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Das langsame Ende eines Atomkraftwerks

Brunsbüttel Das langsame Ende eines Atomkraftwerks

Das AKW Brunsbüttel soll zurückgebaut werden. Der Betreiber rechnet dafür 10 bis 15 Jahre ein.

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Anlagen-Leiter Markus Willicks (l.) und Pieter Wasmuth von Vattenfall informierten gestern über den Rückbau des Kraftwerkes.

Brunsbüttel. Einen Helm und Sicherheitsschuhe mit Stahlkappe muss jeder tragen, der im Inneren des abgeschalteten Atomkraftwerks Brunsbüttel unterwegs ist. Das Outfit scheint bislang einziges Zeichen zu sein, dass der Meiler rückgebaut werden soll. Denn wer ein AKW abreißen will, braucht vor allem eines: sehr viel Geduld.

LN-Bild

Das AKW Brunsbüttel soll zurückgebaut werden. Der Betreiber rechnet dafür 10 bis 15 Jahre ein.

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Am 1. November 2012 hatte Betreiber Vattenfall den Antrag auf Stilllegungsgenehmigung gestellt, erzählt AKW-Chef Markus Willicks. Die Genehmigung hofft er Anfang bis Mitte 2018 zu bekommen. Bis dahin kann Betreiber Vattenfall nur den Rückbau des abgeschalteten Atomkraftwerks vorbereiten, sagt Willicks. Er erwartet, dass es 2031 dort anstelle des Meilers wieder eine grüne Wiese gibt. Was dann mit den Grundstücken geschieht, weiß noch niemand.

Damit Brunsbüttel als erstes AKW in Schleswig-Holstein abgerissen werden kann, mussten zuerst alle Brennelemente entfernt werden. Diese Arbeiten seien am 13. Juni 2017 beendet worden, sagt Kraftwerks-Chef Willicks.

Von außen wird von dem AKW- Abriss viele Jahre nichts zu sehen sein. Die Arbeiten laufen innen, erklärt der für den Rückbau verantwortliche Hans-Georg Bacmeister. „Rückbau heißt sägen, schneiden, schleifen und schrubben“, sagt Bacmeister. Sämtliches Material werde zu handlichen Stücken zerkleinert, mit einer Presse verdichtet und eingepackt.

Der Meiler in Brunsbüttel hat laut Umweltministerium ungefähr 300 000 Tonnen Masse. 90 Prozent davon sind „Bauschutt“ und gelten als unbelastet. Das sind Gebäude, Fundamente oder Rohrleitungen, die weit genug vom Reaktor weg waren, um nicht von Radioaktivität verstrahlt zu werden. Übrig bleiben neben den Brennelementen und anderen stark kontaminierten Materialien, die dauerhaft verunreinigt und dadurch selbst strahlungsaktiv sind, noch 20 000 bis 30000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle. Die sollen „dekontaminiert“ werden: Das kann bedeuten, dass die Oberfläche abgeschrubbt oder abgefräst, mit Zitronensäure abgespült oder mit einem Hochdruckreiniger beziehungsweise Strahlgebläse gereinigt wird.

Denn Abfälle, die nach dem Strahlenschutzgesetz radioaktiv sind, dürfen nicht recycelt werden, sagt das Kieler Umweltministerium. Deshalb wird mit Ausnahme der dauerhaft verunreinigten Materialien sämtlicher Müll in einem silbernen Würfel auf Strahlung geprüft. Freimess-Anlage heißt der Mess-Roboter. Eine Strahlung von maximal zehn Micro-Sievert lässt er durchgehen, sagt Bacmeister. „Das ist deutlich weniger als die natürliche Strahlung eines Erwachsenen.“

Umweltschützer freuen sich zwar über den Abriss von Atommeilern, beurteilen das Vorgehen der Energiekonzerne jedoch kritisch. Problem sei unter anderem das Freimessen. „Damit kann Bauschutt mit einer Radioaktivität unterhalb einer willkürlich festgelegten Schwelle als normaler Abfall aus dem Atomgesetz entlassen werden“, sagt Karsten Hinrichsen von der Initiative „Brokdorf akut“. Sie fordert, die 20 000 bis 30 000 Tonnen schwach radioaktive Abfälle nicht zu dekontaminieren, sondern auf dem Gelände des Atomkraftwerks zu lagern.

Der Pannenmeiler

Das Atomkraftwerk Brunsbüttel gehört zu 66,7 Prozent Vattenfall und zu 33,3 Prozent Eon. Es ging 1977 in Betrieb. Die installierte Bruttoleistung liegt bei 806 Megawatt. Bis 2011 wurden in Brunsbüttel 124211 Gigawattstunden Strom erzeugt. Seit der Inbetriebnahme gab es im „Pannenmeiler“ Brunsbüttel 484 meldepflichtige Ereignisse (deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt). Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurde das AKW 2011 formell endgültig stillgelegt.

Wolfgang Runge

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