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Norddeutschland CDU-Politiker fordert Abgabe auf Fleisch und Milchprodukte
Nachrichten Norddeutschland CDU-Politiker fordert Abgabe auf Fleisch und Milchprodukte
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16:36 19.06.2016
Artgerechte Haltung von Hühnern ist teuer.  Die Abgabe könnte sie fördern. Quelle: Ruge
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Kiel

hn Prozent Aufschlag sollen die Verbraucher künftig fürs Tierwohl bezahlen.

"Viele Menschen sind jetzt schon bereit, mehr Geld für gut produzierte Nahrungsmittel zu bezahlen“, sagt Rickers, im Kieler Landtag landwirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Doch selbst wenn sie teurere Produkte kaufen würden, könnten sie bislang nicht immer sicher sein, dass das Geld auch wirklich beim Landwirt ankommt.

Selbst freiwillige Tierwohl-Label des Handels seien in all den vergangenen Jahren überwiegend wirkungslos geblieben. Der Handel scheue offenbar davor zurück, seinen täglich 45 Millionen Kunden deutlich höhere Preise zuzumuten.

„Gerademal 70 Millionen Euro kommen derzeit durch diese freiwilligen Programme pro Jahr zusammen. Experten sagen uns aber, wir bräuchten zwei bis drei Milliarden Euro, um den tiergerechten Umbau aller Ställe zu bewerkstelligen“, sagt Rickers. Und diese Summe bekomme man eben nur mit einer Pflicht-Abgabe zusammen, erklärt der CDU-Politiker. Der Staat solle sie eintreiben oder eine Körperschaft damit beauftragen.

Landwirte, die ihre Ställe im Sinne des Tierwohls verbessern, zum Beispiel den Platz für die einzelnen Tiere vergrößern, könnten dann Anträge stellen und aus dem Topf Fördergelder bekommen. In Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien gebe es Ähnliches schon. EU- rechtlich sei es also möglich, weil es quasi eine Entschädigung für Mehraufwand durch höhere Tierschutzstandards sei.

„Und auch für den Verbraucher werden zehn Prozent Aufschlag verkraftbar sein“, sagt Rickers. Ein Liter Billig-Milch vom Discounter werde sich dann gerademal von beispielsweise 47 auf 52 Cent verteuern, ein Kilo Schweine-Hack von vielleicht 2,90 Euro auf 3,20 Euro. „Das würde nicht weh tun, aber viel helfen. Und viele Menschen wollen helfen.“ Die Produkte sollten daher auch verpflichtend gekennzeichnet sein, damit der Verbraucher wisse, dass er gerade einen Teil seines Geldes für bessere Haltungsbedingungen der Tiere beisteuere.

Wenn Kritiker ihm vorwerfen, er wolle zu viel Staat zulassen und eine neue Bürokratie aufbauen, fechte ihn das nicht an, sagt Rickers. „In diesem wichtigen Bereich müssen wir einfach feststellen, dass es der Markt alleine eben nicht richtet.“ Das Thema müsse bundesweit noch stärker diskutiert werden, auch innerhalb der CDU. Bauernpräsident Werner Schwarz sieht den Vorstoß von Rickers kritisch: „Ich bin eher für marktwirtschaftliche Lösungen.“ Von so einer Abgabe würden sich in der langen Kette bis zu den Bauern doch wieder nur zu viele Institutionen etwas vereinnahmen. Grundsätzlich begrüße auch er die Diskussion der Politik über das Thema aber sehr.

 

Von Wolfram Hammer

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