Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Delfine tummeln sich in der Ostsee
Nachrichten Norddeutschland Delfine tummeln sich in der Ostsee
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:58 04.12.2015
LN-Leser Hans Pohl hat dieses Foto von den beiden Delfinen (roter Kreis) in Neustadt gemacht.
Anzeige
Scharbeutz

Plötzlich springen in einem eleganten Bogen zwei Tiere mit Flossen aus dem Meer und tauchen wieder ab, erzählt Sebastian Kuhlmann. Er habe gerade eine Markise mit einem Kollegen in Scharbeutz montiert und hatte von seinem Arbeitsplatz eine gute Sicht auf die Ostsee. „Ich dachte erst, ich habe was in meinem Kaffee bekommen“, witzelt der 30-Jährige. Aber da seien sie wieder aufgetaucht und hätten eine kleine Wasserfontäne nach oben gespritzt. Die ganze Küste entlang vom Timmendorfer Strand bis nach Haffkrug habe er die zwei beobachten können. „Es waren Delfine.“

Kuhlmann zückte sein Handy und machte ein Video von den Meeressäugern. „Sonst glaubt mir das doch keiner.“ Er und sein Kollege beobachteten das Schauspiel am Mittwoch, bis die Delfine nicht mehr zu sehen waren. Bereits am Dienstag hatten die beiden Delfine in der Nähe der Wendorfer Seebrücke bei Wismar Mitarbeiter der Fischereiaufsicht überrascht.

„Sie sind plötzlich aufgetaucht und unter unserem Boot durchgeschwommen“, erzählt Christian Schmiedeberg. Auch Fischer hatten die Tümmler am Dienstagabend auf offener See in der Nähe von Wismar gesehen. Von dort schwammen sie in Richtung Westen.

Gestern morgen tauchten die Delfine wieder im Neustädter Hafen auf. Hans Pohl ist immer noch ergriffen von der Beobachtung. „Das war ein traumhaftes Erlebnis“, sagt der 74-Jährige glücklich. Er sei sofort runter zum Wasser gerannt und habe Fotos von den beiden gemacht. „Die haben sich wohl gefühlt, sind herumgesprungen und haben richtig gespielt“, erzählt er begeistert. „Ich wohne seit meiner Kindheit hier, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Auch Florian Hundertmark war unter den Glücklichen, die die Delfine in freier Laufbahn erleben durften. „Ich habe Rücken und die Flosse gesehen. Das waren Delfine“, sagt er.

Experten bestätigen die Vermutungen: Anne Herrmann vom Stralsunder Meeresmuseum sagt nach einem Blick auf die Videos und Fotos: „Ich vermute sehr stark, dass es sich um große Tümmler handelt.“

Ob es sich um die zwei Delfine handelt, die im Mai und Juni vor der Küste Schleswig-Holsteins entdeckt wurden, ist unklar. Auch ob es sich um ein Pärchen handelt. „Aber laut verschiedener Sichtungsmeldungen scheinen sie zumindest immer zu zweit unterwegs zu sein.“

Auch Jörg Feddern, Biologe bei Greenpeace, sagt: „Das sind Delfine. Das sehe ich an der spitzen Finne.“ Daher wisse er auch sicher, dass es keine Schweinswale seien. Dieser Besuch sei etwas besonderes. „Delfine sind wirklich seltene Gäste in der Ostsee“, sagt der Experte.

Die Tümmler seien vermutlich von der Nordsee kommend über den Kleinen Belt oder den Öresund in die Ostsee geschwommen. „Wenn von dort salziges Wasser in die Ostsee schwappt, kommen oft auch Fischwärme mit. Und denen folgen häufig auch Meeressäuger, die ihren natürlichen Lebensraum nicht in der Ostsee haben. “, erklärt der Experte.

Das Delfine oder Wale dabei so dicht an die Küste kämen, sei nicht ungewöhnlich. Zuletzt war Anfang Oktober der Schnabelwal zu Gast in der Ostsee. Der Besuch wurde dem Tier jedoch zum Verhängnis — es starb. „Nach den ersten Untersuchungen ist der Schnabelwal verhungert“, sagt Feddern.

Deshalb sei es für fremde Meeressäuger wichtig, so schnell wie möglich wieder in heimische Gewässer zu finden. „Das ist nicht ihr natürlicher Lebensraum.“ Gefährlich sei es für die beiden Tümmler in der Ostsee jedoch nicht.

Auch mit der Kälte kämen sie zurecht. „Die können hier eine Weile überleben.“ Aber Delfine in der Ostsee seien eine Seltenheit. „Die Beobachter können sich freuen, dass sie so etwas miterleben durften.“

Alessandra Röder

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige