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Norddeutschland Das KKW Lubmin im Visier - Heli misst radioaktive Strahlung
Nachrichten Norddeutschland Das KKW Lubmin im Visier - Heli misst radioaktive Strahlung
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16:09 06.11.2018
Ein mit Messtechnik speziell ausgerüsteter Hubschrauber der Bundespolizei fliegt über dem stillgelegten DDR Kernkraftwerk. Das Bundesamt für Strahlenschutz misst mit Hubschraubern die vom Atomstandort Lubmin ausgehende radioaktive Strahlung. Quelle: dpa
Lubmin

Das Bundesamt für Strahlenschutz misst seit Dienstag mit Hubschraubern die vom Atomstandort Lubmin ausgehende radioaktive Strahlung. Mit hochsensibler Messtechnik ausgestattete Helikopter der Bundespolizei überfliegen dabei bis Mittwoch in 100-Meter-Bahnen das Areal mit dem stillgelegten Kernkraftwerk und dem Zwischenlager Nord in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung, um die Fläche radiologisch zu kartieren.

Die Daten seien Grundlage, um im Falle eines Unfalls Anomalien und kritische Bereiche ausfindig machen zu können, sagte BfS-Referatsleiter Christopher Strobl. Seit 2011 seien bereits rund 15 kerntechnische Anlagen in Deutschland auf diese Weise kartiert worden. „Grenzwertüberschreitungen wurden bei den Messungen bislang nicht festgestellt“, betonte er.

Während des Flugs über das Kernkraftwerk hat BfS-Operator Michael Thomas die Detektoren, Sensoren, den Messrechner und den Monitor im Blick, auf dem die Daten auflaufen. „Wir messen die Gammastrahlung des Bodens. Nur sie kann - anders als die Alpha- und Beta-Strahlung - in dieser Reichweite von etwa 100 Metern über dem Boden von den Messgeräten registriert werden“, erklärte er. Während des Überflugs zeichnet sich das Flugraster auf dem Monitor. In einem Bereich sind statt der grünen, gelbe und rote Linien erkennbar. Laut EWN-Sprecherin Marlies Philipp handelt es sich dabei um den abgezäunten Kontrollbereich, in dem Container mit schwachradioaktivem Material stehen.

Die Messergebnisse aus Lubmin sollen laut BfS zunächst dem Innenministerium und dem Entsorgungswerk für Nuklearanlagen (EWN) als Betreiber des KKW und des ZLN vorlegt und in rund vier Wochen auf der Internetseite des BfS veröffentlicht werden. Die Daten werden auch mit den am Boden registrierten Messwerten auf Plausibilität geprüft werden.

Nach EWN-Angaben stehen auf dem Betriebsgelände vier Messstationen und zwei weitere im nahen Seebad Lubmin und im Dorf Spandowerhagen. Sie erfassen kontinuierlich die sogenannte Ortsdosisleistung und die Aerosol-Aktivität. Alle zehn Minuten würden die Daten gespeichert. Grenzwerte seien dort nie erreicht oder überschritten worden, hieß es vom EWN.

Seit 1993 arbeiten das Bundesamt und die Bundespolizei bei Radioaktivitätsmessungen zusammen, wie Strobl berichtete. Schwerpunkt der vergangenen Jahre war unter anderem der frühere Uranbergbau der Wismut AG im Erzgebirge. Seit 1997 werde dieses Gebiet im Drei-Jahres-Rhythmus überflogen, um zu dokumentieren, ob sich bei den Sanierungsarbeiten radiologische Veränderungen ergeben.

Die deutschen Behörden sind zudem in ein internationales Netzwerk mit Frankreich, Tschechien und der Schweiz eingebunden. Sollte es in einem der Länder zu einem radioaktiven Unfall kommen, unterstützen sich die Behörden gegenseitig mit Technik, sagte der Leiter der Bundespolizei-Fliegerstaffel Blumberg, Klaus-Jürgen Jess. In Deutschland gebe es vier Hubschrauber der Bundespolizei, die mit der entsprechenden Messtechnik ausgestattet seien.

Nach ihrem Einsatz über Lubmin überfliegen die Hubschrauber bis Freitag ein etwa 500 Quadratkilometer großes Gebiet zwischen Greifswald und Neubrandenburg, um verschiedenste Flugverfahren zum Auffinden radioaktiver Quellen zu testen. Am Freitag wird das nordbrandenburgische Dedelow überflogen, wo das BfS wissenschaftliche Studien zum Nachweis von Caesium-137 mache, das beim Tschernobyl-Unfall vor 32 Jahren freigesetzt wurde.

Von Martina Rathke, dpa