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Norddeutschland Der Förde-Flipper will nur kuscheln
Nachrichten Norddeutschland Der Förde-Flipper will nur kuscheln
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21:55 13.09.2016
Ein Delfin schwimmt am 11.09.2016 zwischen Badenden im Eingang zum Alten Schleusenkanal in Holtenau bei Kiel (Schleswig-Holstein). Quelle: Thomas Eisenkrätzer/dpa
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Kiel

Der Delfin mischt diesen wunderbaren Spätsommer kräftig auf. Gestern Morgen begleitete er die Fähre von Möltenort nach Friedrichsort. Am späten Nachmittag tauchte er in der „Seebar“ auf und schwamm mit den Badegästen um die Wette. Am Abend stattete er Standup-Paddlern einen Besuch ab.

 

Meeresbiologe Professor Boris Culik (57). Quelle: Sven Janssen

„Auch Delfine haben unterschiedliche Persönlichkeiten“, erklärt der Meeresbiologe Professor Boris Culik (57). „Es gibt scheue, aggressive und eben freundliche wie unseren hier.“ Der Experte ist beeindruckt von dem Förde-Delfin: „Das scheint ein ziemlich abgebrühter Bursche zu sein.“ Locker durch die Holtenauer Schleuse zu schwimmen, sei kein Pappenstiel. „Unter Wasser muss dort ein enormer Krach herrschen. Die Pumpen laufen, die Schiffsmotoren dröhnen und dann noch das rumpelnde Schleusentor“, erklärt Culik. Am Montag schwamm der Delfin im Nord-Ostsee-Kanal bis nach Suchsdorf und Neuwittenbek. Was wäre, wenn er die längste künstliche Wasserstraße der Welt komplett durchschwimmen würde? „Das dürfte für ihn kein Problem sein“, sagt Culik. „Im Kanal gibt es genug Heringe, und die Schleuse in Brunsbüttel ist für ihn auch kein Thema.“ Nur das Wasser könnte kritisch werden, denn im Kanal fließt Süßwasser. „Da könnten sich Hautparasiten ansiedeln.“ Doch bisher war der Delfin gegen Abend immer wieder in der Förde.

Eigentlich leben Delfine in der Nordsee. Eine Dauerpopulation gibt es in der Ostsee bisher nicht. Normalerweise sind Delfine in einer Gruppe unterwegs. „Sie berühren sich viel“, so Culik, „sie brauchen Kuscheleinheiten.“ Ob er deshalb aktiv den Schwimmern in der Förde entgegenkommt, um zu kuscheln? „Vielleicht“, so der Experte.

Culik hat zusammen mit dänischen Wissenschaftlern die Klicklaute der Schweinswale analysiert und einen sogenannten Schweinswal-Alarm (PAL) erfunden. Dieser schwimmt nun in den Netzen einiger Fischer mit. Das Ziel: Durch das akustische Signal des PAL, das in Schweinswal-Sprache so viel heißt wie „Achtung“, soll verhindert werden, dass Schweinswale in Stellnetze schwimmen. „Die Fischer, die das System getestet haben, haben 90 Prozent weniger Beifang“, erzählt Culik.

 kb

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