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Norddeutschland Bremsen Fledermäuse den Weiterbau der A 20 aus?
Nachrichten Norddeutschland Bremsen Fledermäuse den Weiterbau der A 20 aus?
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08:45 05.11.2013
Endet die A 20 auf Jahre in der Sackgasse? Quelle: dpa

Es geht um ein zehn Kilometer langes Teilstück zwischen Weede und Wittenborn (Kreis Segeberg). Es ist der einzige baureife Abschnitt. Geklagt haben die Umweltschutzorganisationen BUND und Nabu, zwei Gemeinden und Privatleute, darunter Ex-Tchibo-Chef Günter Herz.

Wenn es schlecht fürs Land läuft, könnte der Weiterbau der A 20 gehörig ins Stocken geraten. Kiel müsste ein neues Planfeststellungsverfahren einleiten. Das jetzt auf dem Prüfstand stehende verschlang eben mal sechs Jahre. Der Verband Güterverkehr und Logistik (VGL) spricht von einer „Katastrophe für Schleswig-Holstein und Skandinavien“, wenn die Autobahn vorerst nicht weitergebaut werden dürfte. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gibt sich vor dem Richterspruch „verhalten optimistisch“. Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) sagte gestern: „Wir sind gut auf das Verfahren vorbereitet.“

Die vom Land geplanten Maßnahmen reichten nicht aus, die Fledermäuse auf ihren Flugrouten zu den Segeberger Kalkberghöhlen zu schützen, beklagen die Naturschützer. Bis zu 20 000 Tiere aus 15 Arten bezögen dort ihr Winterquartier. Der Landesbetrieb Straßenbau sei zu keinen substanziellen Schutzmaßnahmen für Fledermäuse bereit gewesen, kritisiert BUND-Landesgeschäftsführerin Ina Walenda. Eine außergerichtliche Einigung mit dem Land sei deshalb gescheitert, bedauert Nabu- Landesvorsitzender Hermann Schultz. „Es sind sich wohl alle im Saal einig, dass dies hier ein bedeutendes Habitat ist“, hatte der Vorsitzende Richter des 9. Senats in Leipzig, Wolfgang Bier, bereits in der mündlichen Verhandlung erklärt.

Das Gericht geht der Frage nach, warum vom Land nicht eine weiter südlich gelegene Trassenführung gewählt wurde. Für den BUND hat noch eine andere Lösung Charme: Man könnte sich einen Ausbau der B

206 zur Autobahn mitten durch Bad Segeberg vorstellen — als 750 Meter langer Tunnel. „Das bedeutete wenig Flächenverbrauch. Man müsste dafür nur etwas Fantasie mitbringen“, sagt Walenda.

Die Güterverkehrsbranche im Norden stöhnt. „Und das für ein paar Fledermäuse?“, fragt VGL- Geschäftsführer Thomas Rackow. Wegen der ausbaubedingten Behinderungen auf der A 7 sei die Branche ohnehin gehandicapt. „Wir brauchen die A 20, um einen Verkehrsinfarkt zu verhindern.“ Für die IHK Lübeck warnt Rüdiger Schacht: „Es wird Zeit, dass die Fortsetzung des Autobahnbaus endlich wieder Fahrt aufnimmt.“

Auch um Ausgleichsflächen gibt es Ärger: Da die geplante Autobahntrasse durch ein geschütztes FFH-Gebiet läuft, will die Landesregierung vom Tchibo-Erben Herz knapp zwei Hektar seines Gestüts bei Lasbek (Stormarn) haben — als Ausgleichsfläche. Das Kieler Angebot, von einer Enteignung abzusehen und dem Eigentümer nur eine Nutzungsbeschränkung zum Vorteil der Natur zu erteilen, lehnt der Unternehmer ab.

Unterdessen hat die Initiative „A 20 sofort“ um Ex-Verkehrsminister Dietrich Austermann (CDU) nach einem halben Jahr 10 000 Unterschriften gesammelt. Damit der Landtag sich mit ihrem Anliegen beschäftigt, muss der Verein „Neue Wege für Schleswig-Holstein“ bis April 2014 das Doppelte an Unterstützern finden. Die Initiative fordert, die A 20 samt Elbtunnel in den nächsten fünf Jahren fertigzustellen. „Es kann nicht sein, dass einige wenige dem Gemeinwohl Schaden zufügen, Arbeitsplätze vernichten und Wachstum verhindern.“  

Curd Tönnemann

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