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Norddeutschland CDU will Sitzenbleiben wieder einführen
Nachrichten Norddeutschland CDU will Sitzenbleiben wieder einführen
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12:02 31.08.2016
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Kiel

Das Sitzenbleiben soll wieder möglich werden. Bis 2022 soll es eine 100-prozentige Unterrichtsgarantie geben. Das kündigte Liebing in Kiel an. Aus den Regierungsfraktionen von SPD und Grünen hagelte es Protest.

 

„Nahezu jede zehnte Schulstunde wird nicht erteilt. Das kann nicht so weitergehen.“CDU-Landesvorsitzender Ingbert Liebing

Knapp neun Monate vor dem Urnengang in Schleswig-Holstein geht der Bundestagsabgeordnete und CDU-Landesvorsitzende Liebing in die Vollen. In Kiel präsentierte er gestern Vorhaben, die er in der Bildungspolitik umsetzen will, wenn er nächster Ministerpräsident in Kiel wird – wovon er ausgeht. Zuallererst will Liebing mehr Geld in die Bildung geben. Konkret beziffern lasse sich die Summe noch nicht, sagte er.

Bis 2022, dem Ende der nächsten Legislaturperiode, soll kein Schulunterricht mehr ausfallen. Fakt sei, dass der Ausfall im vergangenen Jahr zugenommen habe. Liebing: „Es wird anders als versprochen immer schlimmer.“ Nahezu jede zehnte Schulstunde sei nicht erteilt worden. „Das kann so nicht weitergehen.“ Liebing fordert eine verlässliche Lehrerbedarfsprognose bis 2030, um daran die Zahl der Studienplätze auszurichten. Auch müsse Schleswig-Holstein für Pädagogen attraktiver werden. Der CDU-Landeschef kritisierte die Praxis, Lehrer mit Zeitverträgen für elf Monate einzustellen. Das befördere Abwanderungen. In anderen Bundesländern würden die Lehrer gleich verbeamtet.

Die Zwangseinschulung mit sechs Jahren soll abgeschafft werden. Ab Klasse drei soll es wieder Noten geben – zur besseren Orientierung für Schüler, Eltern und Lehrer. Auch die Schulartenempfehlung am Ende der Grundschule würde unter CDU-Führung zurückkommen. Das Sitzenbleiben will die CDU wieder einführen. „Macht es Sinn, einen nicht-versetzungsreifen Schüler von der neunten in die zehnte Klasse mitzuziehen, damit dieser die Schule dann ohne Abschluss verlässt?“, fragt Liebing. Für diesen Schüler sei es besser, die neunte Klasse zu wiederholen.

Das zweigliedrige Schulsystem will Liebing beibehalten. Aber: „Die verschiedenen Profile von Gymnasien und Gemeinschaftsschulen sollten nicht länger ausradiert werden.“ Für jede Schulart müsse es eine eigenständige Lehrerausbildung geben. Beim gemeinsamen Unterricht für behinderte und nicht behinderte Schüler will Liebing einen Schritt zurück. „Die Eltern müssen wählen können, ob sie ihre Kinder besser auf einer Förderschule oder mit inklusivem Unterricht versorgt sehen. Wir sind überzeugt, dass es weiter Förderschulen geben soll.“

„Liebing hat erkennbar wenig Ahnung von Schulpolitik“, reagierte SPD-Fraktionschef Ralf Stegner. Er sei bereit, den Schulfrieden aufzugeben. „Fatal für Schleswig-Holstein“, sagte Grünen-Landeschefin Ruth Kastner zu den CDU-Plänen. Erst die Küstenkoalition habe die Schulen „aus dem Spar-Würgegriff von CDU und FDP befreit“.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW spricht von einer „Rolle rückwärts“. Landesvorsitzende Astrid Henke: „Wir können nicht von Wahlperiode zu Wahlperiode wesentliche Elemente des Bildungssystems umkrempeln.

Das bringt nur Frust und Verunsicherung.“

Anerkennung kommt dagegen von der FDP. „Wir nehmen mit großem Interesse zur Kenntnis, dass die Bildungspolitik der CDU unter Liebing dem FDP-Programm sehr nahe kommt“, sagte Christopher Vogt. Der Philologenverband begrüßte die Absage an den „Einheitslehrer“. Verbandschef Helmut Siegmon: „Endlich Klartext.“

 Curd Tönnemann

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