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Das TV-Studio der Zukunft: NDR läutet neue Ära ein

Kiel Das TV-Studio der Zukunft: NDR läutet neue Ära ein

1,15 Millionen Euro hat der Sender investiert. Am Montag wird zum ersten Mal aus der neuen Kulisse gesendet.

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Kiel. Vier Kameras, ein länglicher Tisch auf Holzfußboden und knallgrüne Wände: Auf den ersten Blick sieht das neue Studio des Schleswig-Holstein Magazins ganz schön spartanisch eingerichtet aus. Und grell gestrichen. Doch was jetzt grün leuchtet, ist eine abgerundete Medienwand, auf der im virtuellen Studio bald großformatige Fotos hinter den Moderatoren prangen. Der grüne Raum wird zur Projektionsfläche für computergenerierte Bilder. Auf den Bildschirmen im Studio sieht man schon, wie das funktioniert. Erst wird ein in blau gehaltener Studiohintergrund eingeblendet, dann eine große Aufnahme der Fehmarnsundbrücke.

„Wir mussten uns

erst mal an die grüne

Umgebung gewöhnen“ Harriet Heise, NDR-Moderatorin

„Wir sind ein bisschen aufgeregt“, gibt Volker Thormählen, Direktor des NDR-Landesfunkhauses, im neuen Studio zu. „Wir zeigen heute zum ersten Mal, woran die Kollegen seit Monaten neben dem normalen Sendebetrieb hart gearbeitet haben.“ 15 Monate wurde an einem neuen Konzept getüftelt, gemessen und geprobt. Denn neu ist vom 23. Mai an nicht nur die Studio-Umgebung, wer dann um 19.30 Uhr das regionale Nachrichtenmagazin einschaltet, hört auch eine andere Titelmelodie und sieht eine Doppelmoderation.

„Wir wollten keine Trennung mehr zwischen Nachrichtensprecher und Moderator, sondern ein gleichberechtigtes Moderatorenteam“, sagt Fernsehchef Norbert Lorentzen. Die Sendung soll dadurch dynamischer und weniger steif wirken. Die drei festen Moderatorenpaare können das Studio als Spielfläche nutzen, sich bewegen. „Die alte Deko war dafür nicht optimal“, sagt Lorentzen. Durch das Schleswig-Holstein Magazin führen nun in Zweierteams die gewohnten Gesichter Harriet Heise und Christopher Scheffelmeier, Marie-Luise Bram und Gerrit Derkowski sowie Gabriele Lüeße mit Jan Malte Andresen, der bislang im Radio bei Welle Nord moderierte.

Mit dem neuen Konzept fällt der klassische Nachrichtenblock in der Sendung weg. „Der Nachrichtenanteil bleibt aber erhalten“, betont Lorentzen, die News würden nur anders aufbereitet. Das neue Studio trägt diesem Umstand Rechnung. „In Zukunft können wir Themen noch besser strukturieren und die jeweils dazu passenden Bildhintergründe präsentieren“, erklärt Martin Bechert, redaktioneller Projektkoordinator. Er gibt ein Beispiel: „An einem Tag haben wir zum Beispiel einen Beitrag über eine Lehrerin, die von ihrem Alltag mit der Inklusion berichtet. Außerdem gibt es einen O-Ton von einem Politiker dazu und eine Demonstration zum Thema. Das können wir nun in mehrere Geschichten aufteilen und müssen nicht mehr alles in einen Beitrag pressen.“ Das optische Bindeglied in der Sendung dafür ist das Themenbild im Hintergrund.

„Wir mussten uns erst mal an die grüne Umgebung gewöhnen“, sagt Harriet Heise mit einem Lächeln. Kollege Christopher Scheffelmeier ergänzt: „Es ist eine Herausforderung, sich zu bewegen, gleichzeitig in die Kamera zu schauen und am richtigen Punkt stehen zu bleiben.“ Nur mit kleinen Klebepunkten ist auf dem Boden markiert, an welcher Stelle er stoppen muss. Auch die engere Zusammenarbeit sei für sie neu. „Wir sind jetzt in ein Büro gezogen und schreiben unsere Moderationen gemeinsam. Wir haben dabei viel Spaß“, sagt Heise. Und noch etwas ist anders. „Früher hatte ich manchmal eine Jeans an und einen Blazer, weil man nur meinen Oberkörper im Fernsehen sah. Jetzt sehen die Kollegen, dass ich auch Kleider habe.“

Es ist das erste virtuelle Studio im NDR. 1,15 Millionen Euro hat sich der öffentlich-rechtliche Sender das kosten lassen. Sechs Wochen hat das Team des Magazins für den großen Tag geprobt. Die ersten vier Wochen wurden im Probebetrieb die Sendungen vom Vortag nocheinmal im neuen Studio durchgespielt, diese und vergangene Woche lief dann der Stresstest: Im Parallelbetrieb wurden zwei Sendungen gleichzeitig gefahren. „Jetzt muss es auch endlich losgehen“, sagt Harriet Heise. „Wir wollen das auch mal in der Realität ausprobieren."

Anne Holbach

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