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Norddeutschland Das Baby ist da!
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11:47 08.03.2018
Hebamme Franziska Teffner (links) macht Hausbesuche. Sie prüft, ob das Neugeborene aufmerksam und gesund, die Mutter in guter Verfassung ist.  Quelle: Neelsen, Bücker
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Lübeck

Mit routiniertem Griff legt Franziska Teffner die kleine Johanna auf die Waage neben der Wickelkommode. 5400 Gramm zeigt sie an. „Das sieht gut aus“, sagt Teffner zu Mutter Monika Wieland (Namen der Familie auf Wunsch geändert). Dann fängt das Neugeborene an zu schreien. Die Hebamme nutzt das, schaut in den Mund des Kindes. „Manchmal bekommen Babys eine Pilzinfektion“, erklärt die Hebamme. Dann streicht sie Johanna über die Fontanelle. Denn: Bei zu wenig Flüssigkeitszufuhr hat die eine Delle.

Sechs Wochen ist es her, seit Johanna in das Leben ihrer Eltern getreten ist. Die Zeit nach der Geburt nennt man Wochenbett. „Das ist eine sensible Phase“, sagt Franziska Teffner. Die Familie wächst auf eine neue Art zusammen. „Auf einmal ist man 24 Stunden fremdbestimmt“, sagt Vater Peter Wieland. Da sei es beruhigend, eine erfahrene Person an der Seite zu haben, die er auch mal im Notfall anrufen könne.

Den Eltern mehr Selbstbewusstsein vermitteln

Was ist, wenn das Kind auf einmal rote Punkte im Gesicht bekommt? Wie oft sollte es gestillt werden? Und in welcher Lage sollte das Kind schlafen? Die Verunsicherung, gerade in den ersten Tagen nach der Geburt, sei bei frisch gebackenen Eltern oft groß. „Es ist wichtig, auf den eigenen Urinstinkt zu hören“, sagt Teffner. Heutzutage eigneten sich viele Frauen ihr Wissen über Internetportale an.

Die Hebamme sortiert dann Fakten und Mythen auseinander. „Neben der medizinischen Nachsorge vermittle ich den Eltern ein eigenes Selbstbewusstsein“, sagt Teffner.

Seit Dana Anfang Februar in das Leben von Dina Isabel Doro-Teixeira (33) und Daniel Lenzner (35) schlüpfte, ist Hebamme Katrin Oppermann (41) von der Hebammenpraxis am Stadtpark fast jeden Tag zu Besuch bei der jungen Familie. Sie zeigt den Eltern, wie sie Dana richtig zwischen ihren Händen halten können, wie sie ihr Baby am besten ankleiden, wie das Stillen funktioniert. Dana wurde im Kreissaal der Universitäts-Klinik geboren. Nach drei Tagen nahmen die Eltern Dana zu sich nach Hause – und ihr Leben veränderte sich voll und ganz. Der größte Umbruch: „Eltern sind permanent für das Baby verantwortlich“, sagt Oppermann. Der Körper der Mutter verändere sich zudem. „Ich unterstütze die Eltern dabei, ihre neue Rolle zu finden.“ Die Kunst einer Hebamme sei es dabei, ein starkes Vertrauen herzustellen, und nach einiger Zeit auch wieder die richtige Distanz zur Familie zu finden.

Dana ist „ein sehr zartes Kind“, sagt Oppermann. Grundsätzlich ist sie gesund. Aber eben noch ein wenig zu leicht, denn als 17 Tage altes Lebewesen bringt sie gerade einmal 2920 Gramm auf die Waage. Oppermann berät die Eltern deshalb in Ernährungsfragen.

Was viele am Anfang vergessen, sei der bürokratische Aufwand, der mit einer Geburt auf einen zukommt, sagt Oppermann. „Das ist nervig und unromantisch, gehört für mich aber auch dazu.“ Sie erinnert die Eltern daran, dass die Geburtsurkunde beim Standesamt abgeholt, ein komplizierter Antrag auf Elterngeld gestellt, ein Termin beim Kinderarzt und beim Rückbildungskursus vereinbart werden muss.

Zukünftigen Müttern geben beide Hebammen den Tipp: Spätestens mit Erhalt des Mutterpasses sollte sich eine schwangere Frau um eine Hebamme kümmern. Denn bundesweit gebe es immer weniger Hebammen. Die Gründe: Schlechte Bezahlungen und steigende Versicherungsprämien. Für Katrin Oppermann und Franziska Teffner ist es trotzdem der schönste Beruf der Welt. „Es ehrt mich, wenn die Familien mir vertrauen“, sagt Oppermann. „Ich trage dazu bei, dass die Eltern sagen können: Wir sind jetzt eine Familie.“

 Von Saskia Bücker

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