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Das Dorf mit der schönen Aussicht

Klein Parin Das Dorf mit der schönen Aussicht

Von der Anhöhe in Klein Parin können Anwohner und Besucher direkt auf die Sieben-Türme-Stadt schauen.

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Vorn die Felder, im Hintergrund die Silhouette Lübecks: Annegret Köhn-Barg (52) lebt schon ihr ganzes Leben in Klein Parin. Sie genießt das Panorama immer noch.

Quelle: Fotos: U.-K. Neelsen

Klein Parin. Wie eine Serpentine schlängelt sich die kleine Straße den Berg hoch. Durch die noch grünen Weizenfelder rundherum fegt der Wind. 62 Meter über Normalnull — wie hier am westlichen Pariner Berg — ist für den sonst so flachen Norden schon ziemlich erhaben. Das sorgt für einen besonderen Effekt: Die Bewohner des Dorfs Klein Parin nahe Bad Schwartau (Ostholstein) können von der Anhöhe direkt auf Lübecks sieben Türme schauen, die in Luftlinie etwa neun Kilometer entfernt liegen.

LN-Bild

Von der Anhöhe in Klein Parin können Anwohner und Besucher direkt auf die Sieben-Türme-Stadt schauen.

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„Wir schauen auf Lübeck herunter, nicht herab“, sagt Dirk Eigen, Dorfvorsteher, und lacht. Der 63-Jährige lebt seit seiner Geburt in dem 200-Seelen-Örtchen und ist über die Jahre nicht nur zum Klein-Parin-Kenner, sondern auch zum Panorama-Experten geworden: „Die beste Sicht auf Lübeck hat man im Auge eines Tiefdruckgebiets“, sagt Eigen. „Dann sieht alles näher aus und man kann sogar die Stützmauern vom Schiff der Marienkirche erkennen.“

Dass der Blick nach Süden auf die Hansestadt einzigartig ist, haben aber nicht nur die Dorfbewohner festgestellt. Einst wurden hier in stundenlanger Arbeit Aufnahmen für den Kalender einer Bierbrauerei gemacht. Und kaum blüht der Raps, kommen viele Radfahrer zur Fotosafari. „Und dann sind da noch die Silvester-Touristen, die das Feuerwerk sehen wollen“, sagt Eigen. „Das ist schon manchmal nicht mehr schön: Parken die ganze Straße zu und hinterlassen ihren Müll.“

Den findet Annegret Köhn-Barg in Form von Knaller-Überresten sogar jetzt noch auf dem Acker. Ihre Familie lebt in achter Generation auf dem einzigen noch betriebenem Bauernhof im Dorf, von dem aus die Felder rundherum bewirtschaftet werden. Auf vielen heißt das: Arbeiten mit guter Aussicht. „Das Schöne ist aber auch: Hier ist es ruhig, aber man wohnt trotzdem recht zentral“, sagt Köhn- Barg.

„Bad Schwartau, der Anschluss an die Autobahn und die Ostsee sind nah. Außerdem haben wir eine schöne Dorfgemeinschaft.“ Die einzige Ferienwohnung im Dorf, welche die Klein-Parinerin auch betreibt, mieteten daher vor allem Familien mit kleinen Kindern, die das Landleben und die Ruhe genießen wollen.

Das kann auch Helmut Jordan im Garten um sein altes Bauernhaus, der mit seinen Buchsbaumhecken an eine kleine mittelalterliche Klosteranlage erinnert. Jedes Jahr öffnet er sie für Besucher zum „Offenen Garten“. „Viel kann man hier beobachten“, sagt Jordan. „Fasane, Rebhühner, Seeadler und am Teich sogar Eisvögel.“ An klaren Tagen kann er von der Rückseite des Hauses Richtung Osten bis zur Ostsee, Richtung Norden sogar bis zum Hansa-Park in Sierksdorf und bis zum über 35 Kilometer entfernten Bungsberg sehen, der höchsten Erhebung Schleswig-Holsteins.

Doch die Landschaft hat sich in den vergangenen Jahren auch verändert. Mit dem Blick nach Westen kann der Betrachter nicht nur am Horizont den Fernsehturm von Bad Segeberg erblicken, sondern auch eine Reihe von Windrädern, nach Norden werden es noch mehr. „Und dann wird uns bald ein Stück weit die Sicht verbaut — wegen der 380-kV-Leitung“, sagt Jordan. Die Stromtrasse soll nach den Planungen vor allem nördlich und westlich an dem kleinen Dorf vorbeilaufen. Und trotzdem: Der Titel „Dorf mit der schönsten Aussicht auf Lübeck“ kann Klein Parin nicht streitig gemacht werden.

Von Wenden gegründet

1317 wurde Klein Parin urkundlich erstmals erwähnt. Deshalb feiert das Dorf im kommenden Jahr sein 700-jähriges Bestehen.

Entstanden ist die Siedlung aber vermutlich schon früher: Bereits in den Jahren 1138/39 sorgte die Eroberung Wagriens durch die Holsten für Bevölkerungswanderungen, bei denen die ansässigen Wenden zum Teil ihre Siedlungen aufgaben und nach Westen wanderten. Deshalb wurde Klein Parin ursprünglich „Wendischen Poryn“ (Wendisches Parin) genannt.

Von Lena Modrow

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