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„Chinesen sind langfristig orientiert“

Lübeck „Chinesen sind langfristig orientiert“

Verkauf des Lübecker Airports: LN-Interview mit Experte Philipp Sandner über Investitionen aus Fernost.

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Philipp Sandner ist Mitautor einer Studie über chinesische Investitionen in Deutschland. Er ist Mitgründer und Gesellschafter der Munich Innovation Group, die Patente deutscher Unternehmen vermarktet.

Quelle: Eckert u. Heddergott/TUM

Lübeck. LN: Welche Bedeutung hat Deutschland für chinesische Investoren?

Philipp Sandner: Deutschland ist für die Chinesen ein wunderbares Investitionsziel. Sie haben Geld, Produktionskapazitäten und einen riesengroßen Markt, und die Deutschen haben tolle Technologien, tolle Produkte und tolle Innovationen. Das passt wunderbar zusammen. Zumal Deutschland sich im Vergleich zu Frankreich oder den USA auch offen zeigt.

LN: Welche Ziele verfolgen die Chinesen?

Sandner: Sie versuchen, ihre Volkswirtschaft zu stabilisieren und Innovationen zu entwickeln, und wenden dafür verschiedene Mittel an — nicht anders, als es deutsche Unternehmen tun, wenn sie expandieren wollen. Das kann die Übernahme eines mittelständischen Unternehmens sein oder der Aufbau einer Forschungs- und Entwicklungsniederlassung.

LN: Es geht also nicht nur um Geldanlage?

Sandner: Nein, ganz im Gegenteil. Die Chinesen sind so langfristig orientiert wie wenige andere Nationen. Die Rendite ihrer Investitionen sind nicht nur die Zinsen, wie es eher bei amerikanischen Investoren zu erwarten ist, sondern, zum Beispiel, auch die Möglichkeit, Produkte weltweit zu verkaufen, die in Deutschland erfunden wurden.

LN: Gibt es auch Risiken für die deutsche Wirtschaft?

Sandner: Ja, natürlich. Mittelständler, die in finanziellen Nöten sind, werden leicht unter Wert an chinesische Investoren verkauft — und nicht immer sichern chinesische Investitionen die langfristige Existenz. Auch wenn es Arbeitsplatzgarantien gibt, ist nicht gesagt, dass sie nach fünf oder zehn Jahren noch gelten und nicht doch Arbeitsplätze nach China verlagert werden. Generell ist es wichtig, dass eine deutsche Firma aus einer Position der Stärke heraus einen Investor sucht und nicht erst, wenn sie kurz vor der Insolvenz steht. Dann wird es gefährlich — das gilt für einen Flughafen, der politisch gewollt ist, genauso wie für einen Mittelständler, der eine Finanzspritze braucht.

LN: Welche Rolle spielen kulturelle Unterschiede?

Sandner: Davon hört man immer wieder. Zum Beispiel kommen chinesische Unternehmer mit dem deutschen Betriebsrat überhaupt nicht klar. Aber die deutschen Regeln, also auch Baurecht und Betriebsräte, sind eben der Preis, den sie für die Stabilität und die exzellente Infrastruktur in Deutschland bezahlen müssen. Das Wichtigste ist, dass beide Seiten klare Regeln und Fahrpläne verhandeln und dokumentieren.

LN: Welche Rolle spielt die chinesische Politik?

Sandner: Eine ganz zentrale Rolle. Der Staat steuert die gesamte Wirtschaft unter anderem mit gezielten Förderprogrammen. Auf solche Anreize ist unter anderem die immense Zahl von angemeldeten Patenten zurückzuführen — inzwischen mehr als in Deutschland. Es gibt nicht die eine Behörde im Hintergrund, die alles steuert, aber es gibt eine Strategie, die wahrscheinlich durchdachter und finanzstärker ist als das, was wir hier in Europa haben.

LN: Das heißt, die Investoren können notfalls auch Millionenverluste stemmen?

Sandner: Sie haben tiefe Taschen und können die eine oder andere Krise wegstecken. Aber die chinesischen Unternehmer wissen schon sehr genau, was sie wollen und was nicht, und wo die Grenzen ihrer Belastbarkeit sind. Ich glaube nicht, dass ein chinesischer Investor jahrelange Verluste ertragen wird.

LN: Wie kann man sicher sein, dass man nicht für politische Zwecke eingespannt wird, die man nicht billigen würde?

Sandner: Auch das kann man in Regeln vereinbaren, zum Beispiel: Der Flughafen darf nicht für militärische Zwecke genutzt werden. Es ist Aufgabe des deutschen Partners, alles zu bedenken, was eintreten könnte und diese Regeln vielleicht auch zu kompromisslosen Bedingungen zu machen. Wenn ein Projekt politisch gewollt ist, kann es sein, dass die Regeln aufgeweicht werden, und dann kommen nach fünf Jahren die Probleme.

Interview: Hanno Kabel

LN

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