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Debatte im Norden: Sollen unsere Schüler „Mein Kampf“ lesen?

Lübeck Debatte im Norden: Sollen unsere Schüler „Mein Kampf“ lesen?

Wird Adolfs Hitlers „Mein Kampf“ bald Schullektüre? 70 Jahre lang war die Hetzschrift verboten. Am Freitag erscheint nun eine wissenschaftlich kommentierte Neufassung des Buches, die schon bald Einzug in die deutschen Klassenzimmer halten könnte.

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Verschiedene Ausgaben von Adolf Hitlers Schrift "Mein Kampf" mit einem Portrait Hitlers sind am 03.12.2015 in den Räumen vom Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München (Bayern) zu sehen.

Quelle: Matthias Balk/dpa

Lübeck. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) jedenfalls hat sich bereits dafür ausgesprochen, die Neuausgabe des Münchner Instituts für Zeitgeschichte bundesweit im Unterricht einzusetzen.

Auch Schleswig- Holsteins Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) ist offen für den Einsatz der kommentierten Neuausgabe. „Das kann man selbstverständlich machen“, sagte sie. Eine Verpflichtung oder Empfehlung der Ministerin gibt es allerdings nicht. Das sei letztlich eine Entscheidung der Lehrer in den Fachkonferenzen.

Der Deutsche Lehrerverband hält den Einsatz der überarbeiteten Version von „Mein Kampf“ für sinnvoll. Verbandspräsident Josef Kraus sieht in der Behandlung von Textauszügen einen wichtigen Beitrag „zur Immunisierung Heranwachsender gegen politischen Extremismus“, sagte er dem „Handelsblatt.“ Kraus betonte, dass die Schulen Hitlers Propagandaschrift nicht ignorieren könnten.

Darin sieht auch Mecklenburg- Vorpommerns Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) das Problem. Google liefere nach 0,27 Sekunden viele Links, unter denen das Buch kostenfrei heruntergeladen werden könne, sagte er. „Wir können uns also nur entscheiden, ob wir es Kinder und Jugendliche alleine lesen lassen oder ob wir sie in der Schule dabei begleiten und das Buch mit ihnen kritisch reflektieren.“ Für einen Einsatz im Unterricht ist auch die CDU-Landtagsfraktion in Kiel: „Es ist ein wesentlicher Teil der ideologischen Grundlage des Nationalsozialismus und damit auch der Gräueltaten des Hitler-Regimes“, sagte deren bildungspolitische Sprecherin Heike Franzen.

Für den Landesverband der Lehrergewerkschaft GEW wird „ein bisschen viel Hype“ um das Buch gemacht. „Es als Lektüre-Satz für alle Klassen anzuschaffen, halten wir für Unfug“, sagte Geschäftsführer Bernd Schauer. „Da gibt es bessere Bücher“, etwa Titel aus Sicht der Opfer. Auszugsweise könnte die Neufassung aber durchaus behandelt werden. Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD, verweist darauf, dass im Unterricht schon immer mit Quellen aus dem Nationalsozialismus gearbeitet wurde, darunter auch Ausschnitte aus „Mein Kampf“. Die Neufassung wird „Befürchtungen entkräften, der – ohnehin schon immer problemlos zugängliche – Text könnte ,infektiös‘ wirken“, sagte er.

Geschichtslehrer Holger Schröder von der Lübecker Ernestinenschule ist dafür, maximal Auszüge zu verwenden. „Das ganze Buch einzubeziehen halte ich für eine Überbewertung einer qualitativ schlechten Schrift.“ Auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden warnt davor, dass Buch komplett zu verwenden. Der Vorsitzende Walter Blender aus Bad Segeberg sieht die Gefahr von Missbrauch und Missdeutung.

Fanatischer Antisemit

1924 hat Adolf Hitler in der Festung Landsberg inhaftiert sein Buch „Mein Kampf“ geschrieben. Darin legte er seine politischen Ansichten und Pläne dar. Als fanatischer Antisemit war Hitler Anhänger der „Rassentheorie“, die Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstand. In dieser Weltsicht war die „arische Rasse“ Begründer der menschlichen Kultur. Die Juden hätten eine „verderbliche Rolle in der Geschichte der Menschheit“ gespielt.

Drei Jahre lang hat das Münchner Institut für Zeitgeschichte an der kommentierten Neuausgabe gearbeitet. 70 Jahre lang durfte „Mein Kampf“ nicht nachgedruckt werden. 2016 sind die Urheberrechte nun ausgelaufen.

Von Julia Konerding

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