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Der Silberschatz aus der Wikingerzeit von Sylt

Spektakulärer Fund Der Silberschatz aus der Wikingerzeit von Sylt

Ein Kilogramm Silber aus der Wikingerzeit haben Archäologen auf Sylt entdeckt. 180 Schmuckstücke, Münzen und Barren gruben sie auf einem Acker aus. Es ist einer der größten Silberschatz-Funde überhaupt in Schleswig-Holstein.

Mehrere Fundstücke liegen am 25.09.2017 im archäologischen Landesamt in Schleswig-Holstein auf einem Tisch. Archäologen hatten auf der Nordseeinsel Sylt einen Silberschatz aus der Wikingerzeit entdeckt.

Quelle: Andre Klohn/dpa

Schleswig. Einen spektakulären Fund aus der Wikingerzeit haben Archäologen auf einem Acker der Nordseeinsel Sylt gemacht. 180 Schmuckstücke, Münzen und auch Barren aus Silber holten sie dort aus dem Boden. Das Gesamtgewicht beträgt rund ein Kilogramm. „Das ist einer der größten Silberschatzfunde aus Schleswig-Holstein überhaupt“, sagte der Leiter des Archäologischen Landesamtes, Claus von Carnap-Bornheim, am Montag bei Vorstellung des Fundes in Schleswig. Er geht davon aus, dass die Experten das wikingerzeitliche Edelmetalldepot weitestgehend komplett ausgraben konnten.

Auffälligstes Stück des Silberschatzes ist eine sehr fein gearbeitete sogenannte Ringfibel. Das am Gewand getragene Schmuckstück verfügt über drei Knöpfe, die mit tierartigen Wesen verziert sind. Ein Landwirt hatte das wertvolle Stück Anfang der 1960er auf seinem Acker in Morsum entdeckt. Bekannt wurde dieser Fund aber erst 2015 nachdem die Familie die Ringfibel dem Hausarzt aus Dank vermacht hatte. Der wandte sich an das Archäologische Landesamt.

Die Experten wurden sofort hellhörig und recherchierten den genauen Fundort. Im Juli machten sie sich dann in Morsum mit Metalldetektoren auf die Suche und wurden schnell fündig. „Es hat nur ungefähr eine Viertelstunde gedauert“, sagte Eike Siegloff, der Leiter der Abteilung Denkmalschutz. Stück um Stück beförderten sie an die Oberfläche, darunter auch die zur Ringfidel gehörende Fibel, wie Schleswig-Holsteins Kulturministerin Karin Prien (CDU) bei der Vorstellung des Fundes demonstrierte. „Dieser Sylter Fund ist wirklich beeindruckend, man kann fast sagen spektakulär“, sagte sie. „Manche Regionen haben ihre Römer und Kelten, wir haben bei uns die Wikinger.“

Carnap-Bornheim datiert den Silberfund auf Mitte des zehnten Jahrhunderts. „Bei der Altersbestimmung helfen die gefundenen angelsächsischen und islamischen Münzen“, sagte er. Zwei von ihnen stammen von König Aethelstan. 37 islamische Münzen könnten bis ins neunte Jahrhundert zurückreichen. „Die Wikingerzeit ist eine Zeit des Silbers“, erklärt der Experte. Silber diente den Wikingern als Zahlungsmittel in Form von Hacksilber. Deshalb sind einige der Ketten zerstört. Das Aufbewahrungsgefäß des Morsumer Horts blieb unauffindbar, möglicherweise wurde es vom Pflug zerstört.

Und wem gehörte der Schatz einst? Der Besitzer gehörte laut Carnap-Bornheim zur Sylter Oberschicht. Dies zeige: „Sylt ist nicht erst im 20. Jahrhundert eine reiche Insel geworden.“ Die Ringfibel habe dieser einst „wie eine Rolex“ getragen. Sylt sei ein „Hotspot der Archäologie“, dies zeigten die Tinnumburg, Gräberfelder und auch zwei ältere Hortfunde auf der Insel von 1905 und 1937.

Der heutige Wert des nun gefundenen Silbers sei Betriebsgeheimnis. „Damals konnte man dafür 23 bis 25 Ochsen kaufen oder ein durchschnittliches Schwert.“ Es habe sich um ein ordentliches Betriebskapital eines wohlhabenden Menschen gehandelt. Carnap-Bornheim schloss aus, dass das Silber möglicherweise geopfert wurde. Das wäre stattdessen eher im Watt oder in einem Moor geschehen.

Wie ist der Silberschatz dann unter die Erde gelangt? „Das muss ich leider sagen: Das weiß ich nicht“, sagte Carnap-Bornheim. Der Anlass lasse sich nicht mehr rekonstruieren. Vielleicht handelte es sich dabei um Streitgut. Der Besitzer mag in Krisenzeiten aber auch schlicht Angst um sein Hab und Gut gehabt haben. Sicher erscheint, dass er das Silber schützen wollte.

Der Silberschatz soll künftig in der Dauerausstellung auf Schloss Gottorf zu sehen sein. Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest.

Von André Klohn

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