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Brandanschlag von Escheburg: Polizei nimmt Nachbar fest

Escheburg Brandanschlag von Escheburg: Polizei nimmt Nachbar fest

Der Brandanschlag auf die Flüchtlingsunterkunft in Escheburg scheint aufgeklärt. Die Polizei hat einen 38-jährigen Mann vorläufig festgenommen. Er stehe unter „dringendem Verdacht“, den Anschlag verübt zu haben, so die Lübecker Staatsanwaltschaft. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen unmittelbaren Nachbarn der Flüchtlingsunterkunft.

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Am 9. Februar flog ein Brandsatz durch ein Fenster ins Innere dieser Flüchtlingsunterkunft.

Quelle: Timo Jann

Escheburg. Alle haben darauf gewartet, dass die Ermittler die Hintergründe des Brandanschlags auf eine noch unbewohnte Flüchtlingsunterkunft in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) schnell aufklären. Doch gestern, als sich die Nachricht der Staatsanwaltschaft verbreitet, dass ein Escheburger als dringend tatverdächtig festgenommen ist, macht sich kaum Erleichterung breit. Zu groß ist das Entsetzen darüber, dass einer von ihnen, ein unmittelbarer Nachbar des hölzernen Flüchtlingshauses, den Brandsatz geworfen haben soll – wohl wissend, dass er damit sich und seine gesamte Nachbarschaft in Lebensgefahr brachte.

Der 38-jährige Escheburger wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Die Ermittler werfen dem Diplom-Finanzwirt (verheiratet, ein Kind) Brandstiftung vor, „ein gemeingefährliches Verbrechen“. Das Strafmaß beträgt bis zu zehn Jahre. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der Mann durch verdächtige Äußerungen ins Visier der Ermittler geraten. Bereits vergangene Woche war sein Wohnhaus durchsucht worden. Nach einem ersten Verhör war er zunächst auf freien Fuß gesetzt worden – nach LN-Recherchen, weil er für die Tatzeit ein Alibi geltend machte. Alle vorliegenden Indizien deuteten auf den Mann, teilte die Anklagebehörde gestern mit.

Bei dem Anschlag am 9. Februar war durch ein beschädigtes Fenster im Erdgeschoss des Flüchtlingshauses ein Kanister mit brennbarer Flüssigkeit geworfen worden. Vor dem Fenster lagen die Verschlusskappe des Kanisters und ein abgebranntes Streichholz. An beiden Gegenständen wurden bei kriminaltechnischen Untersuchungen DNA-Spuren gefunden, die von dem Beschuldigten stammen.
Ob der Verdächtige Anstifter oder Mitwisser hatte, ist offen. Die Staatsanwaltschaft gehe derzeit von einem Einzeltäter aus, sagte Behördenleiter Thomas-Michael Hoffmann. Die Ermittlungen dauerten an. Ein Geständnis habe der Verdächtige nicht abgelegt. Die ausgelobten 10.000 Euro für Hinweise auf den Täter müssen nicht ausgezahlt werden.

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„Es ist schön, dass man jemanden gefasst hat“, kommentierte Escheburgs Bürgermeister Rainer Bork (EWG) die vorläufige Festnahme. Die Situation in seinem Ort bleibe aber bedrückend – „erst recht, wenn der mutmaßliche Täter Anstifter hatte“. Die Dorfbewohner müssten sich schließlich auch nach Aufklärung der Tat wieder in die Augen schauen können. Martina Falkenberg, Leiterin im Amt Hohe Elbgeest, sagte: „Ich bin erleichtert, aber gleichzeitig erschüttert.“ Es sei gut, dass es keine falschen Verdächtigungen mehr gibt. Sie sei jedoch fassungslos, dass es nach derzeitigem Stand tatsächlich ein Nachbar war und dass sich ein Protest in Escheburg derart hochschaukeln konnte.

Der Verdächtige war Mitglied der Escheburger Wählergemeinschaft (EWG). Diese hatte ihn bereits am Montag aus der Fraktion ausgeschlossen. Hintergrund seien unflätige Äußerungen in einem Brief des Mannes an den Bürgermeister gewesen, teilte EWG-Chef Erich Fuhrt mit. In dem Schreiben geht es um die Unterbringung der Flüchtlinge. „So etwas lassen wir uns nicht gefallen“, sagte Fuhrt. Für den EWG-Vorsitzenden, Anlieger der Tatort-Straße, ist es „unglaublich erschreckend, dass sich ein bis dahin unbescholtener Bürger zu so einer Tat hinreißen lässt“.

Michael Bendixen, der schräg gegenüber dem Brandhaus wohnt, sagte: „Immerhin ist jetzt der Druck weg, der hier gegen die Nachbarn aufgebaut wurde.“ Olaf Schliekelmann, ebenfalls in der Siedlung zu Hause: „Da scheint sich ja eine entsetzliche Stimmung aufgebaut zu haben, wenn man zu solchen Methoden greift.“ Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) erklärte, der Täter stehe nicht für die Menschen in Escheburg. Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) forderte, Politik und Gesellschaft müssten sich aktiv mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen und deren Folgen auseinandersetzen.

Von Curd Tönnemann und Timo Jann

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