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Der Biber kehrt in den Norden zurück

Lübeck Der Biber kehrt in den Norden zurück

Der große Nager und Burgenbauer wird gerade auch im Elbe-Lübeck-Kanal heimisch. Die FDP fordert jetzt ein Biber-Management.

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Der Biber erobert den Norden als Lebensraum zurück. Rund 30 Tiere sind bereits heimisch, auch am Elbe-Lübeck-Kanal.

Quelle: Fotos: Heyer/dpa, Neelsen (3)

Lübeck. Gut 80 Zentimeter ist er lang, braunes Fell, Knopfaugen. An Land plump, im Wasser elegant. Und wo er mit seinen großen Nagezähnen zubeißt, fallen die Bäume:

„Castor fiber“, der europäische Biber. Im Norden seit gut 100 Jahren ausgerottet, erkämpft er sich von der Elbe aus seinen Lebensraum langsam zurück. Gerade marschiert er den Elbe-Lübeck-Kanal hinauf auf die Hansestadt zu.

Rund 30 Biber sollen es sein, die mittlerweile wieder in Schleswig-Holstein leben, heißt es aus dem Kieler Umweltministerium. 1996 erreichten die ersten Tiere aus Sachsen-Anhalt kommend das Elbufer zwischen Lauenburg und Geesthacht. Inzwischen habe sich dort „eine kleine Population begründet, die sich erfolgreich fortpflanzt“. Einzelne Tiere haben demnach schon Hamburg passiert und sind in die Stör eingewandert. Einige aber sind noch vor Hamburg nach Norden abgebogen. Man schätze den Bestand am Elbe-Lübeck-Kanal „auf sehr niedrigem Niveau als stabil ein“, so die Ministeriums-Experten. Und:

Da die Population des Elbebibers in Mecklenburg-Vorpommern sehr stabil sei und wachse, sei „mit Einwanderungen nach Schleswig-Holstein weiterhin zu rechnen“.

„Der Biber ist wieder da“, freut sich der FDP-Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky, der die Zahlen beim Ministerium erfragt hat. Weil das Ministerium schlafe, sei das Land aber schlecht auf seine Ausbreitung vorbereitet, klagt der Liberale. In anderen Bundesländern sei man in Sachen „Biber-Management und Konflikterfassung“ schon deutlich weiter. Denn so possierlich der Nager auch ist: Er kann Schaden anrichten, und das nicht nur im Forst und durch das Aufstauen von Gewässern.

Das gesteht auch das Umweltministerium zu. Neben dem Bau von Biberburgen inmitten von Wasserflächen würden die Tiere zum Beispiel dazu neigen, Erdbauten in Uferbereichen anzulegen. „In diese unterirdischen Burgen können auf landwirtschaftlichen Nutzflächen zum einen landwirtschaftliche Geräte einsinken, zum anderen können Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen, insbesondere an Mais, entstehen“, heißt es. Und: Es könne durch die unterirdischen Bauten zu „Problemen im Zusammenhang mit dem Hochwasser- und Küstenschutz kommen“.

Kumbartzky will Konflikten daher von vornherein vorbeugen. „Die Landesregierung sollte beispielsweise über einen Fonds für Biberschäden nachdenken“, sagt der Liberale. In Bayern, einem Land mit vergleichsweise großer Biberpopulation, gebe es so etwas schon. Außerdem müsste stärker über den Biber und seine Bedeutung für die Natur informiert werden.

Ein Vorbild könnte das Wolfs- Management samt Wolfs-Betreuern sein, das das Land für diesen Rückkehrer eingeführt hat – der hierzulande im Übrigen zugleich der einzige natürliche Fressfeind des Bibers wäre. Kiel solle sich schnell mit den anderen Bundesländern darüber austauschen. Die „Norddeutsche Bibertagung“, zu der das landeseigene „Bildungszentrum für Natur, Umwelt und ländliche Räume“

Ende November nach Lauenburg eingeladen hat, könne nur ein erster Schritt sein. Im Grünen-Umweltministerium ist man da allerdings noch zurückhaltend. Die Biber-Population im Land sei ja noch sehr klein, mit großen Problemen rechne man nicht, sagt Sprecherin Nicole Kabel. Und aktiv unterstützen wolle man seine Wiederansiedlung nicht. „Das ist nicht sinnvoll und nicht erforderlich.“ Vorrang habe die natürliche Wiederbesiedlung. Programme mit Auswilderungen anderswo gefangener Tiere dürfe es laut internationaler Richtlinien ohnehin nur geben, wenn der Aufbau einer dauerhaft überlebensfähigen Population „mit hoher Sicherheit prognostiziert werden kann“. Das ist im Norden so eindeutig offenbar nicht der Fall. „Wenn der Biber von selbst kommt, muss er sich an diese Kriterien aber nicht halten“, sagt die Sprecherin und lacht. Dass man im Land in den vergangenen Jahren viele Gewässer renaturiert habe, begünstige zudem die Einwanderung des Bibers. Gerade sei auch ein Auen-Programm beschlossen worden, um naturnahe Fließgewässerlandschaften zu entwickeln. „Die werden ideale Lebensräume für den Biber sein“, sagt Nicola Kabel. „Und in ihnen werden durch seine ,Wasserbautätigkeiten’ auch kaum Schäden zu erwarten sein.“

„Meister Bockert“ ist Europas größtes Nagetier

Castor fiber , der europäische Biber, auch „Meister Bockert“ genannt, ist das größte Nagetier des Kontinents. Er ist etwa 80 bis 100 Zentimeter lang, die Länge des Schwanzes, der „Kelle“, mit der er im Wasser rudert und steuert, misst noch einmal bis zu 35 Zentimeter. Ausgewachsene Tiere wiegen bis zu 30 Kilogramm. Biber sind reine Pflanzenfresser, bevorzugen Kräuter, Sträucher, Wasserpflanzen und Zweige, Astrinde und Blätter von Laubbäume wie Espen, Erlen und Pappeln, die sie dazu fällen. Der Biber ist streng geschützt und darf nicht bejagt werden. In Deutschland lebt er wieder in allen Flächenbundesländern, in Baden-Württemberg zum Beispiel sind es 3000 Tiere. Die dichteste Verbreitung hat er entlang der Elbe und ihrer Zuflüsse in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen, Brandenburg und Mecklenburg.

Wolfram Hammer

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