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Norddeutschland Brutale Supermarkt-Räuber vor Gericht
Nachrichten Norddeutschland Brutale Supermarkt-Räuber vor Gericht
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22:12 19.09.2016
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Kiel/Bad Segeberg

Zweimal überfielen sie Mitarbeiter einer großen Supermarkt-Kette, erpressten sich den Zugang zum Tresor und machten hohe Beute: Seit gestern müssen sich zwei mutmaßliche Serientäter wegen bewaffneter Raubüberfälle auf Edeka-Filialen in Stelle (Kreis Harburg), Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) und Wrist (Kreis Steinburg) vor dem Kieler Landgericht verantworten.

Die Anklage wirft den 22 und 27 Jahre alten Männern aus Bad Segeberg erpresserischen Menschenraub, Körperverletzung, Verabredung zu einem Verbrechen sowie gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr vor. Nach dem dritten, fehlgeschlagenen Überfall am 25. Februar 2016 in Wrist rasten sie auf wilder Flucht vor der Polizei in ihrem Audi A 8 mit bis zu 184 km/h durch die Ortschaften, so der Vorwurf.

In Neumünster missachteten die Täter ein halbes Dutzend rote Ampeln, rasten rücksichtslos über Bürgersteige, brachten Fußgänger und Autofahrer in Lebensgefahr. In Bordesholm war die Verfolgungsjagd gegen 21 Uhr zu Ende. Seitdem sitzen ein Deutscher (22) und ein Kosovo-Albaner (27) in U-Haft. Ein dritter Mann konnte unerkannt flüchten.

Kurz vor Weihnachten 2015 soll das Trio eine ganze Serie von Überfällen auf die Ladenkette geplant haben: Ermittler stellten später eine Liste mit dreizehn Zielobjekten sicher. Über Google-Suchanfragen hatten die Täter die Filialen aus unterschiedlichen Perspektiven ausgekundschaftet und teilweise persönlich observiert.

Zuerst überfiel das dunkel gekleidete, mit einer Pistole bewaffnete Trio am 19. Dezember eine Supermarkt-Mitarbeiterin, die gegen fünf Uhr morgens den Seiteneingang der Filiale in Stelle (Kreis Harburg) ansteuerte. Unter Todesdrohungen erpressten die Maskierten den Zugang zum Tresor, fesselten die Frau mit Kabelbindern an Händen und Füßen. Sie flüchteten mit 1800 Euro und ließen das Opfer mit Schürf- und Kratzwunden an den Gelenken zurück.

Eine Woche später, in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag 2015, fuhren die Räuber in einer hochwertigen Mercedes-Limousine, zugelassen auf den Vater des älteren Angeklagten, zum Wohnhaus eines stellvertretenden Marktleiters bei Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg). Sie stiegen durch ein Fenster, rissen den Mann aus dem Schlaf, fesselten ihn unter Vorhalt einer Pistole und eines Messers an Händen und Füßen. Barfuß wurde das verängstigte Opfer von den Maskierten zum Auto geschleppt, auf den Rücksitz bugsiert und mit einem Jutebeutel vorm Gesicht zur Filiale gefahren. Unter Todesdrohungen entschärfte der Gekidnappte die Alarmanlage und öffnete den Tresor. Die Täter entnahmen rund 60 000 Euro, ließen das Opfer hilflos am Tatort zurück.

Jetzt nimmt der Markt-Mitarbeiter, der nach dem Vorfall monatelang nicht mehr im eigenen Haus übernachten konnte und bis heute an den psychischen Folgen leidet, als Nebenkläger am Prozess teil. Das Gericht hat sieben Verhandlungstage bis Anfang November angesetzt. Ein von der Kammer angeregter Deal zur Verkürzung des Prozesses kam gestern nicht zustande: Die Staatsanwaltschaft strebt hohe Haftstrafen bis neun Jahre an – aus Sicht der Verteidigung keine adäquate Gegenleistung für Geständnisse.

gey

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