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Norddeutschland Dänen: Fehmarnbelttunnel ist sicher
Nachrichten Norddeutschland Dänen: Fehmarnbelttunnel ist sicher
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17:11 17.12.2017
Puttgarden

Ein Frontalzusammenstoß zweier Fahrzeuge ist im Fehmarnbelttunnel anders als unterm Gotthard nur möglich, wenn ein Geisterfahrer in der Röhre unterwegs sein sollte. „Die Querung zwischen Puttgarden und Rødbyhavn, die in einem Graben am Ostseegrund versenkt wird, sieht für jede zweispurige Fahrtrichtung eine eigene Röhre vor“, sagt Inga Karten, Sprecherin der dänischen Planungsgesellschaft Femern A/S. Falls es zu einem Unfall in den Autoröhren kommen sollte, würden über eine rund um die Uhr besetzte Verkehrsleitzentrale (TTC) auf der dänischen Seite des Belts unverzüglich die Rettungsmaßnahmen eingeleitet. Die zwei Tunnelröhren für die Züge (ebenfalls je Richtung eine Röhre) sollen von einer Zugleitstelle in Kopenhagen überwacht werden.

Nach dem Verkehrsunfall im Schweizer Gotthardtunnel mit zwei Toten drängt sich die Frage auf: Wie sicher wird der geplante Fehmarnbelttunnel? Mit 17,6 Kilometern soll er immerhin der längste Absenktunnel der Welt werden, der Straße und Schiene kombiniert. Die Planer beteuern: „Er ist sicher.“

Die Verkehrsleitzentrale werde im Übrigen auch die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und das Verkehrsaufkommen in den Tunnelröhren im Blick haben, informieren die Planer. Detektoren reagieren, wenn sich ein Auto oder ein Zug im Tunnel auffällig langsam bewegt.

Für den Fall eines Feuers im Tunnel werden Hochleistungslüftungsanlagen installiert, die den Rauch in Richtung des Verkehrs zügig aus dem Tunnel blasen sollen. Andere Tunnelröhren können gleichzeitig unter leichten Überdruck gesetzt werden, damit sich der Rauch nicht dorthin ausbreitet.

Auf dieser Themenseite erfahren Sie alles über den Belttunnel und die Hinterlandanbindung in Ostholstein

Alle 110 Meter erhält der Tunnel Notausgänge. „Das ist kürzer als vorgeschrieben“, betont die Sprecherin. Die europäische Norm erlaubt einen Maximalabstand von 500 Metern. Der Fluchtweg führt in einen sicheren Bereich einer benachbarten Tunnelröhre. Im Fall eines Unfalls würden Fahrzeuginsassen über Lautsprecher informiert, wie sie sich verhalten sollen. An den Notausgängen stehen zudem Notruftelefone und Löschausrüstungen zur Verfügung, die Verkehrsteilnehmer nutzen können, bis Rettungskräfte eintreffen. In den Straßenröhren ist eine ortsfeste Brandbekämpfungsanlage installiert.

Wände und Decken des Tunnels erhalten eine feuerhemmende Verkleidung. Die Betonkonstruktion soll Temperaturen bis 1350 Grad über drei Stunden aushalten können.

Aus Sicherheitsgründen werden weder im Tunnel noch unmittelbar vor dessen Portalen Weichen installiert, was das Risiko einer Entgleisung begrenzen soll. Sollte in einem Zug, der sich im Tunnel befindet, ein Feuer ausbrechen, werden die Bahnreisenden gebeten, Wagen aufzusuchen, die nicht vom Feuer betroffen sind. Der Zug würde zu einer „Brandbekämpfungsstelle“ unmittelbar außerhalb des Tunnels weiterrollen.

Kann der Zug den Tunnel aufgrund des Feuers nicht mehr verlassen, werden die Passagiere evakuiert. Sie sollen über die Notausgänge den sicheren Standstreifen der inneren Straßenröhre aufsuchen. „Von dort können sie den Tunnel mit Bussen oder zu Fuß sicher verlassen.“ Eine zwischen den Autoröhren gelegene „Zentralgalerie“ dient indes nicht als Fluchtweg, sondern für Wartungsarbeiten. Die Dänen betonen, dass die angenommenen Szenarien laut europäischen Unfallstatistiken für den Zugverkehr „sehr selten“ sind.

Der Tunnel kann sowohl von deutscher als auch von dänischer Seite mit Strom versorgt werden. Eine hohe Versorgungssicherheit sei dadurch gewährleistet, dass Deutschland und Ostdänemark an verschiedene Teile des transeuropäischen Stromnetzes angeschlossen sind. Eine Notstromversorgung erledige ein unterbrechungsfreies Umschalten zwischen den zwei Stromnetzen. Der Fahrstrom für die Eisenbahn wird im Normalfall von den Dänen geliefert.

Statistisch gesehen werde der Tunnel mindestens genauso sicher wie entsprechende Straßen und Schienen auf freier Strecke, versichert die staatseigene dänische Planungsgesellschaft, vielleicht sicherer: weil keine widrigen Verhältnisse wie Wind, Eis, Schnee und Regen den Verkehr beeinflussten.

17,6 Kilometer lang

Der Fehmarnbelttunnel soll das ostholsteinische Puttgarden mit dem dänischen Rødbyhavn verbinden. Der Absenktunnel nimmt zwei elektrifizierte Eisenbahngleise und vier autobahnähnlich ausgebaute Fahrspuren auf. Für die Passage der 17,6 Kilometer langen Röhre wird eine Maut erhoben, über die das von den Dänen bezahlte Projekt refinanziert wird. Die deutsche Seite zahlt für den Ausbau ihrer Hinterlandanbindung. Der Belttunnel soll voraussichtlich 2028/29 eröffnet werden.

 Curd Tönnemann

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