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Norddeutschland Kormorane bedrohen die Fischerei
Nachrichten Norddeutschland Kormorane bedrohen die Fischerei
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20:30 27.08.2018
Auf dem Stausee Hohenfelden bei Weimar kontrolliert Uwe Müller, Vorsitzender des Thüringer Fischereiverbandes, eine Reuse. Quelle: Martin Schutt/dpa-Zentralbild
Lübeck

Im LN-Interview spricht die Präsidentin des Deutschen Angelfischerverbandes, Christel Happach-Kasan, darüber, was Fischbestände bedroht und was Angler dagegen tun können.

Was ist die größere Bedrohung der Fischbestände in unseren Gewässern, die Hitze, die Kormorane oder die Angler?

Dass Angler die Fische bedrohen trifft nicht zu. Es ist richtig, dass die mittlerweile rund 520.000 Mitglieder im Deutschen Angelfischer Verband organisierten Angler Fische entnehmen und verwerten. Doch auf der anderen Seite tun sie enorm viel dafür, dass die Fischbestände erhalten werden. Von ihnen werden jedes Jahr ehrenamtlich und meist im Verborgenen Millionen Stunden geleistet, Gewässer und Ufer gereinigt, Jungfische eingesetzt und vieles mehr. Ohne diesen Einsatz gäbe es in Flüssen und Seen viele Fische gar nicht mehr. Der Aal etwa wäre aus unseren Flüssen verschwunden.

Aber gegen die Hitze, die zur Sauerstoffknappheit im Wasser führt, können Angler auch nichts tun.

Es ist leider so, dass bei höheren Wassertemperaturen, im Rhein wurden 28 Grad oder in Elbe und Mosel 26 Grad gemessen, viele Fischarten an ihre Grenzen gelangen und leider auch verenden. Wobei man sagen muss, dass Fische in naturnahen Gewässern, für die wir uns einsetzen, bessere Chancen haben als in künstlichen oder verbauten Wasserläufen. Ein großes Problem für viele Arten stellen die vielen kleinen Wasserkraftwerke mit einer Leistung unter einem MegaWatt dar, von denen es an Deutschlands Flüssen rund 7000 gibt. Für die Betreiber dieser Anlagen, deren Stromerzeugung bundesweit nur mit 0,3 Prozent ins Gewicht fällt, lohnt der Bau von Fischtreppen nicht. Doch für die Tiere handelt es sich um unüberwindbare Hindernisse, die Flüsse werden zerstückelt. Als DAFV fordern wir, dass die Betreiber für die verursachten ökologischen Schäden aufkommen müssen.

Mögen Sie Kormorane, diese eleganten Fischfänger, die an vielen Gewässern große Kolonien bilden?

Es geht nicht um mögen oder nicht, sondern darum, dass diese Tiere in Deutschland dramatisch überhand genommen haben. Diese Vögel entnehmen den Gewässern jedes Jahr etwa so viel Fisch, wie Berufsfischer und Angler zusammen. Und das ist ein großes Problem für den Erhalt der Fischbestände. Wir müssen den Bestand der Kormorane regulieren, so wie wir das etwa auch beim Rehwild zum Schutz der Wälder tun.

Aber die Bundesländer haben doch Kormoran-Verordnungen erlassen. Reicht das nicht aus?

Nein, ein Problem ist, dass Kormorane nicht als jagdbare Art gelistet sind und sie zum großen Teil in Schutzgebieten nisten und fischen. Wir fordern deshalb, dass der Kormoran in den Anhang der Vogelschutzrichtlinie als jagdbare Art aufgenommen wird. Die Bestände könnten dann auf ein vertretbares, nachhaltiges Maß reguliert werden.

Was ist dieses Maß?

Das müssen wir wissenschaftlichen Untersuchungen überlassen. Ich persönlich denke, dass maximal die Hälfte des jetzigen Kormoran-Bestandes aus biologischer Sicht akzeptiert werden kann.

Aber damit macht sich der DAFV andere Umweltverbände zum Feind, von denen einige gegen Kormoran-Verordnungen klagen.

Wir sollten auf Grund von wissenschaftlich gesicherten Fakten über das Problem sprechen. Unter der Hand räumen viele aus den Umweltverbänden ein, dass Kormorane eine wirkliche Bedrohung bestimmter Fischarten an bestimmten Standorten darstellen. Und wenn sie in Fischteiche einfallen, bedrohen sie die Existenz der dortigen Berufsfischer. Da muss dringend etwas geschehen. Da sieht übrigens das EU-Parlament genau so.

Schauen wir auf die Ostsee. Der Dorsch hat sich erholt, aber beim Hering droht wegen des Rückgangs an Jungfischen im nächsten Jahr ein totales Fangverbot. Was sagen Sie dazu?

Wegen der erfreulichen Entwicklung beim Dorsch halten wir eine nennenswerte Erhöhung der Fangquote für die Berufsfischer aber auch des Tageslimits für Angler im gleichen Umfang für möglich und sinnvoll. Allerdings tritt der DAFV dafür ein, dass in der Laichzeit des Dorschs im zeitigen Frühjahr in Laichgebieten überhaupt nicht gefischt und geangelt werden sollte. Die Nachwuchsprobleme beim Hering sehen wir auch. Allerdings unterstützen wir die Berufsfischer darin, dass es nicht zu einer Nullquote beim Hering kommen darf. Es sollte ein tragfähiger Kompromiss zwischen einer nachhaltigen Bestandsentwicklung auf der einen und der beruflichen Existenz von vielen Küstenfischern auf der anderen Seite gefunden werden.

Reinhard Zweigler

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