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Norddeutschland Der Bau des Swinetunnels löst auf Usedom Sorgen aus
Nachrichten Norddeutschland Der Bau des Swinetunnels löst auf Usedom Sorgen aus
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20:56 31.07.2018
Die italienische Firma Astaldi ist am Bau unter der Swine beteiligt. In Polen errichtete das Unternehmen bereits einen Berg-Tunnel (Bild). Quelle: Foto: Gddkia/archiv
Heringsdorf/Swinemünde

Der 1,76 Kilometer lange Swinetunnel soll bald die Inseln Usedom und Wolin verbinden. Die EU hat dafür gerade 190 Millionen Euro Fördermittel (Gesamtkosten: 230 Millionen) bewilligt. Haken: Die italienische Firma, die den Zuschlag für das Prestigeprojekt erhielt, ließ einen Termin zur Vertragsunterzeichnung mit der polnischen Regierung platzen, informierte Swinemündes Stadtpräsident Janusz Zmurkiewicz. Eine Bankbürgschaft fehle, ist zu hören. Bald ende die Frist, dann werde sich entscheiden, ob die Italiener oder eine andere Bieterfirma den Tunnel bauen. Zmurkiewicz gibt sich zuversichtlich: Die Stadt habe auf dem Weg zum Tunnelbau „viele Hindernisse überwunden“; sie werde auch dieses nehmen.

Wirtschaft fürchtet Verkehrschaos und pocht auf Laster-Verbot.

Während Polen aufs Tempo drückt, ist es in Mecklenburg-Vorpommern noch recht ruhig. Dabei geht es darum, wie das Land von dem Mega-Projekt profitieren kann oder ob der Tunnel zum Verkehrskollaps führt. „Wir brauchen dringend einen Schulterschluss von Politik und Wirtschaft“, fordert Sven Paulsen, Inhaber der Adler Reederei, der in großem Stil in Hotels und Ferienwohnungen in Misdroy auf der polnischen Insel Wolin investiert. Andernfalls bestehe die Gefahr, abgehängt zu werden.

Der Tunnel werde auf Usedom den Verkehr „moderat“ verstärken, heißt es aus dem Verkehrsministerium. Voraussetzung: Ab Grenzübergang Garz sind Lkw über 7,5 Tonnen tabu. Andernfalls geht ein Gutachten von bis zu 45 Prozent Schwerlast- am Gesamtverkehr aus. Eine Sprecherin von Minister Christian Pegel (SPD) beruhigt: „Die Tonnenbegrenzung bleibt.“ Allerdings werde laut Prognose der Insel-Verkehr so oder so zunehmen – bis 2030 um 13 Prozent.

Die Tonnage-Grenze dürfe nicht fallen, warnt die Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg. Sonst würde Usedom im Verkehrschaos versinken. Präsident Wolfgang Blank fürchtet „eine weitere Belastung der Verkehrsinfrastruktur“. Positiv sei, dass Polen die Häfen ausbaut – nützlich für die Region. Große Hoffnungen setzt Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (CDU) in den Swinetunnel – als „dritte Inselzufahrt“. Denn Usedom mit den überlasteten B 110 und B 111 ächze seit langem unter hohem Verkehrsaufkommen. Denkbar sei, dass der Tunnel auch mehr Verkehr gen Westen bringe, allerdings überwiege für ihn der Vorteil einer schnellen Anbindung via Stettin bis Berlin.

Andreas Ebel und Frank Pubantz

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