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Debatte um Führerschein mit 16

KOMMENTAR Debatte um Führerschein mit 16

Viele Jugendliche würden gern früher Auto fahren. Der ADAC und Lübecker Fahrlehrer haben Bedenken.

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Marc Erik (14) sitzt schon mal Probe. Vater Ralph Wichmann (45) würde es begrüßen, wenn sein Sohn schon mit 16 mit dem Auto fahren dürfte.

Quelle: Fotos: Lutz Roessler (3), Dpa

Lübeck. Ein paar Mal ist Joscha bereits Auto gefahren. Auf Verkehrsübungsplätzen und Privatgrundstücken, seine Eltern haben ihn dabei begleitet. „Es macht großen Spaß“, sagt der 16-Jährige. Der Lübecker würde sich freuen, wenn er auch schon im öffentlichen Straßenverkehr unterwegs sein dürfte. Doch bisher ist das in Deutschland erst mit 17 Jahren erlaubt.

Verkehrspolitiker und der Fahrlehrerband in Schleswig-Holstein fordern jetzt, dass Jugendliche bereits mit 16 Jahren ihren Führerschein machen dürfen. „Ehrlich gesagt habe ich da Bedenken“, sagt Thorsten Scheel, Inhaber der Fahrschule Ohrt in Lübeck. Seit mehr als neun Jahren arbeitet er bereits als Fahrlehrer. Rund 50 Prozent seiner Schüler nehmen das sogenannte BF-17-Modell in Anspruch.

Das heißt, sie machen ihren Führerschein vor dem 18. Geburtstag und fahren dann bis zur Volljährigkeit mit einer Begleitperson. Zumindest in der Theorie.

Thorsten Scheel hat nämlich andere Erfahrungen gemacht. Vielen gehe es nur darum, sich den Mopedführerschein zu sparen, berichtet er. Die Jugendlichen würden nach bestandener Fahrprüfung Roller statt Auto fahren. „Sie setzen sich erst wieder ans Steuer eines Wagens, wenn sie volljährig sind.“

Das sei schon jetzt problematisch, findet Scheel. „Sie haben dann keine Erfahrung und Routine im Fahren mehr.“ Noch gefährlicher werde es, wenn die Begleitphase auf zwei Jahre ausgeweitet werden würde, sagt er. Dann könnte es im Extremfall passieren, dass ein Fahrschüler nach dem Ablegen seiner Fahrprüfung zwei Jahre lang pausiert. Währenddessen habe er auch noch die Probezeit hinter sich gebracht – ohne überhaupt mit dem Auto unterwegs gewesen zu sein. Auch stelle sich die Frage, ob die Jugendlichen mit 15,5 Jahren schon reif genug für so viel Verantwortung seien. Denn in dem Alter würden sie – nach dem neuen Modell – mit den Fahrstunden beginnen können. Auch da hat Thorsten Scheel Bedenken. „Ab und zu raten die Prüfer schon jetzt den Fahrschülern, mit dem Führerschein noch ein Jahr zu warten, weil sie vom Kopf her noch nicht weit genug sind“, berichtet er.

Auch der ADAC in Schleswig-Holstein hält nichts vom Führerschein mit 16. „Die jetzige Regelung ist ausreichend, damit haben wir gute Erfahrungen gemacht“, sagt Sprecher Ulf Evert. Sie künstlich auszudehnen, bringe nichts. „Wo soll das noch hinführen?“, fragt er. „Sollen die Kinder als Nächstes mit zwölf Jahren mit dem Autofahren beginnen?“

Ralph Wichmann sieht das anders. „Je früher, desto besser“, sagt der Vater eines 14-jährigen Jungen. „Denn je länger die Jugendlichen auf der Straße unterwegs sind, desto sicherer fahren sie.“ In den USA funktioniere das Fahren ab 16 schließlich auch gut. Der 45-Jährige würde seinen Sohn gerne im Auto begleiten und ihm Tipps geben – und auch Marc Erik selbst findet die Idee gut. „Ich würde gerne schon mit 16 meinen Führerschein haben“, sagt er.

Ein Jahr Begleitphase reicht

Wann sollten Jugendliche hinters Steuer gelassen werden? Mit 18, 17, 16 – oder sogar noch früher? 2011 wurde das begleitete Fahren mit 17 vom Modell zum Dauerrecht. Es hat sich bewährt, denn die Zahl der Verkehrsunfälle mit jungen Autofahrern ist zurückgegangen.

Die Begleitphase hat also offensichtlich die Verkehrssicherheit der Fahranfänger erhöht – und sollte deshalb unbedingt beibehalten werden. Allerdings gibt es keinen Grund, sie auszudehnen. Ein Jahr muss für die Jugendlichen reichen, um Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln und Sicherheit beim Autofahren zu gewinnen. Und auch nach sechs bis sieben Monaten – der aktuell durchschnittlichen Begleitdauer in Schleswig-Holstein – sollten die Fahranfänger fit genug sein, um alleine fahren zu können.

Der Führerschein mit 16 würde dagegen bedeuten, dass Jugendliche bereits mit 15,5 Jahren Fahrstunden nehmen. Das ist einfach zu jung. Sicherlich gibt es einige, die in diesem Alter schon reif genug sind, um im Auto Verantwortung zu übernehmen. Viele sind aber noch nicht so weit.

Auf sie könnte trotzdem durch Freunde und Mitschüler Druck ausgeübt werden, schon früher mit dem Auto zu fahren.

Janina Dietrich

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