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Norddeutschland CDU fordert mehr Lehrer für Flüchtlingskinder im Norden
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21:16 22.12.2015
Die Sprache lernen, zur Schule gehen: Für Flüchtlingskinder ist Bildung der Schlüssel zur Integration. Quelle: dpa

Die Sprache lernen, zur Schule gehen: Für Flüchtlingskinder ist Bildung der Schlüssel zur Integration. Gerade dafür tue die Landesregierung in Kiel aber viel zu wenig, klagt Schleswig-Holsteins Landtags-CDU. Vor allem die Zahl der Lehrer werde im Jahr 2016 nicht ausreichen, um weiter für eine gute Bildung für alle Kinder zu sorgen.
Rund 8000 Flüchtlingskinder werden derzeit an den Schulen im Norden unterrichtet, etwa 4900 an allgemeinbildenden und 3100 an Berufsschulen. „Die Landesregierung geht davon aus, dass 2016 ebenso viele Flüchtlinge kommen wie 2015. Das bedeutet 8000 neue Schüler“, sagt die CDU-Schulpolitikerin Heike Franzen. Und wenn es bei den Plänen von SPD, Grünen und SSW bleibe, nur 280 zusätzliche Lehrerstellen zu schaffen, kämen rechnerisch 28 Flüchtlingskinder auf einen Lehrer.

Die DaZ-Zentren („Deutsch als Zweitsprache“) würden zwar mit mehr Lehrern gestärkt, das seien aber keine zusätzlichen Kräfte sondern Lehrer, die anderswo von Schulen abgezogen werden. „Es fehlt dann an den Schulen vorne und hinten“, warnt die Christdemokratin. In die Zahlen seien auch noch nicht jene Kinder eingerechnet, die über den Familiennachzug nach Schleswig-Holstein kommen. Und: Es gebe schon jetzt viel zu viel Unterrichtsausfall. Die CDU habe deshalb in den Haushaltsberatungen 480 neue Lehrerstellen beantragt, was einen Schlüssel von immerhin nur 16 zu eins ergeben würde. Davon müssten gut 200 Stellen in den Berufsschulen geschaffen werden, die viele der männlichen Jugendlichen aufnehmen – aktuell rund 1250 –, die oft ohne Eltern nach Europa flüchten mussten.

Was die CDU-Politikerin besonders empört: SPD-Bildungsministerin Britta Ernst habe ihre Zahlen erst vorgelegt, als der Landtag schon über den Haushalt abgestimmt hatte. Eine Debatte darüber, wie viele neue Lehrer für die Integration der Flüchtlingskinder gebraucht werden, sei bewusst vermieden worden. Im Bildungsministerium fühlt man sich allerdings gut gerüstet. Am 1. Februar werde es zunächst 50 neue Stellen geben, die je nach Bedarf auf bis zu 280 aufwachsen sollen, sagt ein Sprecher. Die Ministerin habe zudem stets betont, dass man „auf Sicht fahre“. Ist also im Jahresverlauf die Schaffung weiterer Stellen geplant? Das will im Ministerium so noch niemand bestätigen. Man freue sich aber, 300 Pensionäre in der Hinterhand zu haben, die sich zu einer Reaktivierung bereiterklärt haben.

Die Berufsschulen im Land wolle man ohnehin stärken, heißt es im Bildungsministerium. Man arbeite mit Volldampf daran, auch 19 und 20 Jahre alten Flüchtlingen ein Berufsschulangebot machen zu können, bisher besteht eine Berufsschulpflicht im Land nur für Minderjährige und Auszubildende. Berufsschulleitungen hatten dem Ministerium von einer Vielzahl junger Flüchtlinge berichtet, die in den vergangenen Monaten um Aufnahme gebeten hatten und enttäuscht werden mussten. Wolfram Hammer

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