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Norddeutschland Der Siegeszug von Bartelmanns Erfindung
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18:25 04.06.2016

Der Erfinder des Strandkorbs stammt aus Rostock. Dort hatte Korbmacher Wilhelm Bartelmann (1845-1930), der einer Lübecker Korbmacherfamilie entstammte, seine Werkstatt. Er fertigte den ersten neuartigen Sitzkorb für eine anspruchsvolle Kundin namens Elfriede von Maltzahn. Die rheumaleidende Dame erklärte, sie brauche etwas zum Schutz vor zuviel Sonne und Wind.

Testen Papas Neuheit: Paula und Erna Bartelmann mit Mama Elise.

Das Beispiel machte Schule. Auch andere Leute wollten plötzlich so einen Strandkorb haben. 1883 fertigte Bartelmann erfolgreich den ersten Sitzkorb für zwei Personen und gründete noch im gleichen Jahr mit seiner Frau in Warnemünde die erste Strandkorbvermietung.

Bartelmann vergaß aber, ein Patent anzumelden. Sein ehemaliger Lehrling Johann Falk baute daher bald auch Strandkörbe und entwarf 1897 das erste Modell mit verstellbarer Rückenlehne, den sogenannten Halblieger. Das war der Durchbruch. Schon 1900 standen Strandkörbe in allen deutschen Seebädern. Auch in Lübeck entstand 1905 übrigens ein eigener Sitzkorb, der sogar zum Reisekoffer umgebaut werden konnte.

Die neueste Entwicklung ist heute der Schlafstrandkorb, der in diesem Jahr auf der Berliner Tourismusmesse ITB präsentiert wurde.

Bis in die 1920er Jahre war der Aufenthalt am Strand ein Privileg des wohlhabenden Bürgertums. Das änderte sich erst nach dem Ersten Weltkrieg. Bis 1939 blieb die Strandkorbindustrie Wachstumsbranche. Im Nachkriegsdeutschland ging der in den Kriegsjahren unterbrochene Boom weiter.

Erstaunlicherweise sind Strandkörbe jedoch weitgehend ein deutsches Phänomen geblieben. Im Ausland sind sie die Ausnahme. Warum ist nicht erforscht.

In die deutsche Literaturgeschichte hat der Strandkorb ebenfalls Eingang gefunden. Thomas Mann erwähnt die praktischen Sitzgelegenheiten in seinem 1901 veröffentlichten Roman „Buddenbrooks“: „Tony stieg behutsam durch das hohe, scharfe Schilfgras, das am Rande des nackten Strandes stand. Die Reihe der hölzernen Strandpavillons mit ihren kegelförmigen Dächern lag vor ihnen und ließ den Durchblick auf die Strandkörbe frei, die näher am Wasser standen.“ Auch Kurt Tucholsky schrieb 1922 über den „Aufbewahrungskorb für Badegäste“.

Der Strandkorb schrieb auch Weltgeschichte: Im Jahr 2007 setzten sich die Teilnehmer des Heiligendammer G8-Gipfels in einem eigens angefertigten, sechs Meter breiten Maxi-Strandkorb zusammen

.Marcus Stöcklin

LN

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