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Norddeutschland „Christian“ stoppt Verkehr im Norden
Nachrichten Norddeutschland „Christian“ stoppt Verkehr im Norden
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23:21 28.10.2013
Zahlreiche Züge mussten vor umgestürzten Bäumen stoppen: Auf der Strecke zwischen Malente und Plön fuhr dieser Zug gegen einen Baum, war nicht mehr fahrbereit und musste repariert werden. Quelle: Olaf Malzahn (3), Lucas Braun (4)

Ratlose Blicke, eine komplett leere Anzeigetafel und lange Schlangen vor dem Infoschalter: Zahlreiche Reisende sind gestern am Lübecker Hauptbahnhof gestrandet, nachdem die Bahn wegen des Sturmes den Zugverkehr in Schleswig-Holstein ab dem Nachmittag eingestellt hat. Die Stimmung liegt irgendwo zwischen Ärger, Resignation und Galgenhumor.

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„Wir trinken ein Bier und warten ab.“ Ingrid Evers (75)

„Ich weiß überhaupt nicht, was wir jetzt machen sollen“, sagt Eloisa Polla verärgert. Die Brasilianerin ist mit ihrer Mutter zu Gast in Deutschland und will eigentlich ihren Bruder in Lüneburg besuchen. Nun sitzt sie ziemlich ratlos auf ihren zahlreichen Gepäckstücken. „Zur Not müssen wir uns ein Hotel nehmen und morgen weiterfahren“, sagt die 28-Jährige. Ihren Urlaubsstart hat sie sich anders vorgestellt. Auch Maria Gollasch kann ihre Urlaubsstimmung nicht bis nach Hause retten. Die Kielerin ist eben aus Mallorca zurückgekommen, doch nach einer turbulenten Landung und einer Fahrt mit dem Bus, sitzt sie nun hier fest. Mit kurzen Hosen wartet die 32-Jährige bibbernd auf ihren Vater. „Der will uns abholen, steht aber auch auf irgendeiner Landstraße im Stau, weil da ein Baum umgeknickt ist", sagt Gollasch gefrustet. Einer von zahlreichen Bäumen, die Orkantief „Christian“ an diesem Montag im ganzen Land entwurzelt und auf Straßen und Bahnstrecken fallen lässt. Laut Egbert Meyer-Lovis, DB-Sprecher für Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein, sollen auch heute viele Strecken gesperrt bleiben. Dies gelte für die Linien Lübeck—Puttgarden, Kiel—Flensburg, Pinneberg—Elmshorn, Neumünster—Padborg und Itzehoe—Husum. Als erstes solle die Strecke Hamburg—Lübeck wieder aufgenommen werden. Die Stimmung nicht vermiesen lassen sich Ingrid Evers und ihre sechsköpfige Reisetruppe aus Hamburg. Dass ein Unwetter kommen soll, hatten sie nicht mitbekommen. „Wir gehen jetzt erst einmal ein Bier trinken und überlegen, was wir machen."

Ein stürmischer Wind bläst auch in Fehmarns Südwesten am Naturstrand bei Gold. Trotz Windgeschwindigkeiten zwischen 90 und 110 Stundenkilometer tummeln sich rund 15 Windsurfer und Kiter auf der aufgewühlten Ostsee. „Ein bisschen leichtsinnig ist das schon“, sagt Frank Böttger aus Bremen, „aber das ist wie eine Sucht.“ Wenig später ist der 47-Jährige zurück an Land, schaut mit betretener Miene auf seinen gebogenen Gabelbaum und reibt sich das Handgelenk. Kurz darauf sehen auch die letzten Wassersportler ein, dass sie kapitulieren müssen und packen ihre Sachen zusammen.

Auch Andres Rohlfs, der gerade im Fehmarner Camping- und Ferienpark Wulfener Hals die umgekippten Klappstühle in seinem Wohnwagen sichert, muss einsehen, dass nichts mehr geht. „Ich wollte den Wohnwagen eigentlich heute nach Bremen holen, aber die Fehmarnsundbrücke ist gesperrt und das ist mir jetzt zu gefährlich bei den Windverhältnissen“, sagt der 47-Jährige. Gerade hat er seinen Chef angerufen und ihm die Lage erklärt. „Zum Glück hatte er Verständnis und gibt mir morgen frei.“ Nun hat er eine Nacht auf dem Campingplatz verlängert, um den Sturm auszusitzen. Genau, wie einige Lkw-Fahrer, die auf den Auffangparkplätzen rund um die Fehmarnsundbrücke auf Entwarnung warten müssen.

Sturmschäden umgehend der Versicherung melden
Ab Windstärke acht, was einer Windgeschwindigkeit von mehr als 62 Stundenkilometern entspricht, greift bei Sturmschäden die Hausrat- und Gebäudeversicherung. Hausbesitzer dokumentieren Sturmschäden am besten mit Fotos, rät Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg. Außerdem sollten sie nach einem Schaden sofort die Versicherung informieren. Versicherte haben eine sogenannte Schadenminderungspflicht. Ist etwa das Dach beschädigt, müssen sie Gegenstände auf dem Dachboden mit Folie abdecken, erklärt Boss.

Die Mitwirkungspflicht habe aber Grenzen. So sei niemand gezwungen, sich selbst bei einem Sturm in Lebensgefahr zu begeben. Eine Gebäudeversicherung kommt für Schäden an einer Immobilie auf — dazu gehören auch durch Sturm beschädigte Fenster oder Türen. Schäden an Dingen wie der Satellitenschüssel oder der Markise sind durch eine Hausrat-Versicherung abgesichert. Hierbei sei es besonders wichtig, Schäden nicht nur zu dokumentieren, sondern die beschädigten Gegenstände aufzubewahren und nicht sofort eigenmächtig zu reparieren.

Lucas Braun und Janine Richter

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