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Norddeutschland Der Containerriese ist wieder frei
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14:18 10.02.2016
Mehrere Schlepper zogen den Containerfrachter „CSCL Indian Ocean“ ins Fahrwasser der Elbe zurück. Quelle: Ingo Wagner/dpa
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Stade

Die beste Nachricht für viele der Schaulustigen in dieser sehr, sehr nassen Nacht an der Elbe ist: „Da vorn gibt‘s Punsch, Kaffee, Bier und Würstchen.“ Es ist noch stockdunkel, aber beim Kiosk auf dem Fähranleger Lühe im Alten Land brennt schon Licht. Mehr als 150 Schaulustige sind am Anleger. Die „Indian Ocean“ ist am vergangenen Mittwoch hier wegen eines Defekts im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Ruder gelaufen und im Elbschlick neben der Fahrrinne steckengeblieben.

Nach zwei gescheiterten Versuchen, das Riesenschiff freizuschleppen, wurde tagelang Sand neben dem Rumpf weggebaggert, 65 000 Kubikmeter insgesamt. 6500 Tonnen Treibstoffe und Ballastwasser wurden abgepumpt, um das mehr als 150 000 Tonnen schwere Schiff etwas leichter zu machen. Vor allem waren es aber der günstige Wind und die Springtide, die dem Bergungsteam letztlich zum Erfolg verhalfen.

Gegen 1.30 Uhr in der Nacht zu gestern sammeln sich die Schaulustigen am Anleger und am Deich. Zwei Hochseeschlepper sind in Position. Die „Union Manta“ und die „Fairmount Expedition“ sollen das 400 Meter lange Containerschiff rückwärts in die Fahrrinne ziehen. Zehn der etwas kleineren Hafenschlepper sollen ziehen und drücken.

Um 2.02 Uhr gibt das Havariekommando das Startsignal. Die Schlepper ziehen an, der Lärm der 36000 PS, die allein die beiden Hochseeschlepper an den Start bringen, wird vom Wind verweht. Die 7,6 Zentimeter dicken Stahlseile spannen sich, und nach ein paar Minuten dreht sich das Heck des Container-Kolosses langsam in die Fahrrinne, um 2.20 Uhr schwimmt die „Indian Ocean“ wieder.

Uwe Kröhnke steht mit seinem Fernglas im Regen am Anleger. Der 70-Jährige hat es nicht weit aus seinem Örtchen Guderhandviertel im Herzen des Alten Landes. Er hatte bis vor zwei Jahren einen Ewer, ein traditionelles Segelschiff mit Flachkiel. „Mein Vater war Schleusenwärter in Otterndorf an der Elbe.“ Daher die Verbundenheit mit der Schifffahrt, sagt er. „Meine Frau hatte keinen Bock mitzukommen“, sagt Kröhnke lachend. Dafür sind die Nachbarn aus dem Gesangverein dabei. Die DLRG-Ortsgruppe Horneburg im Alten Land ist auch im Einsatz. Das Wasser steht hoch und schwappt gelegentlich über die Kaimauer. „Wir sind hier, um die Zuschauer zu sichern“, sagt Einsatzleiter Rainer Bohmbach. „Beim ersten Besuch der ,Queen Mary‘ waren hier 20 000 Menschen.“

Der Eigner der „Indian Ocean“, die Reederei China Shipping, dürfte froh sein, dass das Schiff wieder fährt. Allein die Unterhaltskosten für den Containerriesen liegen angeblich bei 54 000 Euro — pro Tag. Die Rechnung für die Bergung, ein zweistelliger Millionenbetrag, dürfte an die Versicherung gehen.

Ein unverhofftes Geschäft macht in dieser Nacht der Kiosk „Wellenreiter“ am Anleger Lühe. „Eigentlich bin ich noch im Winterschlaf“, sagt Wirtin Sylke Oehr. „Wir haben erst ab Mitte März geöffnet.

Aber für diese Aktion haben wir extra aufgemacht. Ich bin jetzt zwölf Jahre hier, aber so was habe ich noch nie erlebt“, sagt Oehr und reicht zwei Bier über den Tresen.

Matthias Benirschke

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