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Bremer übernehmen Hamburger Traditionswerft

Bremen/Hamburg Bremer übernehmen Hamburger Traditionswerft

Paukenschlag im norddeutschen Schiffbau: Familienunternehmen kauft Blohm+Voss.

Das Dock „Elbe 17“ von Blohm+Voss gegenüber den St.-Pauli-Landungsbrücken gehört zur berühmten Kulisse des Hamburger Hafens.

Quelle: LN

Bremen/Hamburg. Spektakulärer Mega-Deal: Die Bremer Familienwerft Lürssen übernimmt das Hamburger Traditionsunternehmen Blohm+Voss. Man habe sich mit dem bisherigen Eigentümer, dem Fonds der britischen Investmentgesellschaft Star Capital, verständigt, teilte Lürssen in Bremen mit. Betroffen sind in Hamburg fast 1000 Beschäftigte. Ob sie um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, ist bislang unklar. Der Kieler Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) begrüßte die Übernahme. Lürssen betreibt inzwischen in allen fünf Küstenländern Werftstandorte, insgesamt sind es jetzt sechs. In Schleswig-Holstein ist die Lürssen-Gruppe in Schacht-Audorf bei Rendsburg vertreten.

Die Übernahme war deshalb auch in der Kieler Landesregierung Gesprächsthema. „Die deutschen Werften müssen sich im weltweiten Wettbewerb behaupten“, sieht Wirtschaftsminister Meyer die Position des deutschen Schiffbaus gestärkt. Mit der Übernahme von Blohm+Voss und dessen Dockkapazitäten positioniere sich „die äußerst erfolgreiche“ Lürssen- Gruppe strategisch als großer Werftenverbund im Marineschiffbau. Die Übernahme komme überdies zu einem „gut platzierten“ Zeitpunkt, an dem die Bundesregierung einen der größten Überwasserschiffbau-Verträge im Zuge einer europäischen Ausschreibung vergeben will. „Lürssen hat im Schiffbau immer hohe Kompetenz bewiesen, in allem, was sie tun“, lobte Meyer. „Wir streben in Hamburg ein langfristiges Engagement an“, kündigte der Chef des Bremer Familienunternehmens Peter Lürßen an. Der Hamburger Hafen liege strategisch günstig.

Ob Lürssen am Standort Hamburg künftig auch Luxusyachten baut, bleibt offen. Die Firma gilt als Spezialist dafür. Für den Oracle-Vorstandschef Larry Ellison hat Lürssen die 138 Meter lange Megayacht „Rising Sun“ gebaut, für einen saudischen Prinzen die „Azzam“, mit 180 Metern längste Privatyacht der Welt. „Inwieweit wir den Standort Hamburg zukünftig zur Fertigung von Yachten nutzen, wird vor allem von der Marktentwicklung abhängen“, sagte Firmenchef Lürßen.

Blohm+Voss hatte sich zuletzt erfolglos um Aufträge in diesem Marktsegment bemüht. Am Nord- Ostsee-Kanal gehört Lürssen die Kröger-Werft im schleswig-holsteinischen Schacht-Audorf, wo für den Mutterkonzern ebenfalls Yachten bis zu einer Länge von 90 Metern gefertigt werden. „Wir erhoffen uns aus der Übernahme Synergieeffekte, die auch für Rendsburg wichtig sind“, so Minister Meyer.

„Eine große Chance für den maritimen Standort“ nannte Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) die Übernahme. Der Werftbetrieb werde damit auf ein solides Fundament für die Zukunft gestellt. Positiv äußerte sich auch die IG Metall Küste. „Für Blohm+ Voss ist das eine gute Nachricht“, sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken. Die Gewerkschaft erwarte nun aber nähere Informationen im Hinblick auf die Arbeitsplätze.

Lürssen hatte bereits 2015 ein Übernahmeangebot an Blohm+ Voss abgegeben. Der Deal war damals nicht zustande gekommen.

Die Übernahme muss noch vom Kartellamt genehmigt werden. Über die Höhe des Kaufpreises vereinbarten die Vertragspartner Stillschweigen. Ob der Traditionsname Blohm+Voss erhalten bleibt, ist offen.

Von Curd Tönnemann

Auch die „Passat“ lief bei Blohm+Voss vom Stapel

Blohm+Voss gehört zu den bekanntesten deutschen Werften. Die großen Docks der 1877 von Hermann Blohm und Ernst Voss gegründeten Firma, die früher zahlreiche berühmte Kreuzfahrtriesen, Großsegler wie die „Passat“ (Foto/heute vor Travemünde), aber auch das Schlachtschiff „Bismarck“ baute, gehören fest zum Panorama des Hamburger Hafens. Wie die gesamte Branche befindet sich das Unternehmen seit längerem in einer schwierigen Phase. Es wurde mehrfach umstrukturiert und verkauft. 2005 erwarb der deutsche Industriekonzern ThyssenKrupp Blohm+Voss, wollte die Firma später aber wieder loswerden. 2011 gliederte ThyssenKrupp den zivilen Schiffbauteil aus und verkaufte ihn an Star Capital (London).

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