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Norddeutschland DNA-Test belastet Angeklagten
Nachrichten Norddeutschland DNA-Test belastet Angeklagten
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22:14 09.08.2016
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Kiel

Prozessauftakt wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs in der Landesunterkunft in Boostedt (Kreis Segeberg): Ein 22-jähriger Flüchtling aus Afghanistan soll sich Ende März in einer Toilettenkabine an einem vierjährigen Jungen aus dem Irak vergangen haben. Sein Landsmann (29) habe laut Anklage Beihilfe geleistet, indem er den achtjährigen Bruder des Opfers mit einem Messer bedroht haben soll. Gestern im Kieler Landgericht wies der Hauptangeklagte den Vorwurf zurück. Sein mutmaßlicher Komplize schweigt. Beide Männer sitzen seit mehr als fünf Monaten in Untersuchungshaft, der Jüngere in Itzehoe, der Ältere in Neumünster.

Den türkischen Sicherheitskräften, die am Tattag gegen 21.45 Uhr wegen einer beginnenden Schlägerei in eines der Wohngebäude gerufen wurden, bot sich ein chaotisches Bild: 20 bis 30 Personen gingen im Eingangsbereich aufeinander los, berichtete gestern der Security-Einsatzleiter (29). Man habe die Gegner voneinander getrennt, die Polizei alarmiert und dann erst über Dolmetscher den Grund des Streites erfahren, so der Zeuge.

Demnach erklärte der Vater des Jungen „sehr aufgebracht“, der Angeklagte habe den Vierjährigen in einer Toilettenkabine des ersten Obergeschosses zu sexuellen Handlungen gezwungen. Der Einsatzleiter sagte, er habe den „Haupttäter“ mit offenem Hosenstall angetroffen. Dies könnten seine Kollegen bestätigen.

Die Anklage von Staatsanwältin Barbara Gradl-Matusek folgt den belastenden Aussagen der Kinder und ihres Vaters, der vom Älteren zu Hilfe geholt worden sei. Am Tatort habe der Vater bei einem Blick unter den breiten Spalt der Klotür die Füße seines Sohnes und die eines Mannes erkannt – beide mit heruntergelassenen Hosen. Der Vater soll gegen die Tür geschlagen haben, der Täter geflüchtet sein.

Gestützt wird der Missbrauchsvorwurf von einem DNA-Gutachten.

Der Angeklagte sagt, er habe dem Jungen beim Toilettengang geholfen. Er selbst habe sich gerade die Hände gewaschen, als der Kleine mit bereits herabgelassener Hose hilflos vor der Klotür gestanden sei. Die Klinke sei ihm zu hoch gewesen. „Das Kind hat mich um Hilfe gebeten“, behauptet der Angeklagte. Daraufhin habe er ihm die Tür geöffnet und es auf das Becken gesetzt. Das Ganze habe etwa eine Minute gedauert.

Im Erdgeschoss, wo er sich mit Freunden zu einer Feier verabredet habe, hätten ihn dann plötzlich 15 bis 16 Araber angegriffen. „Ich wusste nicht, worum es ging, ich habe nichts getan“, beteuert der Angeklagte. Als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, habe er an einen Scherz gedacht. So eine Tat, fügte er hinzu, sei seiner Persönlichkeit fremd. „Wegen so was entehrt man sich nicht.“ Dafür würde er seinen Ruf nicht zerstören. Der Verteidiger des Mitangeklagten beantragte gestern die Aussetzung des Prozesses: Sein Mandant sei „im babylonischen Sprachgewirr“ nicht hinreichend über seine Rechte belehrt worden. Ein Urteil wird Mitte Oktober erwartet.

gey

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