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Nachrichten Norddeutschland Das machen die Sommer-Profis im Winter
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19:32 13.06.2016
Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel (v. l.) arbeitet im Winter bei der Kindereisbahn an der Obertrave. Die sechsjährige Hannah leiht mit Oma Bettina Voß Schlittschuhe aus. Quelle: Fotos: Roeßler (2), Malzahn, Witulski, König, Privat
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Lübeck

Normalerweise ist der Travemünder Strand ihr Arbeitsplatz. Jetzt reicht Strandkorbvermieterin Charlotte Seipel bei der Eisbahn an der Obertrave Schlittschuhe über den Tresen. Der 57-Jährigen gefällt‘s: „Das ist schöner, als nichts zu tun. Ein paar Euro sind auch hilfreich“, sagt sie. In der Winterpause ergreifen viele Saisonarbeiter einen Nebenjob, einige nutzen die Zeit, um Urlaub zu machen.

„Normalerweise habe ich im Winter nur mal einen kurzen Nebenjob gemacht und hauptsächlich die Strandkörbe repariert“, sagt Charlotte Seipel. Wie viel Arbeit das ist, hängt vom Wetter und dem Vandalismus während der Saison ab. Seit 25 Jahren vermietet die 57-Jährige in Travemünde die beliebten Sitzgelegenheiten. „Dazu gekommen bin ich über meinen Mann“, sagt sie. „Das ist ein Familienbetrieb seit mehr als 80 Jahren.“

Jetzt wollte die gelernte Pelzwerkerin noch einmal wissen, ob sie sich auf dem Arbeitsmarkt behaupten kann. In diesem Winter wollte sie längerfristig arbeiten. „Eigentlich habe ich mich für den Stand mit Deko und Kerzenziehen beworben — bei Facebook war eine Anzeige.“ Ganz schüchtern habe sie sich gemeldet. „Ich hatte echt Herzklopfen.“ Auch wenn es sie am Ende zur Eisbahn statt zum Deko-Stand verschlagen hat, nach 25 Jahren folge sie das erste Mal einer anderen Arbeit. „Und es ist toll“, schwärmt Seipel. Ihr gefällt die ruhige und familiäre Atmosphäre an der Obertrave — wie bei der Strandkorbvermietung, sagt sie. „Es ist sehr schön hier und macht Spaß zu arbeiten.“ Natürlich sei es auch wichtig, ein paar Euro in der Winterpause zu verdienen. Der Sommer sei nicht gut gelaufen, es fehle Geld für Reparaturen und Neuanschaffungen. „Und jetzt konnte ich auch ohne schlechtes Gewissen meinen sechs Enkeln Weihnachtsgeschenke kaufen.“ Der Job ist eine super Sache, resümiert die Lübeckerin. Im nächsten Jahr möchte sie am liebsten wiederkommen.

Auch Patrick Schönenberg hat einen Winter-Job: Er fährt als Pizzabote für die Mundfein Pizzawerkstatt in Lübeck. Eine ganz andere Branche als im Sommer, denn von Mai bis September arbeitet der 34-Jährige als Bademeister im Altstadtbad am Krähenteich. „Das ist so toll dort“, schwärmt der Fachangestellte für Bäderbetriebe. Der Badesteg mit viel Grün drum herum, viele Familien und nette Gäste. Kindern gibt der junge Mann im Krähenteich Schwimmunterricht. „Dort ist die Arbeit was ganz anderes als in einer Halle — dafür nehme ich die Saisonarbeit in Kauf.“ Grundsätzlich wäre ihm eine ganzjährige Anstellung allerdings lieber. „So muss ich mir immer etwas Festes für den Winter suchen.“ Die letzten zwei Jahre habe er für die Mundfein Pizzawerkstatt gearbeitet, das laufe gut. „Davor war ich bei Zeitarbeitsfirmen“, sagt Schönenberg. „Das war nicht so toll.“

Endlich durchatmen kann in diesem Winter Matthias Hübner. Der Elektroingenieur hat 2005 von seinem Vater die Bootsvermietung an der Lübecker Moltkebrücke übernommen und gemeinsam mit seiner Frau nebenberuflich betrieben. „Bis jetzt habe ich immer ganzjährig als Elektroingenieur gearbeitet“, sagt Hübner. „Im Sommer habe ich dann jede freie Minute bei der Vermietung verbracht.“ Lange Tage von bis zu 20 Stunden waren da keine Seltenheit.

In dieser Winterpause ist alles anders: Hübner hat sich eine Auszeit genommen. Bis Mitte September lief die Vermietung, danach wurden die Boote aus dem Wasser geholt. „Wir haben sie gewaschen und überprüft“, sagt der 51-Jährige. „Auch um die Schwimmwesten, Schilder und Organisatorisches haben wir uns gekümmert.“ Im Sommer komme er da nicht zu. Jetzt ist alles erledigt, und er kann endlich durchatmen. Außerdem hat Hübner nun wieder Zeit für sein Hobby: Kegeln. Mit seiner Mannschaft in Oldenburg spielt er sogar in der Bundesliga. „Bis zum Sommer war ich da noch mit dem Team vom TuS Lübeck“, sagt er. „Wir mussten uns aber leider auflösen, weil wir zu wenige waren.“ Trotzdem nutzt er gerne die Kegelbahn des Vereins zum Extra-Training. Dafür hat er jetzt schließlich jede Menge Zeit.

Kim Meyer

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