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Norddeutschland Der Weltstar kommt zum Plauderstündchen
Nachrichten Norddeutschland Der Weltstar kommt zum Plauderstündchen
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20:33 23.03.2013
Von Peter Mantik
Fidel Castro stand fürs Abendessen mit schwitzigem Shirt am Grill. Es wurde spartanisch auf Papptellern serviert.“Armin Mueller-Stahl erzählt von einer Begegnung mit den Revolutionsführern auf Kuba im Jahr 1960.

Der Range Rover mit dem OH-Kennzeichen rollt etwas vor der verabredeten Zeit auf den Parkplatz am Neustädter Hafen. Schnee rieselt, es ist ein grauer Tag in Ostholstein. Die LN treffen Weltstar Armin Mueller-Stahl zum . . . Frühlings-Spaziergang. „Ich mag das Winterwetter sehr, aber was halten Sie davon, wenn wir es uns von drinnen anschauen?“, fragt der 82-Jährige, den seit Monaten eine hartnäckige Erkältung plagt.

Im Restaurant Krabbe‘s sitzt es sich mit Aussicht auf den Hafen bequem und warm. Mueller-Stahl erzählt, dass er sich dieser Tage drei großen Gemälden mit einer Acryl-Mischtechnik widmet. „Es sind drei Meter große Werke, die ich demnächst fertigstellen möchte.“ Der Hollywood-Mime, bei dem drei Drehbücher als Rollenangebote in der Schublade liegen, betont stets, dass ihm das Malen seit jeher leichter falle als die Schauspielerei mit all ihren Zwängen. „Wenn ich male, fliege ich. Das ist wie eine Befreiung“, sagt er. Wenn morgens um neun Uhr im Atelier das Licht angeht, vergehe die Zeit wie im Fluge, sei es mit einem Mal 13 Uhr und er wisse nicht, wo die Minuten und Stunden geblieben seien. Ähnlich verhalte es sich bei ihm auch mit der Musik.

Im Mai geht‘s nach Kalifornien

Das soll auch sein Publikum am kommenden Donnerstag um 20 Uhr in Schloss Weissenhaus spüren, wenn er gemeinsam mit Günther Fischer (Klavier), Tobias Morgenstern (Saxofon, Akkordeon) und Tom Götze (Bass, Tuba) das politische Programm „Es gibt Tage“ präsentiert. Er selbst singt und spielt Violine, es gibt nur noch wenige Restkarten. Es wird Mueller- Stahls letztes Konzert vor der Rückkehr in seine zweite Heimat Kalifornien sein. Die Flugtickets mussten aber umgebucht werden. Armin Mueller-Stahl verlängert seinen Deutschlandaufenthalt um zwei Monate bis Ende Mai. Dem 82-Jährigen wird am 21. Mai der Europäische Kulturpreis im Rahmen der Richard-Wagner-Gala in der Leipziger Oper verliehen.

Bei all seinem künstlerischen Tun, zu dem auch noch das Schreiben und ganz privat die Fotografie zählen, bleibt wenig Zeit. Doch als Kind des Krieges schaltete Mueller-Stahl dann doch beim ZDF-Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ den Fernseher ein. „Das ist ein gut gemachter Film.“ Ihm missfallen aber die Befragungen von Zeitzeugen. „Was sollen die sagen? Ich habe auch getötet, oder ich habe nicht getötet? Wen interessiert das?“ Er selbst wurde als 14-Jähriger von einem russischen Soldaten bedroht, der ihn töten wollte. Sein Leben verdankt er einem polnischen Kriegsgefangenen, der auf den Russen eingeredet habe.

Der Krieg spielte auch schauspielerisch für Mueller-Stahl eine Rolle. Etwa in „Fünf Patronenhülsen“. Die DDR-Produktion wurde 1960 auf Kuba uraufgeführt. „Damals habe ich einen Tag mit Fidel Castro und Ernesto Che Guevara verbringen dürfen. Fidel stand fürs Abendessen mit schwitzigem Shirt am Grill. Es wurde spartanisch auf Papptellern serviert. Was ich auch erinnere: Die Augen der Frauen hafteten an Che. Von ihm ging dieses Charisma aus.“ Wann immer er mit seinen Lübecker Freunden, dem ehemaligen Politiker Björn Engholm und Frank-Thomas Gaulin vom Kunsthaus — sie nennen sich augenzwinkernd die Beach Boys — darüber spreche, würde vor allem Engholm darauf hinweisen, wie gern er dem Revolutionsführer begegnet wäre. Ein Porträt Che Guevaras findet sich unter den Lithografien Mueller-Stahls. „Ich habe ihn im Profil gezeichnet, weil er aus dieser Perspektive besonders gut aussieht.“

Vom Freund an die Stasi verraten Bei seinem Gastspiel in Schloss Weissenhaus reist Mueller-Stahl wieder in die Vergangenheit. Er singt politische Texte, die er vor knapp 50 Jahren zu DDR-Zeiten geschrieben und nur unwesentlich für die aktuellen Konzerte überarbeitet hat. Aus jener Zeit rührt eine der größten Enttäuschungen, die der Künstler hinnehmen musste. Als er Jahre nach der Wiedervereinigung Einblick in die Stasi-Akten erhielt, musste er feststellen, das ihn sein damals bester Freund an die Staatssicherheit verraten hatte. „Ich bin gesprächsbereit. Er kann sich jederzeit melden, und wir reden, egal über was. Er war der Netteste von allen. Er hat jedoch das Angebot, das ich im Fernsehen bei Beckmann unterbreitet habe, bis heute nicht angenommen.“

Draußen schneit es ohne Unterlass. Das Essen hat gemundet. Mueller-Stahl ist nach zwei Stunden des Redens müde geworden. Letzte Frage: Worauf dürfen sich die 320 Gäste in der Reetscheune einstellen?

Mueller-Stahl zieht die linke Augenbraue hoch: „Schreiben Sie, die Texte seien ungeheuer kompliziert. Oder besser noch, schreiben Sie es nicht, sonst geben die Leute noch die Karten zurück.“

Armin Mueller-Stahl: Schauspieler, Maler, Schriftsteller, Musiker — und Ehrenbürger von Schleswig-Holstein
Schauspieler: Theater-, TV- und Filmstar; u.a. Oscar-Nominierung 1997 für „Shine“.

Maler: Gemälde, Mischtechniken, Zeichnungen und Lithografien; zahlreiche Ausstellungen wie derzeit in der Kulturkirche Neuruppin.

Musiker: Gesang und Violine; Album „Es gibt Tage“.

Schriftsteller: Zehn Bücher veröffentlicht, darunter die Novelle „Hannah“.

Auszeichnungen: u.a. Goldene Kamera für sein Lebenswerk (2011); Bambi (2007); Ernennung zum Ehrenbürger des Landes Schleswig-Holstein (2010).

Peter Mantik

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