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20:16 31.05.2018
Ärztliche Hilfe kann man sich jetzt auch per Telefon oder im Chat am Computer holen. In Schleswig-Holstein ist Fernbehandlung möglich. Quelle: Foto: Fotolia
Kiel

Die Landesärztekammer hatte im April ihre Berufsordnung als erste in Deutschland entsprechend geändert. Das Kieler Gesundheitsministerium habe bereits sein Einverständnis zur Telemedizin gegeben, berichtet der ärztliche Geschäftsführer der Kammer, Carsten Leffmann. Bereits in diesem Monat könne es losgehen.

Die Fernbehandlung, sagt Leffmann, komme Schleswig-Holstein sehr entgegen, weil das Land im Hinblick auf die medizinische Versorgung „sehr heterogen“ sei. Gerade wegen der manchmal nur schwer zugänglichen Inseln und Halligen „hat sich die Ärztekammer bereits seit zwei Jahren intensiv mit der Telemedizin beschäftigt. Die Zeit war für uns einfach reif“, sagt Leffmann. Das zeige zum Beispiel das Projekt „Hallig-e-Med“, das bereits seit Mitte März dieses Jahres die telemedizinische Notfallversorgung auf Halligen regelt. Trotz der Telemedizin, betont Leffmann, hielten die Mediziner weiterhin „den Arzt-Patienten-Kontakt sehr hoch“. Der behandelnde Arzt stelle mit gezielten Fragen fest, ob die geschilderten Symptome einer unmittelbaren Untersuchung bedürfen oder ob eine Fernbehandlung ausreicht. Durch diese „Vorsortierung“ der Patienten könnten weite Anfahrten und Kosten reduziert werden. Jeder Arzt kann selbst entscheiden, ob er Telemedizin anbieten möchte.

Wieviele Mediziner mitmachen werden, ist noch unbekannt.

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sieht große Chancen in der Telemedizin: „Sie kann insbesondere eine Brücke zwischen ambulantem und stationärem Sektor sowie zwischen ländlichem Raum und Spezialisten in Ballungsgebieten schlagen.“

Rechtsreferentin Johanna Batista von der Verbraucherzentrale Schleswig–Holstein spricht hingegen auch kritische Punkte bei der Telemedizin an. So setzt sie sich dafür ein, „dass beim Einsatz von Telemedizin kein Missbrauch von Daten stattfinden darf“. Die Meinung der Verbraucher zur Telemedizin sei ihrer Einschätzung nach gemischt. So stünden einige der Fernbehandlung „aufgeschlossen gegenüber, einige eher ängstlich“. Zudem sieht sie die Gefahr, dass Ärzte aufgrund der Ferndiagnostik Krankheiten falsch beurteilten.

Das Lübecker Unternehmen Patientus bietet über seine Website verschlüsselte Kommunikation zwischen Ärzten und Patienten an und wurde dafür 2016 mit dem LN-Existenzgründerpreis ausgezeichnet. „Für uns ist völlig klar, dass der Telemedizin die Zukunft gehört“, sagt Geschäftsführer Nicolas Schulwitz. Zu keinem Zeitpunkt würden Daten auf Servern abgelegt, womit die Kommunikation für Außenstehende nicht nachvollziehbar sei. Schulwitz erwartet sich in Zukunft weitere Lockerungen im Gesetz sowie mehr Unterstützung durch die gesetzlichen Krankenkassen für die Ferndiagnostik.

Von Florian Pieth

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