Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
DLRG muss in diesem Sommer verstärkt auf Flüchtlinge achten

Timmendorfer Strand DLRG muss in diesem Sommer verstärkt auf Flüchtlinge achten

Menschen aus fremden Ländern kennen sich oft mit den Gefahren beim Baden nicht aus – Die Helfer wollen sie künftig besser vorbereiten, unter anderem mit Handzetteln.

Voriger Artikel
91-Jährige wird von IC überrollt – und überlebt
Nächster Artikel
Fast jeder zwölfte Schüler im Norden bleibt ohne Abschluss

DLRG-Rettungsschwimmerin Nele Haack (18) und ihr Kollege Philipp Parche (19) machen Dienst in Timmendorfer Strand.

Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Timmendorfer Strand. Eigentlich ist es wie jedes Jahr im Turm der Hauptwache der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) in Timmendorfer Strand. Fünf Rettungsschwimmer sitzen dort, Ferngläser liegen auf dem Tisch, und falls einer der Badegäste im Wasser Probleme bekommt, wird ein Retter zur Stelle sein.

LN-Bild

Menschen aus fremden Ländern kennen sich oft mit den Gefahren beim Baden nicht aus – Die Helfer wollen sie künftig besser vorbereiten, unter anderem mit Handzetteln.

Zur Bildergalerie

Nur: „Ob es eine normale Saison wird, müssen wir sehen“, sagt Wachleiter Ulrich Brandt (37). Denn immer öfter soll es Sprachprobleme geben, wenn die Retter am Strand vor Gefahren warnen wollen. „Die Baderegeln können wir von unserer Webseite inzwischen in 20 Sprachen ausdrucken“, sagt Brandts Stellvertreter René Wagenhäuser (37). Und schwenkt einen Handzettel mit persischen Schriftzeichen. „Der ist für Afghanen.“

An den Ostsee-Stränden in Schleswig-Holstein ist man ebenso vorgewarnt wie an den zahlreichen Binnenseen. „Alle Helfer werden in dieser Saison ein besonderes Augenmerk auf Flüchtlinge haben“, versichert Thies O. Wolfhagen, Landesgeschäftsführer der DLRG. Auch im vergangenen Jahr habe es Situationen gegeben, in denen Flüchtlinge allein wegen des Gruppendrucks einfach mit ihren Freunden ins Wasser gesprungen waren – obwohl sie gar nicht schwimmen konnten.

Nicht nur die DLRG, auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hatte vor Kurzem vor Problemen mit Flüchtlingen gewarnt, bei denen es sich in großer Zahl um Nichtschwimmer handele. „Es ist mittlerweile an der Tagesordnung, dass ein Aufseher nur damit beschäftigt ist, Flüchtlinge vor dem Ertrinken zu retten“, erklärte Sprecher Joachim Heuser.

In Timmendorfer Strand ist zwar bislang kein solcher Fall bekannt, doch selbst wenn er eintreten sollte: Rettungseinsatz sei Rettungseinsatz, meinen die DLRG-Schwimmer. René Wagenhäuser beschreibt einen typischen Einsatz. „Jemand ruft um Hilfe, wir fahren raus und ziehen ihn an Land, unabhängig von der Nationalität.“

„Es gab ja schon immer ausländische Gäste“, sagt Ulrich Brandt, der seit über 20 Jahren in dem Ostseebad Dienst tut. „Auch das kriegen wir geregelt.“ Im Sommer seien am Strand oft 20000 bis 30

000 Menschen. Sollten Flüchtlinge darunter sein, werde man sie vermutlich nicht unbedingt von den anderen unterscheiden können.

Retterin Nele Haack (18) ist erst seit zwei Tagen dabei. Sie spricht Englisch und Französisch. Sorge, sich mit Flüchtlingen nicht verständigen zu können, hat sie nicht. „Ich habe als Praktikantin mit Flüchtlingskindern gearbeitet, die alle kein Deutsch konnten. Trotzdem konnten wir uns irgendwie austauschen.“

Dennoch wollen die Verantwortlichen nichts unversucht lassen, ausländische Gäste möglichst frühzeitig mit den Baderegeln bekannt zu machen. „Wir werden demnächst auch mit dem Kurbetrieb in Travemünde sowie mit Strandkorbvermietern Gespräche führen, wie wir die mehrsprachigen Baderegeln am besten unter die Leute bringen“, kündigt Frank Hertlein, Vorsitzender der DLRG in Lübeck, an.

