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Norddeutschland Das etwas andere Schlittenhund-Rennen
Nachrichten Norddeutschland Das etwas andere Schlittenhund-Rennen
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08:22 21.12.2015
Ganz außer Atem, aber immer noch gut drauf: Jasmin Völkers fährt mit ihrem Husky-Wischler-Mischling „Sam“ in die Zielgerade ein.

„Noch zehn Sekunden“, schallt es aus den Boxen. Nicolle Schröder steht am Start und schaut auf die rote Digitalanzeige. Die drei europäischen Schlittenhunde, die vor ihr an den Wagen gespannt sind, bellen, jaulen, ziehen am Geschirr. Sie müssen sogar schon von Helfern festgehalten werden, damit sie nicht sofort loslaufen. „Noch fünf Sekunden!“ Schröder springt hinten auf den Wagen, nur zwei kleine Metalltritte bieten ihren Füßen Platz. Die Schutzbrille hat sie aufgesetzt. Der Startschuss fällt. „Ok, go“, ruft sie den Hunden zu — und die preschen los. Durch den Matsch, in die erste Kurve. Schon nach kürzester Zeit ist Schröders neonoranges Sportshirt mit Schmutz besprenkelt, doch es geht einfach immer weiter. Durch den Wald, über den Feldweg, 4,5 Kilometer abgesteckte Strecke. Bei Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 40 Stundenkilometern Es ist Schlittenhunde-Wagenrennen in Lehmkuhlen bei Preetz — an einem Ort, an dem man eine solche Veranstaltung wohl kaum vermutet. Es liegen keine 20 Zentimeter Schnee, die Temperaturen liegen nicht einmal im Minusbereich. Im Gegenteil: Es ist fast frühlingshaft warm. Und trotzdem: Über 80 Starts von Schlittenhund-Fahrern aus ganz Deutschland gibt es an diesem Tag für den Parcours, mal mit einem Wagengespann mit bis zu elf Hunden davor, mal per Fahrrad oder Scooter — einer Art Roller —, an dem nur ein oder zwei Hunde angespannt sind.

So wie auch bei Jasmin Völkers. Die 32-Jährige aus Hamburg sitzt auf dem Fahrrad und lässt sich beim sogenannten „Bikejöring“ von Husky-Wischler-Mischling „Sam“ mehr oder weniger durch das Gelände ziehen. Völlig außer Atem, von oben bis unten mit Matsch bespritzt, kommt sie ins Ziel gefahren. Und knuddelt erst einmal ihren Hund. „Fein gemacht hast du das“, sagt sie. Bei ihr hat es mit den Rennen angefangen wie bei so vielen, die an diesem Tag gekommen sind. Eigentlich war die Hamburgerin mit ihrem ersten Hund, einem Huskymischling, ständig Fahrrad durch Wald und Wiesen gefahren — merkte aber immer mehr, dass der Hund mehr sie führte als sie ihn. „Dann kamen wir nach 30 Kilometern nach Hause und ich war völlig fertig“, sagt Völkers. „Aber der Hund schaute mich an nach dem Motto: ,Und was machen wir jetzt?‘“ Eine Recherche im Internet brachte sie darauf, dass es sogar im eher schneearmen Norddeutschland Möglichkeiten gibt, sich von seinen Vierbeinern durch die Landschaft ziehen zu lassen. Der Matsch ist dabei weniger ein Problem, eher die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit. „Je kälter es ist, desto besser laufen die Hunde“, sagt Völkers. Da es um die zehn Grad warm ist, wurde der Parcours sogar schon von sechs auf 4,5 Kilometer verkürzt — damit die Hunde nicht überhitzen.

Die sind schließlich schon so aufgeregt und ungeduldig genug: Kaum spüren die Siberian Huskys, Skandinavian Hounds, Alaskan Malamutes und die vielen Mischlinge, dass der Start naht, laufen sie unruhig durcheinander, beginnen ein lautes Bellkonzert. „Aber nicht nur sie, auch die Fahrer sind immer sehr aufgeregt“, sagt Nicolle Schröder, die den ganzen Tag deshalb noch nichts essen konnte.

Dabei braucht die Fahrerin der „Schlitten auf Rollen“ Kraft, um sich während des Rennens in der anstrengenden Stellung in der Halbhocke zu halten.

Nach elf Minuten und 36 Sekunden biegt Schröder mit ihren Hunden in die Zielgerade ein. „Wir gehen jetzt nach Hause“, ruft sie ihren „Scandinavian Hounds“ noch einmal zu. Der Matsch vor dem Ziel ist so tief, dass die Zuschauer kurz glauben, sie bleibe stecken. Doch alles läuft gut. „Das habt ihr fein gemacht“, sagt sie zu ihren Hunden, streichelt sie. „Es ist das Wichtigste, dass man ein Team bildet,denn wenn ich auf dem Schlitten stehe, muss ich mich ganz auf sie verlassen können.“

„Gee“ und „Haw“
Ein Schlittenhunde-Gespann kann aus bis zu 12 Hunden bestehen. Dabei gibt es einen Leithund (Leader), der die Kommandos des Musher (Schlittenführers) entgegennimmt; Wheeler, die direkt vor dem Schlitten angespannt sind, und Swinger (alle anderen Hunde im Gespann). Folgende Kommandos nutzt der Musher zur Kommunikation mit den Hunden: Mit „Go“ gibt der Musher das Zeichen zum Loslaufen. Mit „Gee“ wird das Kommando zum Abbiegen nach rechts gegeben, mit „Haw“ das Abbiegen nach links. Mit „Whuuuu" bringt der Musher seine Hunde zum Stopp.

Lena Modrow

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