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Norddeutschland CDU-Spitze im Umfragetief: Entscheiden jetzt die Mitglieder?
Nachrichten Norddeutschland CDU-Spitze im Umfragetief: Entscheiden jetzt die Mitglieder?
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01:52 17.04.2016
Wähler verloren: Stürzt die Nord-Union in die Krise?
Kiel

Nur noch 28 Prozent für die CDU bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl, keine Aussicht auf einen Regierungswechsel 2017 und Fraktionschef Daniel Günther doppelt so beliebt wie Spitzenkandidat Ingbert Liebing: Die aktuelle Forsa-Umfrage für die Kieler und Lübecker Nachrichten stürzt die Nord-Union in die Krise. In der Partei ist eine Debatte über Führungspersonal und Strategie entbrannt.

Erste Parteigranden bringen gegenüber den LN jetzt eine Mitgliederbefragung über den Albig-Herausforderer ins Spiel. Denn die CDU steckt im Dilemma: Selbst die eigene Anhängerschaft ist laut der Umfrage gespalten. Hier räumen 25 Prozent Liebing bessere Wahlchancen ein, 24 Prozent Günther. Über alle Befragten kommt Liebing nur auf neun, Günther auf 18 Prozent. 44 Prozent kennen beide gar nicht.

Ganz offen wächst die Kritik an Liebing, dem Parteichef und Bundestagsabgeordneten aus Nordfriesland. Ende letzten Jahres rief ihn der Landesvorstand zum Spitzenkandidaten aus. Ein Parteitag im Juni soll das eigentlich absegnen. „Er muss etwas tun. Er muss endlich präsenter werden – und zwar dort, wo viele Menschen wohnen, im Süden des Landes“, sagt die Norderstedter Landtagsabgeordnete und Frauen-Unions-Chefin Katja Rathje-Hoffmann. „Ingbert Liebing muss sich mehr sehen lassen im Land, muss Gespräche führen, sich positionieren“, schreibt ihm CDU-Ex-Landtagspräsident Martin Kayenburg ins Stammbuch. Er hätte sich gewünscht, dass das eher passiert wäre. Günther müsse derweil seine gute Arbeit als Fraktionschef so fortsetzen, damit „die CDU wahrnehmbar bleibt“. Ex-Wirtschaftsminister Dietrich Austermann fordert Liebing auf, mit einem Fünf-Punkte- Programm unter anderem in der Verkehrs- sowie Bildungs- und Wissenschaftspolitik inhaltliche Akzente zu setzen. „Wir bleiben unter unseren Möglichkeiten“, sagt Junge-Union-Chef Tobias Loose.

Der Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels Werner Kalinka mahnt die Parteiführung, endlich die Sozialpolitik in den Blick zu nehmen – und erinnert daran, dass man in seinem Kreisverband Plön gute Erfahrungen mit der direkten Beteiligung der Mitglieder an wichtigen Entscheidungen habe. „Liebing muss sich steigern“, sagt der parlamentarische Geschäftsführer der Landtagsfraktion, Hans-Jörn Arp. Liebing selber lehnte gestern einen Rücktritt von der Spitzenkandidatur ab, konterte per Pressemitteilung, die Umfrage sei „eine gute Ausgangslage“ für die Landtagswahl. Günther gab sich selbstkritischer: Die Werte für die CDU, einschließlich seiner eigenen, seien nicht berauschend, „ein Weckruf zur rechten Zeit“. Man werde jetzt Gas geben und noch energischer für den Wahlsieg 2017 kämpfen.

CDU und SPD kommen lauf Umfrage auf je 28 Prozent Zustimmung, die Grünen auf 16, FDP und AfD auf je neun, der von der Fünfprozenthürde befreite SSW auf vier Prozent. Die Koalition aus SPD, Grünen und SSW liegt damit bei 48 Prozent, die anderen Parteien bekäme nur 46 Prozent. Entsprechend entspannt kommentierte SPD- Chef Ralf Stegner auf Twitter: „Wir machen das.“ FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki hält jetzt ein Ergebnis von über zehn Prozent für seine Partei für möglich. Grünen-Chefin Ruth Kastner spricht von einer „Super Wasserstandsanzeige für uns Grüne“.

Von Wolfram Hammer

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