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Norddeutschland Containerdörfer: Flüchtlinge ziehen um
Nachrichten Norddeutschland Containerdörfer: Flüchtlinge ziehen um
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22:13 16.02.2017
Nele Brüser (29) vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten und Flüchtlings-Betreuerin Corinna Haag (50) vor der leerstehenden Container-Anlage in Rendsburg. Quelle: Fotos: Lutz Roessler
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Büchen/Rendsburg

Es ist enger geworden für Robel (22) aus Eritrea. Seit Dezember 2015 hatte er in einem Einzelzimmer in der Containeranlage „Am Hesterkamp“ in Büchen (Kreis Herzogtum Lauenburg) gewohnt. Voriges Wochenende musste er umziehen – in ein Zwei-Bett-Zimmer in einem anderen Container, das er sich nun mit einem weiteren Flüchtling teilt.

Leerstand und Abbau bestimmen das Bild in den Notunterkünften. Die LN haben sich umgesehen.

Die Bewohner mussten zusammenrücken. „Zwei Container-Häuser mit Platz für etwa 40 Personen sind Anfang der Woche abgebaut worden“, informiert Martin Voss (69), Vorsteher des Amtes Büchen. Sie wurden nicht mehr gebraucht. „Es kommen weniger Flüchtlinge als noch vor einem Jahr“, erklärt Betreuerin Heike Gronau-Schmidt (56) von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), die in der Anlage arbeitet. Durch den Abbau könne das Amt Geld sparen. Das frei werdende Grundstück im Gewerbegebiet wurde an eine Firma veräußert.

Rund 30000 Euro monatlich habe der Leerstand gekostet, weiß Martin Voss. Zwar seien alle Behausungen bis Ende November fest gemietet, trotzdem komme der Abbau billiger: Pro Flüchtling erhält die Kommune vom Land eine Pauschale. Voß: „Wir haben jetzt wieder eine stabile Belegung, so geht es.“ Die noch vorhandenen vier Containerhäuser am Hesterkamp bieten Platz für 80 Personen. „76 Flüchtlinge aus Eritrea, Armenien, Syrien, Somalia und Jemen sind derzeit darin untergebracht“, führt Heike Gronau-Schmidt aus. 25 von ihnen wohnten vorher in den abgebauten Containern nebenan.

Der Umzug sei keine große Sache gewesen, meint die Betreuerin. Denn viel Besitz hätten die meisten Bewohner nicht. In Robels Zimmer stehen Blechspinde, auf dem Kunststofftisch liegen Bonbons. Etwas Persönliches ist nicht zu sehen. Schon etwas gemütlicher hat es da Familie Margaryan aus Armenien, die erst vor gut zwei Monaten mit zwei Kindern in Büchen angekommen war. Ein Zimmer dient zum Schlafen, in dem anderen steht ein altes Plüschsofa, auf einem Regal erfreuen frische Blumen das Auge.

„Wenn man irgendwann ganz von den Containern wegkäme, wäre das ja gut“, findet Heike Gronau-Schmidt. Ihr Wunsch ist es, alle Flüchtlinge in festen Häusern unterzubringen. „Vor zwei Jahren hatte man nichts, da brauchten wir die Notunterkünfte dringend. Jetzt hat sich die Lage entspannt.“

Auch andernorts ist in den eilig hingestellten Containersiedlungen Ruhe eingekehrt. In der Erstaufnahme des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten in Rendsburg (Kreis Rendsburg- Eckernförde) wurde 2015 ein Containerdorf mit 300 Einheiten auf der grünen Wiese errichtet.

Verlassen stehen die weißgrauen Behelfsheime nun in Reih und Glied, nur ein paar Kinder flitzen mit ihren Rollerskates dazwischen herum. Mehr als 700 Flüchtlinge lebten hier zu Hochzeiten, sie wurden auf bessere Behausungen verteilt. Im Backsteingebäude auf dem Gelände, das auch die Büros des Amtes beherbergt, leben noch 320 Asylbewerber.

„Ob die Container noch einmal gebraucht werden, weiß keiner“, stellt Corinna Haag (50) vom Roten Kreuz (DRK) Lübeck fest, das die Flüchtlinge in Rendsburg betreut. „Wenn mehr kommen, brauchen wir den Platz wieder. Unser festes Haus hier ist von der Belegung her an der Kapazitätsgrenze.“

Die Container seien gekauft, gibt Nele Brüser (29), Pressesprecherin des Landesamtes Auskunft. „Es ist gut, dass wir sie haben. Falls die Flüchtlingszahlen noch einmal steigen, sind wir vorbereitet.“

Marcus Stöcklin

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