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Norddeutschland Der Steuerbescheid im Norden kommt jetzt deutlich schneller
Nachrichten Norddeutschland Der Steuerbescheid im Norden kommt jetzt deutlich schneller
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23:01 22.08.2016
Bürger müssen nicht mehr so lange auf ihre Steuerbescheide warten wie zuletzt. Regional sind die Unterschiede aber noch beträchtlich. Quelle: dpa
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Lübeck

Die Finanzämter im Land arbeiten schneller. Bürger müssen nicht mehr so lange auf ihre Steuerbescheide warten wie zuletzt. Regional sind die Unterschiede aber noch beträchtlich. Mit 46,5 Tagen müssen Lübecker und Ostholsteiner am längsten warten. Am schnellsten geht es in Nordfriesland, wo die Beamten mit knapp 27 Tagen auskommen. Durchschnittlich warten Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein nach Abgabe ihrer Steuererklärung 40 Tage auf eine Reaktion des Finanzamts. Im vergangenen Jahr waren es 47 Tage, 2014 fast 57 Tage. Das geht aus der Antwort der Kieler Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der CDU-Landtagsfraktion hervor.

Beim Lübecker Finanzamt brauchen Arbeitnehmer immer noch viel Geduld. Dennoch hat sich die „Durchlaufzeit“, so der Fachjargon, innerhalb von zwei Jahren von 71 aus 46,5 Tage erheblich verkürzt. Noch flotter sind die Beamten in Ratzeburg (39,4) und Stormarn (41,5). Das Bundesfinanzministerium verlangt von den Ländern für das laufende Jahr vereinbarungsgemäß Bearbeitungszeiten für die Steuerveranlagung von 52 Tagen für Arbeitnehmer. Selbstständige und Gewerbetreibende warten länger auf ihren Bescheid. Im ersten Halbjahr waren es 72 Tage, eine stattliche Verbesserung um 20 Tagen gegenüber dem Jahr 2014. Das Bundesfinanzministerium sieht hier maximal 80 Tage vor.

„Der Krankenstand der Finanzbeamten spielt immer die größte Rolle, wenn es zu Verzögerungen für den Bürger kommt“, erklärt Andree Rietig (Kiel), Vize-Landeschef der Deutschen Steuergewerkschaft. Die neuerdings kürzere Bearbeitungszeit führt Rietig darauf zurück, dass immer mehr Arbeitnehmer ihre Steuererklärungen elektronisch abgeben statt auf Papier. „Das erspart uns Zeit.“ Eine Bevorzugung von Online-Anträgen gebe es aber nicht, stellt Rietig klar. Nach Angaben des Finanzministeriums wird jede zweite Steuererklärung online abgegeben.

Die Behörden fokussieren sich zudem stärker auf Steuererklärungen, die vom Computersystem als unplausibel erklärt werden. Alle anderen Anträge gingen nach grober Durchsicht glatt durch, berichtet Rietig. Man prüfe nicht mehr zeitaufwändig jeden einzelnen Beleg. Das Steuerausfallrisiko des Staates werde dadurch gemindert, die Steuerverwaltung bleibe effizient, sagt Eugen Witte, Sprecher im Kieler Finanzministerium.

Der Steuerzahlerbund Schleswig-Holstein moniert ungeachtet des höheren Bearbeitungstempos („das begrüßen wir“) die veraltete Methodik der Finanzämter: Eingehende Erklärungen werden nach Anfangsbuchstaben des Steuerzahlers einem Sachbearbeiter zugeordnet. Fällt der Finanzbeamte durch Krankheit aus, bleibt die Akte liegen. Kein Kollege übernimmt. „Da fehlt die Flexibilität“, sagt Landesgeschäftsführer Rainer Kersten. Problematisch sei auch die sehr unterschiedliche Bearbeitungszeit von Behörde zu Behörde, von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter.

Curd Tönnemann

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