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23:37 31.01.2016
Deutsche Handballer holen EM-Titel. Quelle: Jens Wolf
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Krakau

Unfassbar! Unglaublich! Unbegreiflich! Der Handball-Wahnsinn hat einen neuen Namen: Deutschland. Ausgezogen, um mit 14 EM-Debütanten zu lernen, unterwegs noch zwei Stammkräfte verlierend, kehren Deutschlands Handballer als glorreiche Europameister zurück. Der 31. Januar 2016, er wird in die Geschichte eingehen. Auch deshalb, weil die No Names, das jüngste Team der Titelkämpfe, im Finale von Krakau den spanischen Stier, das Starensemble, den 2013-Weltmeister, mit 24:17 (10:6) auf die Hörner genommen haben. Und das mit einer Leichtigkeit, die faszinierte und verblüffte. Ganz nebenbei lösten die „Eurofighter“ auch noch das Olympia-Ticket.

Der Start in eine lange Part-Nacht: Mit „#badboys“-Trikots zogen sie jubelnd durch die Arena-Katakomben. Christian Dissinger, der verletzte Kieler, trug nur noch das Medaillenband um den Hals. Gold steckte in der Hosentasche. Es war abgerissen. „Ich hab' Durst“, schrie Julius Kühn in jede Kamera. Und Carsten Lichtlein, mit 35 der Opa, eingewickelt in Schwarz-Rot-Gold, schossen die Tränen in die Augen, als er den Moment der Trophäen-Übergabe beschrieb. „Das war sehr bewegend, der geilste Augenblick in meinem Leben. Diese EM ist eine Sternstunde des deutschen Handballs.“ Er hat die letzten großen Erfolge, den EM-Titel 2004 und WM-Gold 2007, als einziger im Team miterlebt. Bundestrainer Dagur Sigurdsson verneigte sich vor seinen Jungs: „Danke, ihr seid einfach eine tolle Truppe. Wir sind jetzt ganz oben, werden hart dran arbeiten, um oben zu bleiben. Aber jetzt möchte ich den Moment erst einmal genießen.“

Das Finale - ein deutsche Hymne an die Glückseligkeit mit der Tauron-Arena als Bühne. Die Ouvertüre - einTraumstart der Sigurdsson-Jünger. Mit einer überragenden Abwehr. Wie eine Zieharmonika ging sie auf und zu. Ein einziges Verdichten, Blocken, Attackieren und Zupacken. Ein Fall fürs Lehrbuch, Anschauungsunterricht par excellence. „Als ich den ersten Wurf geblockt habe, wusste ich: Das ist mein Spiel, da kann kommen, wer will“, erklärte Abwehrboss Finn Lemke den Zauber. Die Aura der Unbesiegbarkeit übertrug er auf seine Nebenleute. Den Rest besorgte der Wolff im Tor. Aguinagalde, Tomas, Maqueda, alles Namen mit Klang, sie verzweifelten am Bald-Kieler. Die Spanier brauchten 6:37 Minuten, um ihr erstes Tor zu erzielen. Offensiv sorgte Nachrücker Kai Häfner für Druck (7 Tore). 7: 2 nach 15 Minuten. Und es ging so weiter. Denn die Iberer waren Verzweiflung pur. Ratlos, hilflos, ideenlos, selbst in Überzahl. Einzig Keeper Arpad Sterbik (14 Paraden) hielt die Rot-Gelben im Spiel. Sechs Tore in einer Halbzeit, davon nur fünf aus dem Feld - schon die ersten 30 Minuten müssen den Spaniern spanisch vorgekommen sein.

Und es blieb dabei: Die spanischen Angriffe prallten an der deutschen Gummiwand ab. Und immer wieder biss der Wolff zu, 16 Mal insgesamt. Weltklasse! Die Ibero-Stars, sie wurden die Beute des besten Keepers des Turniers. Als Häfner wie im Rausch die Führung ausbaute (16:9/44.), Rune Dahmke auf 21:13 (53.) erhöhte, wurde die Krakau-Arena endgültig zum deutschen Freudenhaus mit „Oh, wie ist das schön“ als Ode an die Freude.

Gold. „Das fühlt sich alles so unwirklich an, auch weil es mein allererstes Turnier im Nationalteam überhaupt war.“ Matchwinner Wolff musste immer wieder auf seine Medaille schauen. Im Überschwang versprach er dann sogar das Erwachen der Macht: „Jetzt holen wir uns auch noch den Olympiasieg und die nächste WM.“ Lemke genoss derweil das Hier: „Jetzt werden wir schön essen. Und dann machen wir etwas Ungesundes.“

Jens Kürbis

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