Kurdirektor Uwe Kirchhoff verweist auf die Zertifizierung von Travemünde und vieler anderer Strandabschnitte an der Ostsee als „Lifeguarded Beach“. Dabei handele es sich um einen internationalen Standard. „Die Hinweisschilder mit den Sicherheitsregeln beinhalten Piktogramme, die weltweit verstanden werden können“, so Kirchhoff. Gleichwohl werde man während der Saison die Lage stets aktuell bewerten. Sollten größere Probleme bekannt werden, würde die Zahl der Helfer aufgestockt.

Auch Mecklenburg-Vorpommern reagierte inzwischen. Sozialministerin Birgit Hesse stellte in Schwerin ein bebildertes Informationsblatt vor. Auf Deutsch, Englisch sowie auf Arabisch wird darin auf Gefahren und übliche Verhaltensweisen an den Stränden hingewiesen. „Der Flyer soll vor allem auch Menschen aufklären, die neu in unserem Land sind", sagte Hesse.

DREI FRAGEN AN...

1 Im vergangenen Jahr sind 488 Menschen ertrunken, ein Viertel mehr als 2014. Können die Deutschen nicht mehr schwimmen? Die Deutschen können immer schlechter schwimmen. Es gibt immer weniger Schulschwimmen, immer weniger Schwimmhallen. Mit der Infrastruktur steht und fällt die Schwimmfähigkeit der deutschen Bevölkerung. Richtig schwimmen kann man erst, wenn man sich eine Viertelstunde im freien Wasser halten kann. Das war früher der Freischwimmer, heute das Jugendschwimmabzeichen in Bronze.

2 Was befürchten Sie für die diesjährige Badesaison? Wir versuchen, überall Aufklärung zu betreiben, denn Prävention ist immer besser als eine Rettung. Wir haben bereits vergangenes Jahr in den Badeorten Flyer verteilt, um den Leuten Flaggensignale beizubringen. Gelb – Gefahr, nur erfahrene Schwimmer. Rot – Lebensgefahr, nicht baden. Das ist nur eine Empfehlung, wir sind ja keine Hoheitsträger und können niemanden vom Schwimmen abhalten. Die wirkliche Gefahr liegt nicht am Meer, sondern an den Binnenseen. Da gehen viele am Wochenende an eine kleine Badestelle, trinken vielleicht ein Bier zu viel, gehen rein und überschätzen sich.

3 Im vergangenen Jahr ertranken 27 Flüchtlinge in deutschen Badegewässern. Wie reagieren Sie darauf? Das fehlende Gefahrenbewusstsein ist ein Riesenproblem, hier müssen wir viel Aufklärungsarbeit leisten. Wir bieten Schwimmkurse an. Aber wir haben gar nicht die Hallenkapazitäten, um das flächendeckend zu tun. Wir schaffen es in einer DLRG-Ortsgruppe vielleicht, 20 bis 40 Asylbewerbern pro Jahr das Schwimmen beizubringen. Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir bräuchten Kampagnen und Badekapazitäten. Interview: Jan Sternberg

Oliver Vogt und Marcus Stöcklin

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Norddeutschland
Reporter vor Ort

In einer fortlaufenden Galerie zeigen wir Ihnen jeden Tag die wichtigsten Bilder aus Lübeck und den umliegenden Kreisen. An dieser Stelle finden Sie die Galerie für den Juli 2017.

Wie sollte die Bundesregierung in der Türkeipolitik vorgehen?

  • Hochzeitszauber
    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informationen und kompetente Ansprechpartner in und um Lübeck für Ihre Traumhochzeit.

    Tipps und Tricks zum Planen und Organisieren Ihrer Hochzeit. Ob Location, Dekoration, Trauringe, Flitterwochen, Catering - hier finden Sie Informat... mehr

  • Reisetipps
    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber.

    In unserem Reiseportal finden Sie viele Tipps & Tricks für Reisende und Urlauber. mehr

  • Events & Veranstaltungen
    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe.

    Was? Wann? Wo? Hier finden Sie die Veranstaltungen und Events in Ihrer Nähe. mehr

  • Lifestyle

    Unser Lifestyle-Portal mit nützlichen News und Tipps: Informieren Sie sich über Mode, Beauty und aktuelle Trends. Mehr Schwung, mehr Spaß... mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Termine

Ausstellungen, Theater, Konzerte und mehr in Lübeck und Umgebung.

Tatort-Blitzkritik

Immer sonntags, direkt nach dem Tatort gibt es die Kritik auf LN Online. Reden Sie mit!

TV-Vorschau

Unsere Kolumne zeigt, wo sich das Einschalten lohnt.

Beltquerung

Politik und Bahn planen die Hinterlandanbindung zur Beltquerung. Alle Infos hier.

Schulen

Wir stellen Ihnen Schulen vor - damit Sie die richtige Wahl für Ihr Kind treffen.