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18:18 21.05.2016
Lennart Wichelmann zeigt seine Erfindung: Die Rohrbiegezange ist der bislang größte Erfolg des Entwicklers aus Dätgen. Quelle: Gerhard Müller
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Dätgen

Das Gewerbegebiet in Dätgen (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist klein, gleiches gilt für die beiden Autos vor der Halle 4. Hier residiert die Maschinenbau-Firma Median Zerspanungstechnik GmbH. Es ist ein kleines Start-up-Unternehmen, hemdsärmlig geführt von einem engagierten Entwickler, der einen guten Kumpel gerade zum Partner gemacht hat. Lennart Wichelmann ist der Macher, Julian Schwarzloh der Maßarbeiter. Das Motto der beiden 33-Jährigen lautet: Alles Denkbare ist machbar.“

Mit einem Legotechnik-Baukasten fing alles an, seitdem werkelt Wichelmann. Seine Mutter Brigitta erzählt gern die Geschichte ihres Zehnjährigen, der auf einem Geburtstagsausflug das Rad eines Klassenkameraden zum Erstaunen dessen Vaters reparierte. Als Lennart elf war, musste er ins Krankenhaus – beim Schleifen eines selbstgeschmiedeten Messers war ein Splitter ins rechte Auge gelangt. Im Gymnasium Elmschenhagen galt er als Problemlöser. Klemmte im Sportunterricht der Barren, Lennart legte Hand an. Ein Mitschüler verpasste ihm einen treffenden Spitznamen: MacGyver, wie der Held der gleichnamigen US-Fernsehserie. Ein Erfinder, der für die ungewöhnlichsten Probleme verblüffende Lösungen findet. Seitdem hieß es in Wichelmanns Freundeskreis: „MacGyver kriegt das hin.“ Fast logisch, dass er nach dem Abitur in Kiel begann, Feinwerktechnik zu studieren. Während eines Praktikums in einer Klausdorfer Konstruktionsfirma fiel dem Inhaber seine Begabung auf. Als der Chef in Rente gehen und seinen Betrieb verkaufen wollte, fragte er Wichelmann, ob er nicht sein Nachfolger werden wolle. Er wollte, doch Geld hatte er nicht. Erst eine Bürgschaft seiner Eltern machte es möglich. Da war er 22 und plötzlich Unternehmer, spezialisiert auf Entwicklungen von Prüfvorrichtungen für die Automobil- und Medizintechnikbranche. Student ist er noch immer, es müsste das 18. Semester sein, viel Zeit hat er dafür inzwischen nicht mehr.

In der kleinen Halle thront eine neun Tonnen schwere Maschine, ein sogenanntes Fünf- Achsen-Simultan-Fräszentrum. Der PC steht auf einem ausrangierten Küchentisch von Kumpel Schwarzloh. Wichelmann schildert, dass er das 275000 teure Monstrum aus Japan nur erwerben konnte, weil er zuvor eine Bank von seiner Rohrbiegezange aus leichtem Luftfahrt-Aluminium überzeugt hatte: „Mit deren Ratscheneffekt lassen sich Rohre mühelos um bis zu 180 Grad biegen, das ist das Alleinstellungsmerkmal.“ 970 Exemplare hat er im ersten Jahr verkauft. Spezialist für die Fertigung ist der Zerspanungsmechaniker Schwarzloh, der nebenbei Prototypen für individuelle Steigbügel herstellt. „Ich verwandele Lennarts Ideen ins Anfassbare“, sagt Schwarzloh.

Seit Jahresbeginn wird die Zange in Eigenregie produziert, mit einer Präzision von drei Tausendstel Millimetern. „Aufgrund dieser hohen Genauigkeit können wir nun Aufträge übernehmen, vor denen andere zurückschrecken“, erläutert Lennart Wichelmann. Seine Schwester Kira, 25 und Maschinenbaustudentin, montiert die Einzelteile zusammen, denn Rohre und Griffe liefern die Behindertenwerkstätten Drachensee. Es ist der Durchbruch für Wichelmann, der Durchbruch mit einer Rohrbiegezange. MacGyver hätte es nicht besser machen können. G. Müller

LN

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