liebet eure Feinde, und bittet für die, die euch verfolgen“, hatte sie aus der Bergpredigt zitiert. Mit Folgen.

Am 14. Oktober wurde Wartenberg-Potter von ihrem Mann geweckt — mit den Worten: „Ich habe deine Tasche hereingeholt, die du gestern vor der Tür stehen gelassen hast.“ Im Hausflur stand ein schwarzer, fremder Rucksack. Eine daran befestigte Leuchtdiode blinkte, erinnert sich die Altbischöfin. Sie rief die Polizei. Nachbarhäuser wurden evakuiert, die Straße gesperrt. Sprengstoffexperten wurden gerufen. Sie fanden heraus, dass es sich um eine Bombenattrappe handelte. Attrappen ähnlicher Bauart waren schon vor der jüdischen Synagoge und dem Grass-Haus abgestellt worden. Wartenberg-Potter erzählt diese Geschichte in ihrem Buch zum ersten Mal. Der Anfang im bischöflichen Amt sei schwierig gewesen, erinnert sich Wartenberg-Potter.

Die Folgejahre wurden nicht viel leichter. Wartenberg-Potter bereitete die neue Nordkirche vor, eine Landeskirche von der dänischen bis zur polnischen Grenze. Sie leitete die „Steuerungsgruppe“.

Lübeck, ihr Bischofssitz, war am Ende leidtragend. Wartenberg-Potter wurde angefeindet. Sie habe sich nicht genug für „ihr“ Lübeck eingesetzt, lautete der Vorwurf. Wie die ursprüngliche Standortentscheidung für Lübeck später zu Fall kam, habe sie nie genau erfahren, schreibt sie heute. Es sei eine „traurige späte Enttäuschung“ gewesen. Für die Lübecker werde sie nun wohl die Bischöfin bleiben, die am Verlust des Bischofssitzes „Schuld“ ist. Ihr Mann habe gemeint, es sei ein Fall, den sie nicht habe gewinnen können. In der Erinnerung aber bleibt bei Wartenberg-Potter vor allem Positives zu diesem Kapitel ihres Lebens hängen.

Die Lebenserinnerungen von Bärbel Wartenberg-Potter als Buch
Aufgewachsen ist Bärbel Reinhard (Mädchenname von Wartenberg-Potter) in der Pfalz. Erst mit 37 Jahren wurde sie Pastorin. Sie bekämpfte das Apartheid-Regime in Südafrika, zählte zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Anti- Apartheid-Bewegung. Sie reiste so lange nach Südafrika, bis ihr das Visum verweigert wurde. Schon 1974 stritt sie für die Freilassung von Nelson Mandela.

2001 bis 2008 leitete Wartenberg- Potter als Bischöfin den Sprengel Holstein-Lübeck in der Nordelbischen Landeskirche. In ihrem Buch „Anfängerin“ (320 Seiten, Gütersloher Verlagshaus) berichtet sie auch von persönlichen Schicksalsschlägen: Ihre erste Ehe zerbrach über den Tod ihrer Kinder. Warum dieser Titel? „Weil Lebensbrüche mich immer wieder vor neue Anfänge gestellt haben“, erklärt sie.

„Ich habe immer gern erzählt. Also erzähle ich.“
Altbischöfin Bärbel

Wartenberg-Potter

Curd Tönnemann

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