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Norddeutschland Das ist Hamburgs neues Gefängnis für 400 Demonstranten
Nachrichten Norddeutschland Das ist Hamburgs neues Gefängnis für 400 Demonstranten
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20:07 20.06.2017
Polizeibeamte stehen am 20.06.2017 in Hamburg an den temporär errichteten Zellen in der für den G20-Gipfel eingerichteten Gefangenensammelstelle. Quelle: Axel Heimken/dpa
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Hamburg

Nato-Draht sichert das Gelände eines früheren Lebensmittelgroßmarktes in Hamburg-Harburg von außen. Zwischen rot-weißem Polizeiband hängen am Zaun Schilder mit dem Hinweis „Betreten verboten - Sicherheitsbereich“. Hinter dem gut bewachten Tor befindet sich die Gefangenensammelstelle für den G20-Gipfel. Ihre Pforten werden sich am 6. Juli, einen Tag vor dem Treffen der größten Wirtschaftsmächte aller Kontinente, offiziell öffnen. Denn neben vielen tausend friedlichen Demonstranten werden bis zu 8000 gewaltbereite aus dem In- und Ausland in der Hansestadt erwartet. Wer in Gewahrsam genommen oder festgenommen wird, kommt in diese Sammelstelle im Hamburger Süden - weit abseits vom Tagungsort Messe.

Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke der Gefangenensammelstelle zum G-20-Gipfel in Hamburg zu sehen.

Die Gefangenensammelstelle solle bundesweit Maßstäbe setzen, betont Polizeisprecher Timo Zill bei der Vorstellung des Objektes, das am Dienstag zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Es soll rechtsstaatlich höchsten Ansprüchen genügen - dafür sollen auch sechs Plätze für Telefonate mit Verteidigern, die örtliche Nähe zum Gericht, Vernehmungsplätze, Dolmetscher in vielen Sprachen und zwei Arzträume sorgen. Nach der Ankunft erfassen Beamte die Daten der Gefangenen elektronisch, bevor diese durchsucht werden.

Das Amtsgericht Hamburg wird auf einem abgetrennten Grundstücksteil in Bürocontainern über Arbeitsplätze für Richter, Staatsanwälte sowie Rechtsanwälte verfügen. Die Gefangenen sollen nur wenige Stunden in der Sammelstelle bleiben - bis zur Entscheidung eines Richters. „Von hier aus werden sie dann in eine Justizvollzugsanstalt überstellt“, erklärt Zill. Wie viele Polizeibeamte in der Gefangenensammelstelle im Einsatz sein werden, will er nicht sagen.

Auf dem riesigen Gelände an einer Bahnstrecke im Hamburger Süden steht eine 11 000 Quadratmeter große Halle. Sie wirkt kahl, nur die Innenwände sind mit bunten Stiften bekritzelt. Auf dem Dach ist das Gekreische von Vögeln zu hören, dort nisten Möwen. Zuletzt diente das Gebäude als Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge. Wo deren Betten aufgebaut waren, stehen nun weiße Container mit 70 Sammel- und 50 Einzelzellen für insgesamt 400 Menschen.

Die mit einer Pritsche versehenen Einzelzellen haben eine Größe von gut drei Quadratmetern. In einer Sammelzelle müssen sich bis zu fünf Personen neun Quadratmeter teilen. Eine Videoüberwachung gibt es nicht. Die Beamten können aber durch einen Türspion sehen, ob alles in Ordnung ist. Die Sanitäranlagen befinden sich außen auf dem Gelände, ebenfalls in Containern.

Deutschland hat die Präsidentschaft der „Gruppe der 20“. An deren Spitzentreffen am 7. und 8. Juli nehmen 19 Staats- und Regierungschefs sowie Vertreter der Europäischen Union teil. Gegen den Gipfel regt sich Protest - so hat eine linksautonome Demonstration am Tag vor dem Gipfel das Motto „G20 - Welcome to hell“ - „Willkommen in der Hölle“.

Die Kosten für den Umbau des Ex-Lebensmittelmarktes zur Gefangenensammelstelle waren zu Beginn der Arbeiten im März mit drei Millionen Euro beziffert worden. Ob es bei der Summe bleibe, sei noch offen, betont Zill.

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