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Norddeutschland Container statt Hotels für Polizisten
Nachrichten Norddeutschland Container statt Hotels für Polizisten
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08:01 06.07.2017
300 Polizisten aus Schleswig-Holstein sollen in Containern nächtigen, viele Kollegen haben Hotelzimmer. Quelle: Foto: Hiltrop
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Bad Segeberg/Hamburg

Die Gewerkschaft der Polizei ist auf der Zinne. Die Landesregierung versucht zu retten, was zu retten ist.

LeVo-Park heißt die ehemalige Lettow-Vorbeck-Kaerne heute. Als die Flüchtlingszahlen 2015 anschwollen, wurden auf dem Gelände Container für 1500 Menschen errichtet. Hamburg mietete das Areal bis 2018, um seine Flüchtlinge dort unterzubringen. Dann der Türkei-Deal der Bundesregierung. Der Zuzug ebbte ab.

Das Containerdorf stand leer. Bis die Hamburger Polizeiführung auf die Idee verfiel, dort Beamte aus anderen Ländern unterzubringen, die beim G-20-Gipfel in diesen Tagen in der Metropole Schichtdienst schieben. 300 Berliner Beamte fanden die Zustände im LeVo-Park offenbar so schlimm, dass sie in aller Öffentlichkeit eine wilde Party feierten – und von der Hamburger Polizeiführung wegen unbotmäßigen Verhaltens nach Berlin zurückgeschickt wurden. Ein Trupp der Bundespolizei aus Rheinland-Pfalz rückte nur wenige Tage später nach Beschwerden des Mainzer Innenministeriums in Hamburg über die unhaltbaren Zustände in der Unterkunft ab, darf sich jetzt nach Feierabend im Feriendorf „Center Parcs“ von den Strapazen erholen.

Das Kieler Innenministerium erfuhr nach Angaben eines Sprechers erst am Dienstag um 10.28 Uhr davon, dass die Hamburger Polizeiführung jetzt die Beamten aus Schleswig-Holstein im LeVo-Park unterbringen will. CDU-Innenstaatssekretär Torsten Geerdts eilte zum Blitzbesuch nach Bad Segeberg, Polizei-Gewerkschafter der GdP im Schlepptau. Seine Ansage: Das Objekt wird ab sofort zuverlässig gereinigt, es gibt dort für die Beamten Frühstück und eine Küche – unter anderem hilft die örtliche Feuerwehr mit aus. 59 Hunde einer Polizei-Hundestaffel, die ebenfalls im LeVo-Park untergebracht ist, werden ausquartiert – ihr ständiges Bellen habe die Beamten am Schlaf gehindert. Pro fünf Beamte seien jetzt eine Dusche und Toilette verfügbar. Und: Auf Betreiben des Landes gebe es ab sofort Freizeitmöglichkeiten, darunter Fernsehen, Tischtennis und einen Filmabend.

Die Unterbringung in den Containern bleibe „grenzwertig“, so Geerdts. Im laufenden Einsatz sei jetzt aber ein Umzug polizeitaktisch und logistisch sinnlos und nicht zu machen. Es gebe schlichtweg keine Ausweichquartiere in der Nähe Hamburgs mehr. Dass das nur eine Übergangslösung sein könne, werde man den dortigen Behörden aber sehr deutlich machen. Schleswig-Holsteins Vize-GdP- Chef Torsten Jäger macht der Polizeiführung in Hamburg ganz offen schwere Vorwürfe. Die unzureichende Planung ihrer Logistiker habe zu einem „vorhersehbaren Desaster“ geführt. Die Unterkunft sei trotz der Verbesserungen durchs Land „kaum auszuhalten“. Man habe diese Notlösung für die schleswig-holsteinischen Kollegen wohl noch irgendwie „über“ gehabt.

Tatsächlich ist auch eine weitere Einsatzhundertschaft aus Eutin in einer Ex-Flüchtlingsunterkunft in der Nähe des Flughafens Fuhlsbüttel einquartiert – während Kollegen aus anderen Ländern Hotels belegen. Während die Kieler SPD- Opposition die Landesregierung für ihren Einsatz zur Verbesserung der Unterkunft lobt, mahnt die regierungstragende Landtags-FDP die Hamburger, aber auch das eigene Innenministerium, sich besser um die Beamten aus dem Norden zu kümmern. Man könne zwar nachvollziehen, dass die Hotelkapazitäten nicht ausreichen, um alle Polizisten zu beherbergen, sagt der FDP-Innenpolitiker Kay Richert. Er erwarte jedoch, „dass unsere Polizeibeamtinnen und -beamten vernünftig untergebracht werden“. Man dürfe deren hohe Motivation nicht aufs Spiel setzen.

 Wolfram Hammer

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