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Norddeutschland Länder sollen mehr Lehrer ausbilden
Nachrichten Norddeutschland Länder sollen mehr Lehrer ausbilden
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18:33 11.10.2018
Die Schülerzahlen steigen, es werden dringend neue Lehrer gebraucht, rechnet die Kultusministerkonferenz vor. Deren Chef Helmut Holter fordert die Länder jetzt auf, dafür mehr Studienplätze zur Verfügung zu stellen. Quelle: dpa
Berlin/Kiel

Die Kultusministerkonferenz warnt vor einem dramatischen Lehrermangel. Weil die Schülerzahl bis 2030 stark steigen werde, zugleich aber viele aktive Lehrer in den Ruhestand treten, sollten alle Bundesländer schnell die Zahl ihrer Studienplätze für Lehrer erhöhen, fordert der thüringische Linke-Bildungsminister und amtierende KMK-Chef Helmut Holter. Seine Kolleginnen und Kollegen wie Kiels CDU-Bildungsministerin Karin Prien sind zurückhaltend. Prien verweist auf bereits auf den Weg gebrachte Konzepte zur Lehrkräftegewinnung.

2030 schon 11,2 Millionen Schülerinnen und Schüler

Nach den Prognosen der KMK wird die Schülerzahl in Deutschland bis 2030 um 278 000 auf 11,2 Millionen steigen. Grund: Mehr Geburten, aber auch mehr Zuzug von Kindern aus anderen Ländern. Holters Fazit: „Es müssen mehr Lehrer ausgebildet werden.“ Wichtig sei dabei, dass alle Länder mitzögen. „Ansonsten bilden vielleicht wenige Länder aus, und die anderen sind Nutznießer“, sagt Holter. Zwar sei die Ausbildung von Lehrern Ländersache. „Aber alle haben eine gesamtdeutsche Verantwortung.“

Schleswig-Holsteins CDU-Bildungsministerin Karin Prien verweist darauf, dass das Land schon ein Konzept zur Lehrkräftegewinnung umsetze. Quelle: dpa

Man habe im Norden die Herausforderung bereits angenommen, sagt Karin Prien. So sei etwa die Zahl der Sonderschullehrer-Studienplätze in Flensburg von 120 auf 160 erhöht worden. Zudem soll es mehr Grundschullehrer für das Fach Sachunterricht geben. „Die Zahl der Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Grundschullehramt in Flensburg ist insgesamt von 122 im Jahr 2015 auf 160 im Jahr 2017 gestiegen, für 2019 werden 200 erwartet“, sagt die Ministerin. Außerdem sei geplant, das Studienangebot auch in den Bereichen Mathematik und Darstellendes Spiel zu erweitern. Zusätzlich habe das Ministerium die Plätze im Vorbereitungsdienst zunächst auf 1495 aufgestockt und 2018 erneut um 75 Plätze angehoben. 2019 soll es weitere 90 zusätzliche Plätze geben. Man bezahle Lehrer auch besser, Grundschullehrer künftig etwa nach A13 statt mach A12.

Thüringens Linken-Bildungsminister Helmut Holter fordert von allen Ländern die Schaffung neuer Lehrer-Studienplätze. Quelle: dpa

Allerdings ist auch im Norden die Skepsis groß, ob sich für all die Studienplätze auch genügend Bewerber finden lassen. Das Ministerium will daher künftig etwa auf Berufsmessen verstärkt für den Lehrerberuf werben. Ab dem 1. November wird eine Hotline geschaltet, über die sich Interessenten und auch Quereinsteiger über den Beruf informieren können. Eine Lehrkräftebedarfsanalyse wurde in Auftrag gegeben.

Die FDP-Bildungspolitikerin Anita Klahn stimmt Holters Analyse grundsätzlich zu. Der Lehrermangel sei zudem tatsächlich nicht nur ein landes-, sondern ein bundesweites Problem. „Es ist daher richtig, dass wir bei der Lehrerausbildung alle an einem Strang ziehen und den Wettbewerb um Lehrer entschärfen sollten.“ Auch die Liberale verweist aber darauf, dass das Land mit seinem Konzept zur Lehrkräftegewinnung bereits vorgelegt hat.

SPD forder, künftig konstanter neue Lehrer einzustellen

Grundsätzliche Kritik an der Lehrer-Einstellungspraxis der Länder kommt vom bildungspolitischen Sprecher der Kieler SPD-Landtagsfraktion, Martin Habersaat. „Immer wieder haben Länder jahrelang kaum eingestellt, um sich dann über ’Pensionierungswellen’ zu erschrecken“, sagt der Sozialdemokrat. Er habe bis heute nicht verstanden, warum Schülerzahlen sich überraschend entwickeln könnten. Werde ein Kind geboren, habe der Staat doch davon Kenntnis und könne sich sechs Jahre lang darauf vorbereiten, dass es eingeschult wird. Solche Daten müssten von den Ländern endlich clever genutzt werden. Neue Studienplätze allein könnten das Problem nicht lösen, so Habersaat. In den Naturwissenschaften etwa habe es schon immer freie Kapazitäten für angehende Lehrkräfte gegeben, aber einfach zu wenig Bewerber.

Die Kultusminister der Länder kommen tagen noch bis Freitag in Berlin. Unter anderem will die Konferenz eine Prognose zum Einstellungsbedarf von Lehrern bis 2030 vorlegen.

Wolfram Hammer

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