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Norddeutschland Brandbrief: Sana-Personal prangert Pflege-Notstand an
Nachrichten Norddeutschland Brandbrief: Sana-Personal prangert Pflege-Notstand an
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22:01 09.11.2017
Ein Informant teilte den LN mit, dass im schlechtesten Fall nachts nur eine Schwester für zwei Stationen mit schwerkranken Patienten da sei. Quelle: LN-Archiv

In einem Offenen Brief an die Sana-Geschäftsführung listet der Betriebsrat die Probleme in der Pflege auf. „Die Vorgaben mit einer Besetzung von drei Pflegekräften im Frühdienst, zwei Pflegekräften im Spätdienst und 1,5 Pflegekräften in der Nacht ist für die großen Stationen nicht ausreichend.“ Ein Informant teilte den LN mit, dass im schlechtesten Fall nachts nur eine Schwester für zwei Stationen mit schwerkranken Patienten da sei.

Der Betriebsrat reagiert auf die seiner Meinung nach unhaltbare Situation mit Gefährdungsanzeigen. Damit macht das Personal gegenüber der Geschäftsleitung deutlich, dass verantwortungsvolle Pflege nicht mehr zu leisten ist. In der Folge sind die Pflegekräfte nicht mehr haftbar. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi wurden in der Sana-Klinik Eutin 2016 insgesamt 399 Gefährdungsanzeigen geschrieben. Im Frühjahr 2017 waren es laut Verdi bereits 150 Anzeigen.

Die Personalengpässe in der Pflege erstrecken sich nach Angaben von Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Cords auf alle Sana-Häuser in Ostholstein. Sana-Sprecher Michael Hesse entgegnet, die Geschäftsführung habe ihr Versprechen erfüllt und Pflegekräfte eingestellt. Ihre Zahl sei an den Sana-Kliniken Ostholstein von Dezember 2016 bis Oktober 2017 um zehn auf 261 erhöht worden. „Leider bleiben auch wir vom allgemeinen Pflegekräftemangel nicht verschont.“

Auch in anderen Kliniken im Land führt der Pflegenotstand zu Engpässen. Im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) müssen Therapien verschoben werden. „Das vorhandene Personal arbeitet für das fehlende mit“, räumt UKSH-Sprecher Oliver Grieve ein. Um den Notstand zu mildern, werden bereits eigene Mitarbeiter auf Personalsuche geschickt. Jede Vermittlung wird mit einer Prämie von 2000 Euro honoriert. Acht neue Kräfte seien über diese Aktion gewonnen worden, sagt Grieve. „Nicht viel. Aber jeder Einzelne hilft.“ 100 Pflegekräfte hat das UKSH im Ausland angeworben, vor allem in Albanien und auf den Philippinen. Auf der hauseigenen Akademie werden sie fortgebildet.

Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein (KGSH), sagt: „Wir weisen seit langem auf die Arbeitsverdichtung in den Kliniken und die damit gefährdete optimale Versorgung der Patienten hin.“ Bislang habe die Politik hiergegen zu wenig unternommen. Gebraucht werde ein Sofortprogramm.

Ein Schwerpunkt der Landesregierung sei die Stärkung der Kliniken, sagt Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Finanzielle Mittel würden aber nur bedingt helfen, wenn Fachkräfte fehlen. Nur wer attraktive Arbeitsbedingungen und eine adäquate Vergütung bietet, werde dauerhaft engagierte Mitarbeiter finden, mahnt Garg.

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