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Der Norden will mehr ausländische Gäste

Lübeck Der Norden will mehr ausländische Gäste

Tourismustag in Lübeck: Um Skandinavier, Österreicher und Schweizer soll gezielt geworben werden.

Quelle: dpa

Lübeck. Schleswig-Holsteins Tourismus will verstärkt ausländische Gäste anlocken. Denn auf diesem Markt dümpelt der echte Norden im bundesweiten Vergleich nur im Mittelfeld. „Da haben wir noch große Reserven“, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) auf dem Tourismustag 2016 in Lübeck. Das Marketing richtet seinen Blick demnächst verstärkt auf Skandinavier, Schweizer, Österreicher und Niederländer.

Die vergangene Saison lief bombig. Übernachtungs- und Gästezahlen schraubten sich in Rekordhöhe. „Der Boom, den wir erleben, wird getragen von Inlandsgästen“, sagte Bernd Eisenstein, Direktor des Instituts für Management und Tourismus (MIT) der FH Westküste, vor 370 Tourismusfachleuten. Dabei legte Schleswig-Holstein deutlich über dem Bundesschnitt zu. Doch bei aller Genugtuung: Der Inlandsmarkt scheint absehbar nur moderat ausbaubar. „Der größte Zuwachs an Gästen kommt aus dem Ausland, selbst wenn das Inland immer der Hauptmarkt bleiben wird“, erläuterte Eisenstein.

Am liebsten verbringen Niederländer und Schweizer ihren Urlaub in Deutschland. Doch es ist vor allem der Südwesten, der von ausländischen Gästen profitiert. Ansonsten zieht es Ausländer nur noch in Metropolen wie Berlin, Hamburg, München. Schleswig-Holstein ist für sie beinahe ein weißer Fleck auf der Landkarte. Wären da nicht die Skandinavier mit über 60 Prozent Anteil an den Ausländern, die den echten Norden offenbar innig lieben.

„Jeder Skandinavier träumt davon, einmal den echten Norden zu sehen“, sagte Magnus Ehrenberg, Chef von Ehrenberg Kommunikation (Hamburg), gebürtiger Schwede und Wahl-Lübecker, mit einem Augenzwinkern. Er gab den Touristikern mit auf den Weg, eine spezifische Länderansprache zu wählen, um erfolgreich um Ausländer zu werben. Selbst Skandinavier seien nicht über einen Kamm zu scheren.

Auch Großstädter müssten anders angesprochen werden als Menschen aus dem ländlichen Raum.

Dass in Schleswig-Holstein jeder regionale Tourismusverband sein eigenes Süppchen kocht, hält der Marketingexperte für grundfalsch. Stattdessen sollten Kooperationen sogar über Landesgrenzen ausgeweitet werden. Ein Verbund mit Hamburg würde laut Ehrenberg in Skandinavien auf positive Resonanz treffen. „Den Lübecker Weihnachtsmarkt kennt in Schweden jedes Kind. Dass Lübeck in Schleswig-Holstein liegt, weiß kaum einer.“ Eine Kooperation mit der Metropole bedeute ja nicht, dass Schleswig-Holstein gleich „Greater Hamburg“ werden muss.

Außerdem mahnte Ehrenberg mehr Digitalisierung an. „Schmeißen Sie Ihre Kataloge weg!“ Die Gäste-Ansprache im Internet müsse mindestens zweisprachig sein. Dass ein Gast in Schleswig-Holstein nicht überall mit Kredit- oder EC-Karte bezahlen könne („in Skandinavien unvorstellbar“), schmälere die Marktchancen.

Minister Meyer möchte die Zahl der Übernachtungen ausländischer Gäste von knapp zwei Millionen auf drei Millionen im Jahr 2030 steigern. Das ehrgeizige Ziel könnte an fehlendem Geld scheitern. Der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (Tash) als zentraler Marketinggesellschaft stehen im kommenden Jahr Landesmittel in Höhe von 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. „Das reicht nicht“, gestand Meyer ein. „Wenn der Etat selbst im Saarland größer ist, dann stimmt etwas nicht.“ Jörn Klimant, Vorsitzender des Tourismusverbands Schleswig-Holstein (TVSH), appellierte an die Landtagsfraktionen, zu reagieren. „Die Tash ist dramatisch unterfinanziert.“

Branche im Höhenflug

Zum sechsten Mal in Folge steigt der von der IHK Schleswig-Holstein ermittelte touristische Konjunkturklima-Index. Er erreicht den höchsten Stand seit 16 Jahren. Auf einer Skala von 0 bis 200 liegt der Index für den Zeitraum von Mai bis Oktober 2016 bei überdurchschnittlichen 139,9 Punkten und damit nochmal 3,1 Punkte über dem Vorjahr. Er übertrifft den Gesamtwert für Mecklenburg- Vorpommern, Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein um 5,5 Index-Punkte. Entscheidend für die positive Stimmung ist vor allem das Hoch in der Hotellerie. Dafür sprechen herausragende 146,2 Punkte. Im landesinternen Vergleich liegt die Ostsee an der Spitze. Die Branche erwirtschaftete zuletzt 7,9 Milliarden Euro Umsatz. Am Tourismus hängen 151000 Arbeitsplätze.

Nicht konsequent

Seit gestern haben wir es Schwarz auf Weiß: Der Gastronomie in Schleswig-Holstein geht es sehr gut, der Hotellerie geht es blendend. Der Norden hat eine sensationelle Saison hinter sich. Das ist ein Verdienst des Landes, seiner Marketingstrategie, seiner Unternehmer, nicht zuletzt aber auch Folge der weltpolitischen Lage: Viele Auslandsziele scheiden für Bundesbürger wegen Terrorgefahr aus.

Die Zahl der Gäste aus dem Inland noch zu toppen, ist schwierig. Also soll der ausländische Markt stärker beackert werden. Als erstes sollen uns die Dänen ins Netz gehen. Es bestehe Potenzial für Schleswig-Holstein, heißt es. Schöne Worte – doch es fehlt an letzter Konsequenz. Das Land macht viel zu wenig Geld für Tourismuswerbung locker. So lange sich das nicht ändert, bleibt die Hoffnung nach größerem Erfolg ein frommer Wunsch.

 Curd Tönnemann

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