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Norddeutschland Das Comeback von „ECK“
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21:18 31.08.2013
Ist stolz auf ihr Kennzeichen: Susanne Beyer (59) aus Borby. „RD ist doch langweilig“, sagt sie. Quelle: Fotos: Otto Kasch

Es sind nur drei Buchstaben, doch die Eckernförder stehen drauf: „ECK“ ist dort auf vielen Auto-Kennzeichen zu lesen. Knapp 8000 Fahrzeuge sind bereits auf das alte Kennzeichen zugelassen. „RD ist so langweilig. Das ist so ein Riesenkreis, da weiß man gar nicht, wo jemand genau herkommt“, sagt Susanne Beyer. Die 59-Jährige aus dem Stadtteil Borby hat sich im vergangenen Dezember als eine der ersten das alte Kennzeichen geholt. „Wir wohnen hier, wir arbeiten hier — da passt das“, sagt sie strahlend. Für ihren Geländewagen suchte sie sich „ECK-BY 1“ aus. „Immer wieder sehe ich Menschen, die das Kennzeichen gut finden“, erzählt sie.

Gleich drei Fahrzeuge auf einen Schlag hat Fred Witt (46) bei der Zulassungsstelle umgemeldet. „Das ECK-Kennzeichen, das ist etwas Besonderes.“ Tatsächlich hat der Kreis Rendsburg-Eckernförde bisher als einziger in Schleswig-Holstein ein früheres Kennzeichen wieder eingeführt. Es war seit der Kreisreform im Jahr 1970 für den Altkreis Eckernförde nicht mehr vergeben worden. Autofahrer haben dort also nun die Wahl zwischen RD oder ECK. Der Bundesrat hatte Ende vergangenen Jahres eine Verordnung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) genehmigt, wonach Kommunen die Rückkehr zu früheren Auto-Kennzeichen erlaubt wird. Damit gibt es vielerorts die Möglichkeit, einst ausrangierte Kürzel wieder zu bekommen. Mindestens 250 Buchstabenkombinationen wurden laut Bundesverkehrsministerium neu genehmigt. Damit können Autofahrer nun neue Wörter kreieren oder Kombinationen ergattern, die bislang nicht möglich waren.

Auch Oldenburg (Kreis Ostholstein) wollte eigentlich „OLD“ zurück. „Eine Befragung hatte ergeben, das ein Großteil der Bevölkerung dem früheren Kennzeichen nachtrauert und es gern zurück hätte“, berichtet Bürgermeister Martin Voigt (parteilos). Doch die Nachbarkommunen und der Kreis waren dagegen — also lehnte das Land den Antrag ab. Auch „EUT“ für Eutin wird es nicht wieder geben. Das „OH“-Kennzeichen habe in der Region eine hohe Akzeptanz und einen hohen Wiedererkennungswert — auch im Hinblick auf die touristische Vermarktung der Region, hieß es. Oldenburgs Bürgermeister bedauert die Entscheidung: „Ich hätte mir die Wiedereinführung des Kennzeichens schon gewünscht.“ Jörg Sibbel, Bürgermeister von Eckernförde, (parteilos) indes hatte Erfolg. „Ich habe im Kreistag um Unterstützung geworben“, erinnert er sich. Seit November 2012 können die Bewohner des Kreises ihrem Auto wieder das „ECK“-Kennzeichen verpassen. „Bisher sind 7934 Fahrzeuge darauf zugelassen“, berichtet Martin Schmedtje, Sprecher der Kreisverwaltung. Dazu lägen 1499 Reservierungen vor.

„Ich bin erfreut über das starke Interesse“, bekennt Sibbel, der seinen Wagen als erster umgemeldet hat. In der Region gebe es eben ein starkes Wir-Gefühl. Viele sprächen noch immer vom Altkreis Eckernförde. Mit dem „ECK“-Kennzeichen wolle man nicht zu alten Strukturen zurückkehren, betont er. „Es ist ein zusätzliches Angebot“, so Sibbel, das aber auch als Marketing-Instrument zur Steigerung des Bekanntheitsgrades diene.

Dass nicht nur Nostalgiker auf das frühere Kennzeichen umschwenken, beweist Werner Huß. „Wenn ich nach Eckernförde ziehe und mich mit der Stadt identifiziere, dann kaufe ich mir auch das „ECK“-Kennzeichen“, sagt der 60-Jährige, der erst vor zwei Jahren aus Hessen in den Norden gekommen ist. Dafür greifen Bürger auch gern ins Portemonnaie. Bis zu 50 Euro kostet die Ummeldung.

Die Hälfte fährt mit Wunschkennzeichen
Deutsche Autofahrer lassen sich von der Zulassungsstelle zu 53,6 Prozent ein Wunschkennzeichen zuteilen. Darauf finden sich zu 30,8 Prozent die Initialen des eigenen Namens, gefolgt vom eigenen Geburtstag mit 12,5 Prozent und Initialen von Familienmitgliedern mit 10,2 Prozent. Die Geburtsdaten von Familienmitgliedern landen auf Platz vier und erreichen 5,8 Prozent. Das ergab eine Befragung des Marktforschungsunternehmens GFK. Die Zahl der wählbaren Buchstaben und Ziffern ist regional unterschiedlich. Erlaubt ist alles, was nicht sittenwidrig ist. Kürzel aus dem Nationalsozialismus sind tabu. Aber auch die Kombination „BUL-LE“, die ein Polizist beantragt hatte, soll es im bayerischen Burglengenfeld künftig nicht mehr geben. Man sei zu der Einschätzung gelangt, dass dieses Kennzeichen einen beleidigenden Charakter haben könnte, hatte das Landratsamt mitgeteilt.

Julia Paulat

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