Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland „Dr. Google“ kann Arztbesuch nicht ersetzen
Nachrichten Norddeutschland „Dr. Google“ kann Arztbesuch nicht ersetzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:54 28.11.2018
Immer mehr Menschen googeln ihre Symptome, noch bevor sie in die Praxis gehen. Das kann sinnvoll sein – aber auch riskant. Quelle: Andrea Enderlein
Lübeck/ Hannover

 Leichte Kopfschmerzen, Schwindelgefühle, ein Zwicken im Hals. Bevor es zum Arzt geht, googeln viele Menschen, auf welche Krankheiten die Symptome zutreffen könnten. Das allerdings kann selbst zu einer gefährlichen Krankheit werden.

Studien zufolge verstärke die Recherche im Internet die Ängste von Menschen, die zu Hypochondrie neigen. Manch einer bilde sich unbegründet schwere Krankheiten ein und erleide Panikattacken. Das Ganze hat inzwischen sogar einen Namen: „Cyberchondrie“.

Panikmache im Internet: Google macht den Ärzten Konkurrenz

„Die ständige Erreichbarkeit von mehr oder minder zutreffenden medizinischen Informationen im Internet führt bei vielen Patienten zu starker Verunsicherung“, sagt die niedersächsische Ärztekammerpräsidentin Martina Wenker. „Dr. Google“ könne den persönlichen Praxisbesuch nicht ersetzen. Dem Statement schließt sich auch die Ärztekammer Schleswig-Holstein an.

Patienten suchen Fakten und Trost

Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat ergeben: Das Internet erfüllt unterschiedliche Bedürfnisse. Neben Fakten suchen Patienten im Netz Sicherheit, Trost, Austausch und Zerstreuung. 52 Prozent der Patienten, die das Internet bei Gesundheitsfragen nutzen, sind mit dem Ergebnis zufrieden. Fast jeder Dritte verschweigt dem Arzt die vorherige Online-Suche. Öffentlich finanzierte Websites werden nicht als vertrauenswürdiger eingestuft als kommerzielle. Nur 20 Prozent der Ärzte ermutigen Patienten zur Informationssuche im Internet.

Hausarzt Thomas Maurer kennt das Problem. Mittlerweile hätten im Schnitt zwei von zehn Patienten vor einem Besuch in seiner Praxis nach Krankheiten gegoogelt, berichtet der Allgemeinmediziner und Vorsitzende des Hausärzteverbands Schleswig Holstein. Das Problem: „Viele Symptome passen zu jeder denkbaren Krankheit.“

Manche Patienten glauben eher dem Internet als dem Hausarzt, sagt Allgemeinmediziner Thomas Maurer. Quelle: SGB

Manch ein Patient stelle dann die Selbstdiagnose über die des Arztes. Es sei schon vorgekommen, dass ein Patient wegen starker Kopfschmerzen sicher war, einen Hirntumor zu haben. Der Arzt konnte ihm das nicht bestätigen, doch der Patient habe darauf bestanden, sämtliche, teils unnötige Untersuchungen durchzuführen, um auch den letzten Zweifel auszuräumen. „Durch solche Fälle entstehen höhere Kosten im Gesundheitswesen“, kritisiert Maurer.

„Der alte Medizinerspruch – was häufig ist, kommt häufig vor – wird bei der Suche nach Diagnosen im Internet vollkommen vergessen“, sagt auch Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der Barmer-Krankenkasse. Erst die Gesamtschau von ausführlicher Anamnese in Form von Arzt-Patienten-Gesprächen, körperlicher Untersuchung und gegebenenfalls einer bildgebenden Diagnostik oder Laboruntersuchungen könnten eine Diagnose sichern – oder auch widerlegen.

Ärzte raten: Im Netz zur Gesundheit informieren, aber dem Arzt die Diagnose überlassen

„Wir Ärzte müssen die Ängste dieser Patienten ernst nehmen und die vielen Informationen für sie richtig einordnen – und das geht vor allem im direkten Arzt-Patienten-Kontakt“, sagt auch Wenker. Der informierte Patient sei zwar eine wichtige Größe in der Gestaltung der Gesundheitsversorgung, sagt Marschall. „Aber zur Information gehört eine ausführliche und nicht interessensgeleitete Darstellung der unterschiedlichen Erkrankungen.“ Dies sei im Internet nicht immer gegeben.

Nach einer Anfang 2018 veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung informiert sich die Hälfte der deutschen Internet-Nutzer mindestens einmal im Monat online über Gesundheitsthemen. 58 Prozent von ihnen vor dem Gang zum Arzt, 62 Prozent recherchierten die Diagnose nach dem Praxisbesuch im Internet nach. Mehr als die Hälfte sind mit den Ergebnissen „meistens oder immer zufrieden“.

Saskia Bücker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Mann hatte im Juli im Bus auf Fahrgäste eingestochen. Aufgrund seiner psychischen Erkrankung sei er schuldunfähig, aber eine Gefahr für die Allgemeinheit, so die Staatsanwaltschaft.

28.11.2018

Die HSH Nordbank ist seit Mittwoch Geschichte. „Das Geld ist da“, sagte der Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel (SPD). Die Bank heißt nun „Hamburg Commercial Bank“.

28.11.2018

Der 13 Jahre alte Hund wurde erst nach zehn Stunden befreit – blieb aber nahezu unverletzt

28.11.2018