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Norddeutschland Tierhalter protestieren gegen Wölfe im Norden
Nachrichten Norddeutschland Tierhalter protestieren gegen Wölfe im Norden
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16:35 05.12.2018
Eine Frau hält während einer Demonstration von Wolfsgegnern ein Schild mit der Aufschrift "Wolf? Nein danke!" hoch. Quelle: Frank Molter/dpa
Kiel

Im Kieler Umwelt- und Agrarausschuss stand am Mittwoch der Wolf ganz oben auf der Tagesordnung. Seine Gegner hatten für den Tag zu einer Demonstration aufgerufen. „Weide oder Wolf!“ stand auf Plakaten des Bauernverbandes.

Seit 2007 wurden im Land 65 Wolfsrisse nachgewiesen

Nach Angaben des Wolfsbetreuers Björn Schulz wurden in diesem Jahr im Land vier verschiedene Wölfe genetisch nachgewiesen. Zwei der Tiere seien wegen mehrerer Risse aufgefallen. Ein Rudel gebe es im Norden aber bisher nicht. Die Tiere seien nur durchs Land gestreift.

Nachdem der Wolf hier lange ausgestorben war, tauchte 2007 erstmals wieder einer im Norden auf. Laut Landwirtschaftsministerium wurden seither 65 Risse durch Wölfe nachgewiesen, in 40 weiteren Fällen stehen sie im Verdacht, die Jäger gewesen zu sein. Die meisten Vorfälle habe es in diesem Jahr gegeben. Ganz überwiegend wurden Schafe gerissen, vereinzelt Rehe und Kälber. Angriffe auf Menschen gab es nicht.

Wolfsgegner haben sich zu einer Demonstration vor dem Landtag in Kiel versammelt.

Minister spricht mit Demonstranten

Die betroffenen Schafhalter müssten eine große Last im Zusammenhang mit der Rückkehr des Wolfes tragen, sagte Grünen-Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht. Deshalb habe er die Unterstützung in Form von Herdenschutzmaßnahmen deutlich aufgestockt. „Mit neuer Technik wollen wir dafür sorgen, dass Wolfschutzzäune schneller und einfacher aufgebaut werden können.“ Tatsächlich kennzeichnet die offene Weidehaltung von Nutztieren das Land zwischen den Meeren. Die Schutzzäune sollen Wölfe davon abhalten, Schafe oder Kälber zu reißen. Vor dem Landeshaus sprach der Minister auch direkt mit den Demonstranten.

Die Einzäunung mit Netzen und der Einsatz von Herdenschutzhunden seien keine Lösung des Problems, sagte Janine Bruser vom Verband der Schaf- und Ziegenzüchter. Sie verwies auf den hohen Kosten und Zeitaufwand. „Der Wolf hat hier nichts zu suchen“, wetterte Landwirt Hartwig Magens aus dem Kreis Steinburg gar. Man habe schon Wolfsrisse von Schafen im Außendeich gehabt, großflächige Einzäunungen seien da gar nicht denkbar.

Jäger und Bauernverband wollen den Wolf wieder eindämmen

In der Anhörung ging es kontrovers, aber deutlich sachlicher zu. „Der Wolf greift massiv auch in die Wildbestände ein“, gab Jagdverbands-Vizepräsident Andreas-Peter Ehlers zu bedenken. Eine unkontrollierte Ausbreitung sei sehr kritisch zu sehen. Der Wolf sollte weder rundweg abgelehnt noch bedingungslos willkommen geheißen werden, sagte hingegen Matthias Karstens vom Pferdesportverband. In die Wolfspopulation müsse eingegriffen werden, bevor sie zu groß wird, sagte der Vizepräsident des Bauernverbandes, Klaus-Peter Lucht. Andernfalls drohten Landwirte nur noch in Stallhaltung zu investieren und nicht mehr in Weidehaltung.

„Wir sind nicht für die Ausrottung des Wolfs“, sagte Lucht. Mit einzelnen durchziehenden Tieren könne man leben, aber eine Rudelbildung müsse verhindert werde. Der Bauernverband fordert daher wolfsfreie Gebiete und Obergrenzen. Ann Kristin Montano vom Naturschutzverband BUND warnte allerdings davor, Weidehaltung und Naturschutz gegeneinander auszuspielen. Weidetiere, Wolf und Mensch müssten friedlich zusammenleben können. Abschüsse seien kein Ersatz für Herdenschutz.

Naturschützer halten weite Ausbreitung für unwahrscheinlich

Der Wolf dürfe weder verteufelt noch romantisiert werden, meinte Jan Birk vom Verband Naturfreunde. Völlig abgelehnt wird der Wolf von der „Bürgerinitiative Wolfsfreies Eiderstedt“. Sie macht den Wolf dort allein in diesem Jahr für 75 tote Lämmer und Schafe verantwortlich. Dabei habe es den Wolf auf Eiderstedt noch nie gegeben, sagt Peter Theodor Hansen von der Initiative. Weil es dort wenig Wild gebe, töte der Wolf „wahllos, was er gerade kriegen kann“. Ein verträgliches Miteinander von Wolf und der auf Eiderstedt praktizierten Landwirtschaft könne es nicht geben.

Die Schafhalter stünden selbst in der Verantwortung, ihre Tiere so weit wie möglich zu schützen, kontert Fritz Heydemann vom Naturschutzbund Nabu. Im Übrigen sei aufgrund der natürlichen Gegebenheiten und der Verkehrsdichte ohnehin keine großflächige Besiedlung Schleswig-Holsteins durch Wölfe zu erwarten.

Mehr zum Thema:

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Wolfram Hammer

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