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Bund will Nordsee-Fischerei drastisch einschränken

Berlin/Kiel/Bremen Bund will Nordsee-Fischerei drastisch einschränken

Weniger Schweinswale und Vögel sollen qualvoll in Netzen verenden — Vom Fischerei-Verband kommt harte Kritik — Minister Habeck will Krabbenfischer schützen.

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Geht es nach dem Bund, darf dieser Fischer seine Netze vor List auf Sylt künftig nicht mehr auswerfen.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Berlin/Kiel/Bremen. Zum Schutz von Schweinswalen, Vögeln, Riffen und Kleingetier am Meeresboden will der Bund in großen Gebieten der Nordsee die Fischerei ganzjährig verbieten. Verbände der Fischer reagierten gestern mit scharfer Kritik, weil sie Einbußen befürchten. Nach ihrer Ansicht schießen die Pläne über das Ziel hinaus. Widerspruch gibt es auch aus der Landespolitik. Betroffen ist vor allem die Fischerei mit Grundschleppnetzen und Stellnetzen in den Schutzgebieten Östliche Deutsche Bucht und Sylter Außenriff vor der schleswig-holsteinischen Küste, Borkum Riffgrund vor Niedersachsen und Doggerbank, die noch weiter draußen liegt.

„Es ist gut für die Natur, aber es ist auch gut für die Fischer, wenn es Schutzzonen gibt, in denen sich die Bestände erholen können“, sagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Hendricks erntete harsche Kritik: Wenn der Bund 30 Prozent der deutschen Nordseefläche sperren wolle, sei das nicht hinnehmbar, sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes. „Das ist so, als nähme man einem Bauern ein Drittel seiner Fläche weg.“ Deutschland sollte wie andere Länder die Verbotszonen präziser definieren und nicht riesige Flächen ausweisen. Der Verband hält die Pläne zum Teil für rechtswidrig.

Für ein zielgenaueres Vorgehen ist auch der Kieler Fischerei- und Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die heimischen Krabbenfischer drohten unverhältnismäßig stark belastet zu werden. Er wolle sich dafür einsetzen, dass dies verhindert werde. Insgesamt begrüßt die Landesregierung laut Habeck aber die Absicht, Schweinswale, Seevögel, Riffe und Sandbänke besser zu schützen.

Das Bundesumweltministerium argumentiert so: Mit teils tonnenschweren Grundschleppnetzen werde der Meeresboden bis zu 20 Mal im Jahr umgepflügt, um Fische aufzuscheuchen und im Netz zu fangen.

Darunter litten Muscheln, Schnecken und Seeigel, das Meeresökosystem werde dauerhaft geschädigt. In langen Stellnetzen zum Fang von Kabeljau und Plattfischen wiederum verfingen sich Schweinswale und Seevögel, die diese Fische jagen. Schweinswale ersticken und Vögel ertrinken.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) betonte, Fischerei sei abhängig von einer intakten Umwelt. „Eine verlässliche Zukunft für die Fischwirtschaft kann es nur geben, wenn die Fischerei nachhaltig, das heißt, im Einklang mit der Natur und in Vorsorge für künftige Generationen, betrieben wird.“ Die geplanten Maßnahmen seien ein guter Ausgleich zwischen Naturschutzzielen und den Interessen einer nachhaltigen, wirtschaftlich auskömmlichen Fischerei. Die Pläne müssen noch mit den anderen Nordsee-Ländern abgestimmt werden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace begrüßte die Pläne grundsätzlich, forderte aber auch ähnliche Regelungen für die Ostsee und mehr Einschränkungen für die Krabbenfischerei. Fischereiexperte Thilo Maack kritisierte, Deutschland habe es nach der Ausweisung der Schutzgebiete im Jahr 2007 in sechs Jahren nicht geschafft, dort die menschlichen Aktivitäten zu beschränken und sich deshalb ein Vertragsverletzungsverfahren der EU eingehandelt. „Das hängt jetzt wie ein Damoklesschwert über der Bundesregierung und ist der Hintergrund für die jetzigen Vorschläge.“

Filets werden immer beliebter

Am Karfreitag wird — trotz aller Debatten um den Fang — in vielen Haushalten wieder Fisch auf dem Tisch stehen. Immer beliebter werden Filets. Matthias Keller vom Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des Fischgroßhandels sagt: „Sie sind einfach bequemer in der Zubereitung.“ Ansonsten sind laut Keller Lachs und Alaskaseelachs, jeweils mit etwa 20 Prozent Marktanteil, am gefragtesten. „Der Hering lag bei 14,5 Prozent, Thunfisch bei 12,5 Prozent und die Forelle bei 5,5 Prozent.“ Das Statistische Bundesamt ermittelte, dass die Preise für Fisch und Fischwaren 2015 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent gestiegen sind.

Von Wolfgang Schmidt und Helmut Reuter

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